Polizisten üben Stechschritt und Feuer mit Panzerfaust

Jürgen Gückel:

“Aufstehen der Lehrhundertschaft, gleich nach dem ersten Knacken der Lautsprecher auf dem Kasernenflur. Knarzige Durchsage, dann hatte der Stubenälteste Reinhard Brandes Meldung zu machen – immerhin noch im Schlafanzug.

50 Jahre später ist Stube 222 nicht mehr ganz vollzählig und gesund. Immerhin: Von den 31 Polizeischülern des Jubiläumsjahrganges 1962, des 25., der in der Landespolizeischule je zum Polizeidienst ausgebildet wurde, sind 14 gekommen. Und ein Ausbilder gar: Hauptwachtmeister Winkelmann, wie er einst einschließlich mit Dienstgrad genannt wurde.”

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Ein Tag im Leben einer Kriminalbeamtin – Geschichten, die das Leben schrieb – Lustiges, Ernstes + Blödsinn aus 16 Jahren

Was dieses Buch eigentlich soll

Diese Geschichten sind “gesammelte Werke” entstanden über viele Jahre hinweg. Es sind Schusselgeschichten, wahre Geschichten und Phantasiegeschichten. Immer aber habe ich mich dabei in einem Zustand von Übermut befunden und Gefühle und Erlebnisse auf diese Art heraus lassen tnüssen. Nehmt euch von diesen Geschichten, was euch gefällt und betrachtet das Ganze mit einem Augenzwinkern.
Ich bedanke mich ausdrücklich bei meinen Familienangehörigen, Kollegen und den anderen Personen aus meinem Polizeialltag, die für diese Geschichten “herhalten” mussten.

Gerne habe ich die Geschichten illustriert. Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich um eigene Zeichnungen und Fotos.

Selbstportrait - Annerose R. Windeler

Selbstportrait – Annerose R. Windeler

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Tag im Leben einer ganz normalen Kriminalbeamtin

Der Wecker klingelt … oh je … ist ist 7.10 Uhr. Um 7.30 Uhr soll ich dort sein und ich muss noch 10 Minuten fahren. Nun aber schnell. Mindestens 3mal muss ich den Wecker ausgestellt haben, und nicht nur aus, sondern auch ein Stück näher zu mir her transportiert haben. Es ist ein Phänomen, dass ich doch immer noch gerade rechtzeitig aufwache. Was ziehe ich an? Man gut, dass ich mir das gestern Abend schon überlegt habe und die Sachen jetzt mundgerecht hier liegen. Anziehen, ein Blick auf meinen schlafenden Mann im Nebenbett und ab in die Küche.

Die abends programmierte Kaffeemaschine hat ihren Auftrag erfüllt. Ich habe weder Kaffee noch Wasser vergessen und auch die Zeit richtig eingestellt sowie den Knopf auf die richtige Einstellstufe gedreht. Das ist durchaus nicht immer der Fall. Nun, es hat geklappt… ich gieße mir den dampfenden Kaffee ein, öffne den Kühlschrank und greife zur Milch… leer… Ich verfluche ihn.
Schnell in den Vorratsraum, Milch her, Milch auf, Milch rein, schnell trinken. Tasche her und los. Den restlichen Kaffee kann ich nun nicht mehr in seine Thermoskanne gießen für ihn, keine Zeit mehr, das hat er nun davon. Die Katzen miauen … soll’n sie doch ihre Brekkies fressen, die liegen da ja noch.

Draußen ist es dunkel. Mit der Taschenlampe bahne ich mir den Weg bis hin zur Garage. Wir wohnen auf einem Bauernhof, in einem alten Niedersachsenhaus. Straßenbeleuchtung gibt es hier nicht.
Auto auf, Sitz einstellen, “er” ist gestern zuletzt gefahren. Radio an .. .” es ist 7.21 Uhr” … losfahren, rückwärts … warum geht denn bloß dieser blöde Rückwärtsgang nicht so wie ich will??? Und los geht’s. Ich fühle mich müde, unausgeschlafen, die Augenlider sind geschwollen, die Knautscher vom Bettzeug lassen Sich auf der rechten Wange deutlich fühlen. Ich versuche, sie gerade zu zerren und hoffe, dass sie niemand bemerken wird.

Um 7.30 Uhr fahre ich auf den Hof. Soll mal einer was sagen… der Dienst beginnt mit dem Einrücken auf dem Grundstück – steht irgendwo, hab ich mal gelesen. Parkplatz suchen. Die Plätze sind begrenzt, das heißt, es gibt noch EINEN, den will keiner, unter einem Baum. Auf diesem Baum sitzen gerne Tauben. Auch ich soll da nicht parken, mein Mann schimpft sonst. Und nun? Kann ich auch nicht ändern.

Ich nehme meine Tasche, verschließe den Wagen und tausche meine Feierabend/ Freizeitschlüssel gegen das Dienst-Schlüsselbund aus. Daran hängen der Dienststellen – Hintereingangstür – Schlüssel, die Schlüssel für mein Stahlfach und den Holzschrank im Nebengebäude, in dem sich meine grünen Hundertschaftsklamotten befinden. Außerdem habe ich meine Dienstmarke daran befestigt. Mit einem Karabinerhaken begleitet mich dieses Schlüsselbund durch den Arbeitstag, eingehängt an Gürtelschlaufe rechts. Ich habe meistens eine Gürtelschlaufe, weil ich meistens, eigentlich immer, eine Hose trage. Meine Kollegen wünschen sich gelegentlich mal eine “richtige” Kollegin mit Rock. Doch das bleiben die Wünsche einzelner Kollegen. Die polizeipraktische Bekleidung gilt auch für Frauen: Hose, flache geschlossene Schuhe, Jacke mit möglichst großen Taschen (für Merkbuch und so) und vielleicht auch mit Kapuze, denn man weiß ja nie, wohin man muss, wie lange man vielleicht irgendwo draußen stehen muss und bei welchem Wetter.

Ich schließe die Tür auf, gehe in die Wache und begrüße die dortigen Kollegen, sowie diejenige, die mir in der nächsten Zeit die Gespräche vermitteln wird. Dann quäle ich
mich schweren Schrittes die Treppe ins erste Obergeschoss hinaus. An den Wänden hängen bunte Bilder, gemalt von mir. Ich kann mich schwach n das Glücksgefühl erinnern, das sich einstellt, wenn ein solches Werk fertig ist.Ich hatte es schon lange nicht mehr.

Im Moment ist alles im Umbruch. Das Kennenlernen meines Mannes und die privaten Veränderungen hierzu sowie die Polizei reform mit ihren Folgen in meiner Arbeit haben mich irgendwie aus der Bahn geworfen.
Ich bin gerade wieder vier Tage im Dienst, nachdem ich fast fünf Wochen nicht mehr in diesem Gebäude war. Die Falten in meinem Gesicht haben sich sichtbar geglättet, meine vibrierenden Nerven höben sich beruhigt. Ich habe mir – wie schon öfter ernsthaft vorgenommen, mich nicht mehr von der Unruhe in diesem Arbeitsbereich anstecken zu lassen. Ob das wohl gelingen wird? Ich muss eine andere Einstellung zum Beruf gewinnen, sonst werde ich krank.Vor dem Urlaub habe ich mich bereits ernsthaft auf eine andere Stelle beworben und sie mir zusammen mit meinem Mann angesehen.
Verschiedene Umstände sprachen schließlich dagegen und das ist auch o.k. So,
jedenfalls zum derzeitigen Zeitpunkt. Doch das letzte Wort war es noch nicht. Auch
der Gedanke an eine 30-Std.-Woche ist noch nicht ausdiskutiert.

Mein Schlüssel öffnet das passende Stahlfach, in dem ich meine Waffe, die Kaffeekasse und meine Tasche aufbewahre. Meine Tasche verstaue ich dort drin, weil mir in der vergangenen zeit zweimal Geld abhanden gekommen ist. Ich habe mir fast selber nicht geglaubt, aber es muss so gewesen sein. Seitdem ist jedenfalls Ruhe und meine Vorstellungen über die Geldsumme in meinem Portemonnaie stimmen wieder mit der Wirklichkeit überein.

Es ist 7.35 Uhr. Ich begrüße meine Kollegen, die allesamt in Ordnung sind. Einer fehlt noch – der Spätdienst deckt die Zeit zwischen 16 und 19 Uhr ab und kommt deswegen später.
Zur zeit sind wir in diesem Ermittlungsbereich 10 Beamte, zusammengewürfelt aus Schutz- und Kriminalpolizei, etwa ab 30 aufwärts. Der Altersdurchschnitt dürfte sich bei 40/45 einpendeln. Dementsprechend zeigen die Haare bereits etwas grau oder lichten sich an den vererbten Stellen.

Unsere Arbeit umfasst großenteils die Aufnahme und die Bearbeitung aller Anzeigen der Bürger – soweit sie nicht Verkehrsdelikte betreffen. Das sind in unserem Zuständigkeitsbereich überwiegend Einbrüche oder Diebstähle jeglicher Art. Körperverletzungen, Vermisste, kleinere Brände, Betrügereien, Spurensicherung, Erkennungsdienst und manchmal auch noch anderes. Eben das, was man als Bürger so anzeigen will (Mir ham’ se … ).

Und dann gibt’s da noch meine VerTraute (Traute) , die, die mir am meisten fehlt, wenn sie nicht da ist. Unsere Angestellte und gleichzeitig meine Freundin. Wir Frauen müssen zusammenhalten. Das ist in diesem Männerhaufen überlebenswichtig. Und wir stellen immer wieder fest, die Probleme sind in allen Altersklassen dieselben …. das beruhigt.

Ich nehme meine Protest-Tasse mit dem Emblem des “BdK” = Bund Deutscher Kriminalbeamter, als Gegenstück zur HGdP” = Gewerkschaft der Polizei und hole mir vom Kaffee, den der Frühdienst bereits aufges.et.zt hat. Das ist eigentlich die wichtigste Aufgabe des Frühdienstes. Es gibt selten einen Grund, weshalb bereits eine halbe Stunde vor der üblichen Zeit jemand da sein müßte. Der Kaffee ist gut, obwohl immer irgendjemand an der Maschine – egal welche gerade aktuell ist – etwas zu verbessern hätte.

8 Uhr, Frühbesprechung. Wir, alle die da sind, versammeln uns, um uns über den gestrigen Tag und das Neueste auszutauschen. Das ist nicht immer gerade viel. Und auch nicht immer interessant, eben auch Alltag.

Manchmal gibt es so hübsche Neuigkeiten wie:

  • Es wird aus gegebenem Anlass nochmals darauf hingewiesen, dass alle Schutzpolizeibeamten ihre Uniform anzuziehen haben. Es wird mehr sichtbare Polizei auf der Straße gewünscht.
  • Unter den Beamten scheint sich eine Unruhe breit gemacht zu haben, dies sollte doch unterlassen werden.
  • Es ist bekannt geworden, dass einige Dienstzweige soviel Zeit übrig haben, dass sie eine halbe Stunde lang die Jahres-Urlaubsplanung machen können.

Das Aufregendste heute war eine Dreiviertelseite in der örtlichen Presse über eine Schlägerei in der Neujahrsnacht zwischen einer Gruppe deutscher und einer Gruppe deutsch-russischer Jugendlicher. Wir erfahren, dass endlich extra zwei Beamte eingesetzt werden, die sich nur damit befassen werden. Es sind zwei Beamte aus der Schicht, die in ziviler (!) Kleidung für 4 Wochen ermitteln sollen. Wir stellen fest, dass wir zwar die Sachbearbeitung haben, uns aber niemand fragt.

… Ich wollte mich doch nicht mehr aufregen, nein nein, nein .. wahrscheinlich müssen wir noch die Schicht verstärken, aus der diese beiden extrahiert wurden…

Mir persönlich geht das Adrenalin deswegen hoch, weil jetzt der “Bahnhof” gefahren wird, nur weil sich ein angesehener Bürger beschwert hat, dass polizeilicherseits nichts getan wird… zwei seiner Söhne waren in die Schlägerei verwickelt. Als vor einiger Zeit einem jungen Ausländer völlig grundlos von einem Fremden mit einer Flasche das Augenlicht zerstört wurde oder innerhalb einer Auseinandersetzung zweier deutsch-russischer Gruppierungen ein junger Mann an einem Messerstich fast gestorben wäre… Da wurde nichts verstärkt, trotz der schweren Tat und den lebensgefährlichen Verletzungen. Aber da hatte sich ja auch niemand beschwert.

Die Tür geht auf, der Kaffee-Aufsetzer der derzeitigen Schicht guckt, stutzt, kommt zögernd rein. Kurze Zeit später folgen weitere frechere und fordern mit lauten Stimmen ihre Plätze ein.
Wir gehen in unsere Zimmer.

Die eigentliche Arbeit kann losgehen. Es ist 8.30 Uhr. Ich wühle auf meinem Schreibtisch herum. Glüc~ gehabt. In der Zeit meines Urlaubs ist für mich kaum etwas liegen geblieben. Das kann auch anders sein. Die Kollegen haben sehr viele Ladendiebstähle zu bearbeiten gehabt. Für den Diebstahl einer Packung Kaugummi oder ein paar Haarnadeln wird relativ viel Polizei beschäftigt.

In jedem Fall gibt es einen Täter und der hat das recht, dazu auch seine Meinung zu sagen, wenn er will. Ansonsten würde ja die Aussage des Diebstahls-Zeugen allein dastehen.Und wenn es Täter gibt, müssen alle möglichen Formulare ausgefüllt werden. Ich habe eine neue Kopie in meine Sammlung bekommen, eine Aussage über einen Diebstahl “ich sah, wie der Mann seine Frau deckte … ” Das freut einen doch.

Herrje, die Akte kenne ich doch. Ich kriege sie zum x-ten Mal von der Staatsanwaltschaft zurück, so eine Familienkiste. Mutter ist gestorben und die Erben streiten sich um einen alten Daimler. Es ist nicht zu fassen. Die Geschwister sind untereinander und mit Vater zerstritten und scheißen sich gegenseitig an. Und ich soll nun klären, wer da was gemacht hat und wer die Wahrheit sagt und wer nicht. Ich leg die Akte zur Seite. Da hab ich jetzt keine Lust zu. Außerdem muss ich mir erstmal eine Aufstellung machen, wer wann was gesagt hat und was ich überhaupt noch wissen will.

Da nehm’ ich doch lieber erstmal was kurzes, einfaches, ein Fingerspurenergebnis. Das gehört zu einem Diebstahl aus einem Wohnhaus. Ein Fenster wurde offen stehend vorgefunden, ohne Aufbruchspuren. Und ein Blumentopf samt Blume stand woanders. Die Fingerabdrücke auf diesem Blumentopf waren so gut, dass sie mit denen der Hausbewohner abgeglichen werden mussten. Hier das Ergebnis: Es waren die Spuren der guten Hausfrau. Das bedeutet, dass es nun überhaupt keinen Anhaltspunkt mehr dafür gibt, dass ein Fremder im Haus war. Ich rufe die Versicherung an, der Sachbearbeiter wartete auf eine Nachricht. Es liegt hier auch beim allerbesten Willen kein schwerer Diebstahl im Sinne der Versicherung vor. Die Geschädigten werden keine Geld bekommen. Das ist in diesem Fall auch nicht so schlimm. Die Leute sind reich, für die ist der Schaden von 10.00 DM soviel wie für eine Oma mit Rente 100 DM wert sind.

Ein Kollege kommt rein. Er trägt ein Stück Plastik mit sich herum und sucht jemanden, der eine Spurensuche daran macht. Wir üben es gemeinsam. Es handelt Sich um ein Stück Lenksäulenabdeckung, das beim Autoklauen abgerissen wird. Pech für die Polizei, Glück für den Täter. Man sieht zwar, dass jemand gegriffen hat, aber ein Stück Papillarlinienmuster ist beim besten Willen nicht da. Ich zerknülle vorsichtig das untergelegte Zeitungspapier und wasche mir meine schwarzgepulverten Hände.
Soviel hierzu.

Mein Chef kommt rein und trägt triumphierend zwei ineinander verkeilte dicke Akten auf mich zu … Guck mal, da ist sie schon wieder …. ich steige gar nicht durch, was die jetzt wissen wollen …. ” Ich auch nicht gleich. Während mein Kollege, mit dem ich das Zimmer teile, unseren einzigen Schreibcomputer quält, versuche ich, die Akte zu entwirren.

Diese Akte ist eigentlich sehr interessant. Begonnen hat sie ähnlich wie diese Mercedes-Streit-Sache. Ein älterer Herr bombardierte mit zahlreichen und ausführlichen Briefen die Behörden, und alle, die ihm seiner Meinung nach etwas angetan hatten.

Nach einem Urteil vor dem Zivilgericht fing er jedoch wieder an und behauptete, die Frau hätte vor Gericht eine Falschaussage gemacht und zwar hätte sie wahrheitswidrig behauptet, nicht mit ihm in ehe-ähnlicher Gemeinschaft gelebt zu haben. FALSCHAUSSAGE, das geht ja nun doch nicht… Durch diese Anzeige kam ich mit der Frau in Kontakt. Nach einem kurzen Gespräch am Telefon wurde klar, dass diese Sache nicht so kurz abgetan werden konnte. Es steckte eine Lebensgeschichte dahinter:

Die Frau, Mitte Vierzig, hatte in der ehemaligen DDR eine leitende Funktion in einem Hotel-Komplex. In dieser Funktion lernte sie einen wesentlich älteren Herrn kennen, der alle Kompetenzen des westlichen Marketing zu haben schien. Er zeigte ihr die Möglichkeiten auf, im Westen ein kleines Hotel nach ihren Vorstellungen führen zu können. In dieser Zeit brach in ihrem persönlichen Bereich gerade alles zusammen. Sie trennte sich von ihrem Mann wegen dessen massiver Alkoholprobleme, hielt aber von der ferne her zu ihm. Gleichzeitig stand der Verkauf des Hotelkomplexes, in dem sie arbeitete, zum Verkauf an, womit sie auch ihre Arbeit verlieren würde. In dieser persönlichen Situation nahm sie die Hilfe der Vatergestalt an, sah ihre Zukunft in seinem Angebot. Sie ließ alles hinter sich und folgte ihm in den Westen. Er besaß ein großes Haus mit Sauna und Pool und diversen Zimmern. Sie glaubte an ihn. Er hatte ihr Baupläne gezeigt und sogar eine Architektin war da und machte Vorschläge. Aber: die Banken gaben ihm keine Kredite. Sie nahm sie für ihn auf, damit ihr Wunsch auch in Erfüllung gehen konnte.

Eines Tages erhielt sie einen Brief. In diesem stand, dass dieses Haus samt ihrer Wohnung und der neuen Einbauküche (I) versteigert wurde und der neue Besitzer nun bald einziehen will. Eine Welt brach zusammen. Sie begriff, dass sie die ganze Zeit ausgenommen wurde. 70.000 DM hatte sie insgesamt für ihn und ihr gemeinsames Ziel aufgenommen.
Ab jetzt ging sie ihren eigenen Weg.

Erst jetzt, 4 Jahre später, durch die Anzeige dieses Mannes gegen sie, wurde der ganze Umfang der Geschichte amtlich bekannt. Mit geringem Aufwand konnte dem Mann nachgewiesen werden, dass seine Anzeige gegen sie falsch war Er hatte damals vor dem Sozialamt eigens handschriftlich bestätigt, dass sie keine ehe-ähnliche Gemeinschaft haben. Dies konnte zusätzlich von diversen Zeugen belegt werden.
Mit Hilfe der Aussage der Frau und ihren detaillierten Aufzeichnungen ließ sich mit etwas Mühe nachweisen, dass der Mann damals einen Bauvorantrag für ein Hotel gestellt hatte. Dieser Antrag samt Bauzeichnung überzeugte sie damals, in den Westen zu gehen. 6 Wochen nach AntragsteIlung zog er diesen zurück und ließ sie ab diesem Zeitpunkt in dem Glauben, ihr Ziel sei greifbar nahe.

Die jetzige amtliche Anzeige gegen ihn wegen Betruges gibt ihr zwar das Geld nicht zurück, ist aber vielleicht irgendwo ein Stück Rehabilitation für sie.

Er ist inzwischen pleite und Sozialhilfeempfänger.

Was wollte die Staatsanwältin denn jetzt noch in dieser Sache…. VERJÄHRUNG???
Sie schreibt “wenn die letzte Vermögensverfügung aufgrund der Täuschung 5 Jahre
her ist, dann ist die Sache verjährt.”

Ich blättere die Akte durch, hin und her, vor und zurück, nein, das kann nicht sein, nicht verjährt, nicht dies … und ich finde was. Gottseidank, da ist der Kreditvertrag. Begonnen 1993, letzte Rate 1997. Na also, noch ewig nicht verjährt, puhh. Ich rufe die Frau vorsichtshalber an, damit ich der Staatsanwältin nichts Falsches antworte.

Sie klingt glücklich und kraftvoll am anderen Ende des Telefons. Alles nimmt einen guten Verlauf. Ihr Mann, mit dem sie schon länger wieder zusammen ist, hält dem Alkohol stand und hat seit kurzem sogar wieder Arbeit in seinem Lieblingsberuf. Ihre gemeinsame Tochter hat gerade bei einer Tombola ein Auto gewonnen und macht jetzt den Führerschein. Und sie selbst hat wieder ein eigenes Pferd.

Wie gut, dass sie damals, als sie sich erhängen wollte, in der letzten Sekunde gerettet wurde!

Und ich bin froh, dass ich genug Zeit gefunden habe, um diesem Betrüger seine Taten hoffentlich nachweisen zu können.

Mein Bauch knurrt. Irgendwo muss noch ein Stück Schokolade sein. Schade, nur ein Riegel. Reicht nicht ganz. Aber heute habe ich ja was mit, etwas Selbstgekochtes: Wirsing mit Möhren, Körner, Sahne, Käse. Im Kühlschrank steht’ s. Ich renne in den Aufenthaltsraum zum Kühlschrank.

Meine Telefon klingelt. Ich renne zurück. Am Telefon ein Kollege. Ein anderer Kollege hat über Funk mitteilen lassen, dass ich eben herkommen soll, sie wären jetzt da. Ich weiß, was gemeint ist. Meine Kollegen führen eine Wohnungsdurchsuchung durch. Ich wollte daran teilnehmen, weil ich mir vorstellen könnte, dass bei denen vielleicht das Diebesgut aus einem Wohnungseinbruch zu finden wäre.

Ich suche einen Dienstwagen. Keiner da. Vielleicht einen Streifenwagen? Lieber nicht. Wenn ich in zivil allein da drin sitze, können die Leute mit mir nicht viel anfangen, und ich fühle mich ebenfalls hilflos, falls man “richtige” Polizei erwartet – und dann steige ich aus.

Wenn man Streifenwagen fährt, dann schleichen alle anderen vor einem her, und selbst muss man auch immer vernünftig fahren, und außerdem grüßen dauernd vorsichtshalber irgendwelche Leute …
Ich nehme meinen eigenen Wagen!

Die Kollegen sind schon fertig mit durchsuchen. Die jungen Leute, bei denen wir sind, sind arme Schweine. Mit den Eltern überworfen, zu Hause abgehauen, immer wieder stehlend, kein richtiges Zu Hause, haben sie jetzt ein Zimmer zu zweit, sich liebend, sie schwanger, gerade 18. Im Zimmer eine Matratze auf dem Fußboden, schmutzige Bekleidung daneben und ein altes Radio.
Ich bin überzeugt, die waren es nicht, sonst hätten sie davon irgendwas behalten. Bei dem Einbruch fehlten sämtliche Haushaltsgegenstände , die man in der Steckdose anschließen kann und noch mehr.
Es ist 13.30 Uhr, als ich zurückkomme. Jetzt aber – ich habe Hunger… Die Mikrowelle macht “ping”, das Essen ist fertig. Dazu einen leckeren Grüntee, Ich sitze allein in dem ungemütlich großen Aufenthaltsraum mit Küchenzeile. Wie wohl überall bei Polizei’n üblich, sind die Schränke der verschiedenen Schichten abgeschlossen. Bei uns sieht das so aus, dass jeweils zwei Oberschrank-Türen zusammengeschlossen sind, indem eine dicke Kette durch die Türgriffe gezogen wurde und mit Vorhangschloß versehen ist. An der Seite stehen die verschiedenen Müllbehältnisse:
ein brauner Eimer für Bio-Müll (z.B.Kaffeefilter), eine gelber Sack (z.B. für Fertigmenüschalen und Tetrapacks) und ein blauer für den Restmüll. Üblicherweise schwimmen vor dem braunen Eimer kleine schwarze Kaffeeflöhe in braunen Minitümpeln. Es ist eben schwierig, den Deckel zu heben und das Loch zu treffen, ohne
dass was rausfällt.

An der anderen Wand neben’der Spüle hängen etwa 5-8 Küchentücher, die meisten in dunklem blau kariert. Das ist auch besser so, denn Abtrocknen möchte man hiermit keine weiße Tasse.
Gerade noch erkennbar ist der Schriftzug “Bezirksregierung …”

Die Wand ist vollgestopft mit Trophäen der männlichen Kraft und Ausdauer. Regale voll glänzender und immer wieder größerer und schönerer Pokale… l. Sieger, 2. Sieger, 7. Sieger, alles Sieger. Daneben gerahmte Fotos, auf denen ich Kollegen in ihren besseren Jahren erkennen, kaum aktuelle Fotos dabei. Es kommen eben wenig junge Beamte nach.

Der Tisch, an dem ich sitze, ist groß und achteckig. Das Loch in der Mitte ist ebenfalls mit einem passenden Tisch gefüllt, wodurch eine unüberwindlich große Fläche bis zum anderen Ende vorhanden ist. Auf den Tischen findet man häufig Krümel, schmutzige Tassen, die keinem gehören, zerfledderte Zeitungen von vorgestern … Heute jedoch ist aufgeräumt, was das Ganze aber auch nicht gemütlicher macht.

Mein Kollege hat gerade mal wieder jemanden bei uns im Zimmer. Ich kann also weder telefonieren, noch den Computer benutzen, um das niederzuschreiben, was ich heute morgen gemacht habe. Manchmal ist es wirklich traurig, zwei Arbeitsplätze und eine Schreibmaschine. Früher hatten wir jeder eine mechanische und es klapperte ständig irgendwo im Haus mit dem typisch harten Anschlag. Die mechanische steht zwar noch irgendwo auf dem Schrank, aber eigentlich sind die Zeit wohl doch vorbei.

Manchmal hört man im Flur so etwas wie “Was machst du denn hier in meinem Zimmer?” … “Na, meins ist besetzt, das ist “X”. Und der ist bei mir, weil bei ihm der “Y”ist und der ist da, weil “Z” eine Vernehmung hat und sein Zimmer auch nicht frei ist.”

Ich gehe also doch in mein Zimmer, entschuldige mich bei dem Bürger und erkläre ihm, dass ich hier auch arbeite. Ich gucke in meine Akten und finde noch etwas, wo ich weder telefonieren noch Computer schreiben muss … Ein Gutachten, sieh mal an… mit einem Aktenzeichen aus 1994.
Ist schon schön, so ein Gutachten. Darin ist meine Frage nach drei (!) Jahren beantwortet worden, ob nach dem Ausschlachten eines vorher aus einem Autohaus gestohlenen Neuwagens festgestellt werden konnte, dass ein Nachschlüsse/gefertigt worden sein muss. Die Antwort lautet: ja. Das bedeutet, dass ich heute feststellen müsste, wer vor drei Jahren Zugriff zu den Autoschlüsseln in dem Autohaus hatte. Ich schicke dieses Gutachten dem eigentlichen Ermittlungsvorgang hinterher. Mal sehen, ob ich das wiederkriege, um den Täter einzukreisen.

In dem Zimmer mit der Vernehmung ist mir das nun doch zu blöd. Ich besuche meine “VerTraute” und klaue mir bei ihr ein Bonbon. Sie hat immer welche. Wir verstricken uns wieder kurz in ein Gespräch über Männer , unser Lieblingsthema, werden aber schnell wieder rausgerissen, weil unser “kleiner Chef” eine Nase dafür zu haben scheint und immer dann gerade hereinschneit. Das ist auch nicht weiter schlimm. Ein paar private Worte sind ja wohl nicht verboten.

Treffen sich zwei Beamte auf dem Flur ….. Na, konntest du auch nicht schlafen ?”

Kurz vor 16 Uhr schleppt jemand einen Jugendlichen an, der eigentlich etwas weiter weg in einem Heim sein sollte, aber doch wieder bei uns im Ort herum lief. Praktisch, von ihm wollten wir doch noch was. Während einige versuchen, ihn an einen Verantwortlichen wieder loszuwerden, was wcht ganz einfach ist, weil man die ganze Zeit auf sie aufpassen muss, ohne sie einsperren zu dürfen, suche ich die Akte. Es ist eine Fahrt mit dem Taxi. Der junge Mann hat nicht bezahlt. Wir wussten gleich, wer das sein müsste. Die Taxifahrerin erkannte ihn auf Fotos aber nicht wieder.
Eine Musikkassette “Reichssturm” blieb im Taxi zurück. Ich erkläre dem gut bekannten Jugendlichen, dass wir schon wieder eine Anzeige vorliegen haben wegen einer nicht bezahlten Taxifahrt von X nach XV. Er sagt: ja.
Ich erkläre ihm, dass er ja weiss, dass er als Beschuldigter nicht auszusagen braucht. Er fragt, woher wir wissen, das er das war. Ich sage, wir haben Bilder … Er sagt, ach das war das Ding da vorn im Taxi… Ich sage, wir haben doch Fotos von dir gemacht, weißt du das nicht mehr? Er sagt, ach so, die “Reichssturm”, kann ich die wiederhaben …. Und ansonsten will er gehen, als “freier Bürger in einem freien Land”, wie er meint, mit 16. Recht hat er. Nach einer Stunde und qualvollen Gesprächen mit dem Jugendamt holt Papi ihn ab. Es ist nicht so einfach mit Jugendlichen zwischen 14 und 18. Die Eltern haben alle Rechte, aber keine Handhabe. Auch Jugendämter und Polizei sind hilflos.

So, Feierabend, ab ins Auto und weg. Ich fahre noch schnell beim Markt vorbei, da gibt’s Büroartikel im Sonderangebot. Ich treffe dort noch einen anderen Kollegen, der sich auch gerade eindeckt. Die Bettelei nach Briefumschlägen, längs, mit Fenster oder braun, DIN-A-4, ist aber auch einfach zu blöd. Glücklich bezahlen wir unsere Errungenschaften, Briefumschläge, Zettelblocks, Klebezettel, Plastikhüllen, Ordner…

Wenn nicht in allen teilen der Polizei noch ein gewisser Idealismus übrig wäre, wäre
längst alles zusammengebrochen.
So oder ähnlich verlaufen die meisten Tage einer ganz normalen Kriminalbeamtin.

Januar 1998

Hundertschaftseinsatz

Es ist so wunderschön, dabei zu sein. Alle freuen sich. Mein Kollege durfte seine Frau zu Hause lassen, beim Kindergeburtstag. Der andere hatte, so wie ich, am vergangenen Wochenende bereits ebenfalls Samstag und Sonntag gearbeitet. Auch er freut sich sehr. Ich denke mal, so wird es allen anderen auch gehen. Besonders schön ist es, diesen ÜberraschungsausfJug am Freitagnachmittag für den nächsten Tag geschenkt zu bekommen.

Nun sind wir da, in Emden, direkt am Wasserturm. Ein Auto nach dem anderen fährt auf den Hof. Der Hof hat ein automatisches Rolltor mit einer gelb blinkenden leuchte. Es staut sich. Die grün-weißen Autos passen nicht alle gleichzeitig hinein. Auch ein Rolltor hat seine Stress-Grenze. Ich sehe, wie es langsam zu geht und an der Tür eines Streifenwagens hängen bleibt … Klack” macht es. Langsam und vorsichtig geht das Fenster der Beifahrertür auf und ein Kollege beugt sich grinsend heraus. Er ist gefangen. Es dauert bestimmt fünf Minuten bis es weitergeht. So ein Rolltor kann ziemlich stur sein. Es will einfach nicht wieder zurück. Alles freut sich. Erst eine kräftige beherzte Hand kann dieses störrische Tor wieder an seine Ausgangsposition bewegen.

Es ist soweit. Wir sind auch auf dem Hof. Es wird hin und her rangiert und vor und zurück rangiert Endlich haben alle ihren Platz eingenommen. Der Hof bildet aus Mauern und Wänden eine Burg es kehrt Ruhe ein. In den Fahrzeugen sieht man hinter beschlagenen Scheiben überall sich ab und zu bewegende Köpfe. Es dämmert. Das Flutlicht auf dem Hof ist angegangen. Ein Aufenthaltsraum wurde zur Verfügung gestellt. Er scheint nicht grof! zu sein. Man kann von außen erkennen, in den hell erleuchteten Scheiben ohne Gardinen, dass die Kollegen dort auch nichts Aufregendes vorfinden. Das ist die verlangte volle Hingabe an den Beruf.

Mir genau gegenüber stehen zwei wunderschöne vergitterte grün-weiße Busse. Der eine davon gehört zu unserer Dienststelle, der andere nicht.lch versuche mir zu merken, hinter welchen de~ vielen grün-weisen Autos ich denn immer hinterher fahren muss. Unser Bus ist daran zu erkennen, dass er im Gegensatz zu den anderen, statt einem weißen Dach ein moosgrünes besitzt. Nur am Rand ist das ursprünglich wohl ebenfalls weiße Dach etwas heller als der Rest. Kleine Vierecke sind frei geschabt. Offensichtlich hat hier einer de Wagenpfleger die Grundfarbe testen wollen. Auch die Stoßstange rostet so langsam vor sich hin. Man munkelt, dass Preise ausgesetzt sein sollen als Belohnung für denjenigen, der diesen Bus endlich irgendwie kaputt kriegt.

“Es werden keine Gefangenen gemacht. Diese Scheiß-Skins machen unser Wochenende kaputt. Die sollen man kommen. Die kommen uns genau richtig. Denen werden wir das schon zeigen”.

Wenig später macht sich mein Kollege lang auf der Dreiersitzbank. Für kurze Zeit ist ein kleines lebendiges Schnarchen hörbar … zwei kleine Schnarcher, einmal Luftschnappen, dann ist wieder Ruhe. In dem grünen Bus, genau neben uns, sehe ich einen kleinen Fernseher, so ein Mini-Ding mit einem schlechten Bild. Vor der Glotze sitzen drei Kollegen, einer davon schläft, wie zu Hause, vorm Fernseher. Losgefahren sind wir um 14.30 Uhr, inzwischen ist es 21 Uhr.

Ich für meinen Teil sitze hier, warm und trocken. Unser neuer VW-Bus ist gut ausgestattet mit einer Standheizung. Die ist sogar durch eine Extra-Zusatzbatterie selbst versorgt. Inzwischen habe ich meine beiden Hefte endlich durchgelesen, manche Berichte bereits zum zweiten oder dritten Mal. Ich stelle fest, diesmal habe ich zu wenig zu Lesen mitgenommen. Also sitze ich ohne weiteren Lesestoff allein im Bus, die Füße nach oben, auf dem·Sofa” und versuche genießen zu dürfen, an nichts denken zu müssen.

eines des Huntertschaftsautos mit einem sehr schönen Werbespruch

eines des Huntertschaftsautos mit einem sehr schönen Werbespruch

.. Ich denke aber ! .. denn ich sehe meine Beine, in den grünen Hosen, unten mit
Gummizug. Unter dem Gummizug sind meine übereinander gelegten Füße, bekleidet mit schwarzen festen Einsatzschuhen. Im Licht der großen Lampe, die den Hof hier  beleuchtet, sind meine Beine zeichnerisch sehr schön. Der Faltenwurf zeigt starke Kontraste. Dort, wo das Licht her scheint, ist die Hose voll beleuchtet. In dem anderen Bereich, hinter den Falten, ist es richtig dunkel. Das sieht sehr schön und plastisch aus und mir fällt ein, dass ich eigentlich schon mal gezeichnet habe und dies vielleicht ein sehr
lohnenswertes Objekt wäre. Es ist nur so, dass ich weder Papier noch Bleistift habe. Und außerdem, glaube ich, habe ich auch gar keine Lust.Um die Langeweile zu durchbrechen, habe ich bereits die Hälfte meiner Brote aufgegessen. Und auch der Kaffee ist weniger geworden. Soviel, wie man bei solchen Einsätzen isst, würde man sonst gar nicht zu sich nehmen, wenn etwas los wäre. Ich glaube, das wird wieder einmal sauer verdientes Geld sein!

Unruhe ist spürbar, in die Autos kommt Leben. Einer macht die Tür auf “Los geht’ s, Ende, ab nach Hause”.

Es ist 22.30 Uhr und wir sehen zu, dass wir Streifenwagen um Streifenwagen überholen können.

Nov. 1998

 

Annerose R. Windeler, geb. am 8.6.54 in Hildesheim,
27243 Hölingen in der Wildeshauser Geest
Kriminalbeamtin seit 1978, seit 1983 in Wildeshausen

 

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Auschwitz – ein schwerer Weg für einen deutschen Polizisten

Die Bilder – die kennt man – aus dem Fernsehen, aus dem Internet oder aus unzähligen Veröffentlichungen. Der in eisernen Lettern geschmiedete Spruch „Arbeit macht frei“. Eine an Zynismus kaum zu überbietende Versprechung. Sie suggeriert, dass derjenige, der durch das Tor gehen muss, es noch beeinflussen kann, ob er wieder herauskommt – wenn er nur fleißig und gehorsam ist.

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Doch so war es nicht! Die eisernen Lettern über dem Lagertor waren nur Teil eines ausgefeilten Mordplanes, der aus Verschleierung, Täuschung und Arbeits- bzw. Verantwortungsteilung geschmiedet worden war. Unzählige Menschen fielen diesen heimtückischen Planungen zum Opfer. Und das, ohne dass sie irgendjemandem irgendetwas getan hatten. Sie waren nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Und die Täter? Neben Überzeugungstätern, die es auch gab, waren es in den meisten Fällen Menschen die glaubten – oder glauben wollen – nur ihre Pflicht tun zu müssen. Sie hatten nicht persönlich etwas gegen ihre Opfer und nach den Taten lebten sie genauso unbescholten weiter wie zuvor. Waren also auch die Täter nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Schwer vorstellbar, kaum zu akzeptieren und doch nicht ganz ohne Wahrheit. Wenn ein Verwaltungsapparat zu einer Mordmaschinerie mutiert, dann verschwinden die Täter in der Anonymität der Funktionsträgerschaft.

Wer aktuell die Urteilsbegründung des Landgerichts Lüneburg im Fall Oskar Grönings liest, der erfährt viel über ein System, das mit Heimtücke gegenüber den Opfern agierte, fast schon banal arbeitsteilig funktionierte und aus Opfern Opfer und aus Tätern Täter machte. Auf der Rampe in Auschwitz Birkenau trafen Menschen aufeinander, die bis dahin beide nichts Unrechtes getan hatten. Nur jetzt, an dieser Stelle trennten sich die Wege. Die einen wurden von den anderen umgebracht, grausam und heimtückisch.

Auschwitz und die anderen Vernichtungslager waren Menschenschlachthöfe. Sie erscheinen einem heute wie aus einer apokalyptischen Utopie. Man fühlt sich an die düsteren auf Leinwand gebrachten Höllenvorstellungen eines Hyronimus Bosch erinnert, wenn man die Berge von menschlichen Hinterlassenschaften sieht. Die Haare, Gebisse, Brillen und Schuhe waren für die Weiterverwertung gedacht. Völlig unwirklich erscheinen auch Fotoaufnahmen von der tödlichen Selektion auf der Rampe im strahlenden Sommerwetter 1944. Man ist beinahe froh, dass es keine Farbaufnahmen sind.

Doch was hat das Grauen von Auschwitz mit der deutschen Polizei von 2016 zu tun? Ich glaube eine ganze Menge!

Denn Auschwitz ist auch der Ort, an dem sich Polizeigeschichte widerspiegelt. So waren es in aller Regel Polizisten, die im Rahmen eines polizeilichen Einsatzes ihre jüdischen Mitbürger zu den Sammelorten für den Abtransport einbestellten, bis in die Gettos oder Konzentrationslager begleiteten und bewachten.

Es waren Polizisten der Geheimen Staatspolizei, die politische Gegner des Nationalsozialismus in die Lager einwiesen. Und es waren ganz normale Kriminalbeamte und Frauen der weiblichen Kriminalpolizei, die Menschen als Berufs- und Gewohnheitsverbrecher stigmatisierten und auf Dauer in die gleichen Lager sperren ließen.

Auschwitz ist ein Teil unserer kollektiven Geschichte als Deutsche. Wir tragen zwar keine Schuld am Handeln der Menschen in dieser Zeit – aber wir haben unseren Teil an Verantwortung dafür zu übernehmen, dass das was damals wie passiert ist, nicht vergessen, sondern aufgearbeitet wird und bewusst bleibt.

Genau dieser Verantwortung haben sich Anfang April junge deutsche Polizeiangehörige im Rahmen eines gewerkschaftlichen Bildungsseminars in Krakau gestellt. Sie haben die Gedenkstätte Auschwitz besucht und sich anschließend in Workshops mit dem auseinander gesetzt, was sich ihnen dort an Eindrücken geboten hat. Und sie haben sich dann genau mit der Frage der Relevanz beschäftigt, nämlich wie gehen wir mit unserer eigenen Geschichte um?

Die Beschäftigung mit Polizeigeschichte ist nicht Standard in der Aus- und Fortbildung von Polizeiangehörigen in Deutschland. Deshalb ist es besonders wichtig, dass zumindest diejenigen, die sich aus eigenem Antrieb mit der Polizei im NS-Staat auseinander setzen möchten, auch Gelegenheit dazu bekommen. Ich spreche deshalb den Organisatoren und Teilnehmern der Veranstaltung in Krakau meinen Dank und Respekt aus. Sich in Zeiten, in denen rechtes Gedankengut in Deutschland und Europa wieder zunehmend an Boden gewinnt, sich mit den Folgen einer solchen Politik auseinanderzusetzen, erfordert Einsicht, Engagement und Courage.

 

Dr. Dirk Götting, Polizeiakademie Niedersachsen

Veröffentlicht unter Nationalsozialismus, Orte | Comments Off on Auschwitz – ein schwerer Weg für einen deutschen Polizisten

Pkw Mercedes-Benz Strich 8, eingesetzt als Funkstreifenwagen bei der Polizei in Niedersachsen, Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem

Nach meiner dreijährigen Ausbildung zum Polizeibeamten wurde ich am 01. April 1971 zur
Bezirksregierung Hannover, Motorisierten Verkehrsstaffel Hannover (im Volksmund “Autobahnpolizei”), in 3011 Ahlem, Turmstr. 1, versetzt. Dies war und ist bis heute die größte Verkehrspolizeistaffel in Niedersachsen. Bei den ehemaligen Bezirksregierungen Braunschweig, Lüneburg und Oldenburg gab es auch Verkehrspolizeistaffeln, die die dort, die im jeweiligen Regierungsbezirk verlaufenden Bundesautobahnen betreuten. Auch diese Verkehrsstaffeln waren zu dieser von mir geschilderten Zeit mit Daimler Benz 230/6 Strich 8 Funkstreifenwagen ausgerüstet.
Die nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich auf den Zeitraum von April 1971 bis Mai 1977. Im Rahmen der Gebietsreform 1974 in Niedersachsen wurde auch die Polizei umorganisiert und es erfolgte eine Umbenennung der o.a. Dienststelle, wobei die Zuständigkeitsgrenzen der Dienststelle nicht verändert wurden. Die Motorisierte Verkehrsstaffel Hannover wurde in Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem, 3000
Hannover 91, Am Ahlemer Turm 3, umbenannt.
In den nachfolgenden Ausführungen werde ich die neue Dienststellenbezeichnung  “Verkehrspolizeistaffel (VPSt) Hannover-Ahlem”, verwenden. Der Zuständigkeitsbereich der Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem: A 2 von der BAB AS Hämelerwald bis zur Landesgrenze Nordrhein-Westfalen, die zwischen der BAB AS Bad Eilsen und der BAB AS Porta Westfalica, auf der Talbrücke Todenmann, verläuft. A 7 von der BAB AS Berkhof und der Tank- und Rastanlage Wülferode. Dazu kommt die BAB A 37 und A 352.

Aufgabe:
Die Verkehrspolizeistaffeln treffen in ihrem Überwachungsbereich die zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Leichtigkeit des Straßenverkehrs
notwendigen polizeilichen Maßnahmen, vor allem

  • Verkehrsüberwachung, -regelung, -lenkung
  • Aufnahme und Bearbeitung von Verkehrsunfällen
  • Führen der Verkehrsunfallstatistik
  • Verfolgung von Verkehrsstraftaten und -ordnungswidrigkeiten und
  • Die sonstigen Aufgaben der Schutzpolizei.

Die Verkehrspolizeistaffel wird von einem Beamten des gehobenen Dienstes geführt. Die Staffel gliedert sich in 4 Dienstabteilungen, die den Dienst rund um die Uhr abdecken und die “Technische Verkehrsüberwachung” (Foto, Radar und Abstandsmessung). Der Schichtdienst wird von den Polizeiautobahnstützpunkten (PAS) aufgenommen. Der Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem sind die PAS Garbsen und PAS Hannover-Kreuz
nachgeordnet. Es wurden von der Verkehrspolizeistaffel insgesamt 144,150 Kilometer
Bundesautobahn überwacht. Es gab sechs Streifengebiete.
Zum 31.12.2004 wurden die Bezirksregierungen in Niedersachsen aufgelöst. Zu diesem
Zeitpunkt gehörte die Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem organisatorisch der Bezirksregierung Hannover an. Mit der Auflösung der Bezirksregierungen wurden auch die Polizei in Niedersachsen wieder mal neu organisiert. Damit wurde nun die Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem organisatorisch der Polizeidirektion
Hannover nachgeordnet.
Die neue Dienststellenbezeichnung der ehemaligen Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem lautet jetzt ab 2004:
Einsatz- und Streifendienst BAB IMSW
Meyenfelder Str. 3
30823 Garbsen
Mit dieser Umorganisation wurde auch der Dienstsitz in Hannover – Ahlem aufgegeben.
Das Personal bzw. der Fahrzeugstand wurden nicht verändert. Wobei heute Mercedes-Benz 230 E bzw. D Limousinen sowie auch Audi A 6 Kombi 2,7 l eingesetzt werden.

Ausstattung mit Funkstreifenwagen Mercedes-Benz Strich 8:
Die Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem war mit 12 Funkstreifenwagen Mercedes Benz
230/6, die als Polizeifahrzeug mit Blaulicht in der Farbe “Tannengrün (dunkelgrün)” und an den vorderen Türen waren rechts und links Polizeisterne (Durchmesser ca. 22 cm mit
der Beschriftung “Polizei Niedersachsen” angebracht. Dazu gab es zwei Zivilstreifenwagen
(Farbe hellblau und hellbraun), die mit einem Verkehrsradargerät bzw. einer Traffipaxanlage ausgerüstet waren. Mit der Traffipaxanlage konnte die Geschwindigkeit des vorausfahrenden Fahrzeuges durch Hinterherfahren bei einem gleich bleibenden Abstand ermittelt und dokumentiert werden.
Diese Fahrzeuge waren mit einem Schaltgetriebe ausgerüstet.
Ab ca. 1974 wurden die Funkstreifenwagen in der Farbe “Minzgrün (helles Grün) und an den Vorder- Hintertüren stand in reflektierenden Buchstaben jetzt “POLIZEI”. Diese wurden wie bis heute bei der Polizei in Niedersachsen üblich mit einem Automaticgetriebe ausgeliefert.
Als ich 1971 den Dienst dort aufnahm, gab es für die Funkstreifenwagen keine Garage. Das
hieß, im Winter mussten die Fahrzeuge zunächst durch den Fahrer von Schnee und Eis
befreit werden. Danach mussten die Funkstreifenwagen vor der Ausfahrt zum Polizeiautobahnstützpunkt vom Fahrer ausgerüstet werden, da zu der damaligen Zeit nicht für alle 14 Funkstreifenwagen genügend Ausstattungsgerät für alle vier Dienstschichten zur Verfügung standen.

Ausstattung des Kofferraumes:
2 Nissenleuchten
5 Handscheinwerfer
2 Warndreiecke
1 Notarztkoffer
1 Feuerlöscher
4 Lübecker Hüte
1 Längenmessgerät
1 Rettungsbeil
1 Fotokoffer, zu damaligen Zeit mit einer Rolleicord 6 x 6 cm bzw. einer Rolleimagic 11 6 x 6 cm und entsprechenden Filmen, 1 Blitzgerät und bei der Rolleicord – zu dieser
Ausstattung gab es noch einen Belichtungsmesser dazu.

(c) Ulber

(c) Ulber

Im Funkstreifenwagen innen wurden mitgeführt:
2 weiße Regenmäntel,
2 Warnwesten, Beschriftung “POLIZEI”,
1 Postentasche (Inhalt: Fahndungsunterlagen für den Regierungsbezirk Hannover), Harnschieber für verschlüsselte Übermittlungen per Funk,
1 Schachtel mit Alcoteströhrchen (zum Pusten),
1 Auswertscheibe für Schaublätter der Fahrtschreiber von LKW und Omnibussen
1 Profilmesser für die Reifen
1 Maschinenpistole MP 5
1 Anhaltestab
Die Pistole wurde von dem Wachhabenden vor der Ausfahrt an die Streifenbeamten ausgegeben.

Zusätzlich führte jeder Beamte eine private Aktentasche mit. Darin wurde die so genannte
“Mot. Bibel “, eine Becksche Gesetzestextausgabe mit der Straßenverkehrsordnung,
-zulassungsordnung, Straßenverkehrsgesetz, Arbeitszeitvorschriften nationale und EG-Vorschriften mit. Dazu jede Menge Formulare wie Festnahmeanzeige, Sicherstellungs-protokolle, Leichenschauscheine und viele andere Formulare noch. Wir führten auf der Streifenfahrt unser eignes kleines Büro mit. Dementsprechend war die Aktentasche auch schwer.
Vor Antritt des Streifendienstes hatte der Fahrer mit der Beladung gut zu tun. Aber nach der Streifen mussten der Funkstreifenwagen wieder entladen werden. Der Fahrer musste das Fahrzeug nach dem Dienst von innen (Staubsauger) und von außen säubern,
waschen und auch tanken. Im Winter geschah das mit einem Eimer warmen Wassers und Schwamm, reine Handarbeit! Als Fahrer durfte man also nicht zu spät zum Dienst erscheinen, um all diese Arbeiten rechtzeitig zu erledigen zu können. Bei einem “Verschlafen” gab es eine kräftige Ansage durch den Wach habenden, der von der
Dienststelle in Hannover-Ahlem nach dem Beladen der Fahrzeuge mit zur Polizeiautobahnwache Garbsen bzw. Hannover-Kreuz mitfuhr. Mit der An- bzw. Abfahrt von den Polizeiautobahnstützpunkten wurden bei der Verkehrspolizeistaffel
Hannover-Ahlem neun Stunden Schichten versehen. Ich meine, ab ungefähr Mitte der 70er Jahre wurden auf dem Gelände der Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem
für alle Funkstreifenwagen Garagen und eine Wasch halle errichtet und es gab einen “Wagenpfleger” , der die Funkstreifenwagen nach der Streife säuberte. Der Fahrer musste “nur noch” vor Antritt der Streifenfahrt die Fahrzeuge beladen bzw. danach wieder entladen. Was für ein Fortschritt!

Die nachfolgenden Fotos wurden von mir mit der Kleinbildkamera Rollei 35 während des Dienstes auf der Bundesautobahn A 2 fotografiert. Eines bitte ich zu berücksichtigen: Die Fotos sind während des Dienstes gefertigt worden und nicht unter dem Gesichtspunkt einer Dokumentation über ein historisches Fahrzeug, einen Oldtimer.

DB Strich 8 GARAGE Seite 44_01

Es handelt sich um eine Verwarngeldquittung für Verkehrsordnungswidrigkeiten in Höhe von 2,00 DM (Deutsche Mark!). z.8. wurde mit 2, 00 DM die fehlende Angabe der Achslastbeschriftung (z.8. 2,5 t) auf dem Kotflügel eines Lkw geahndet. Wobei man bemerken muss, die Höhe von 2,00 DM Verwarngeld ist heute unvorstellbar!

 

 

 

 

 

 

 

 

(c) Ulber

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Diese Fahrzeuge waren vor 1971 (also vor meiner Versetzung zu der VPSt Hannover-Ahlem) aufgenommen worden. Mit dem VW Käfer fuhr der zuständige
Dienstabteilungsführer, der für die Polizeiauto-bahnwache Garbsen und Hannover-Kreuz zuständig war. Er pendelte damit zwischen den beiden Polizeiautobahnwachen nach Bedarf hin und her. Der Opel Rekord C Caravan war ebenfalls als Streifenwagen eingesetzt. War bei den Kollegen aber nicht sehr beliebt, man fuhr halt lieber den Mercedes Benz 230/6, der auch von der Geschwindigkeit und Fahrverhalten einfach besser war! In der Mitte der beiden vorgenannten Funkstreifenwagen steht der Mercedes Benz 230/6, Schaltgetriebe. Zu dieser Zeit noch eine Besonderheit in der Lackierung des FuStw. Es waren nur die Kotflügel weiß lackiert, das Dach war aber noch dunkelgrün lackiert. Im Hochsommer waren wir ja mit dem FuStw 9 täglich Stunden unterwegs. Dementsprechend war es auch im Fahrzeug sehr heiß. Zu der damaligen Zeit waren die FuStw bei der Polizei in Niedersachsen noch nicht mit einer Klimaanlage ausgerüstet, wie es heute ja üblich ist. Ab ca. 1971/ 72 waren dann die Dächer in der Farbe weiß lackiert; wie es auf allen anderen Fotos zu sehen ist.

DB Strich 8 GARAGE Seite 45_01

Funkstreifenwagen der Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem auf dem Hof kurz vor der Ausfahrt zu einem Großeinsatz. Mit dem VW-Käfer fuhr der Dienstabteilungsführer, ein Beamter des gehobenen Dienstes, Polizeikommissar bzw. Polizeioberkommissar. (c) Ulber

 

DB Strich 8 GARAGE Seite 45_02

(c) Ulber

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(c) Ulber

Zivilstreifenwagen Mercedes Benz Strich 8, 4 Zylinder. Automatiegetriebe, amt. Tarnkennzeichen STH – M 415.
Es wurde der auf der A 2 Richtung Dortmund fahrende Verkehr bezüglich des Sicherheitsabstandes zwischen zwei Fahrzeugen überwacht. Der Zivilstreifenwagen stand auf einer BAB-Überführungsbrücke. Es wurde eine Abstandsmessung wie nachfolgend erläutert durchgeführt. Dazu befand sich auf der Fahrbahn der A 2 auf dem Überholfahrstreifen eine 100 Meter lange markierte Messstrecke, wobei bei den letzten 15 Metern der Messstrecke im Abstand von einem Meter sich Markierungen auf der Fahrbahn befanden. Ein Polizeibeamter beobachte den fließenden Verkehr mit dem Fernglas. Näherten sich zwei Fahrzeuge der Messstelle, wo offensichtlich der Sicherheitsabstand des nachfolgenden Fahrzeuges zu gering war, wurden beim Einfahren der 100 Meter langen markierten Messstelle das erste Foto und beim Ausfahren der 100 Meter langen Messstelle das zweite Foto gefertigt. Anhand der laufenden Stoppuhr. die durch die Lupe in das Foto eingespiegelt wurde, konnte Durchfahrzeit abgelesen werden. Nach dem Weg/ Zeitprinzip konnte jetzt anhand einer Tabelle die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit und der tatsächlich erforderliche Mindestabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug abgelesen werden. Die Auswertung und Berechnung dieser Daten erfolgte anhand der gefertigten Fotos zu einem späteren Zeitpunkt auf der Dienststelle. Vor Ort wurde ein Messprotokoll, Zeit, Ort, Fahrzeugtyp und Kennzeichen notiert.

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(c) Ulber

Mercedes Benz Strich 8, Zivilstreifenwagen mit Tarnkennzeichen. Behördenfahrzeuge hatten damals nur Kennzeichen mit dem Kennbuchstaben der Stadt und anschließend nur eine vierstellige Zahl. Das Fahrzeug ist mit einem Radargeschwindigkeitsgerät
der Firmä Multanova ausgestattet. Hinter der Windschutzscheibe auf der rechten Seite auf dem Armaturenbrett ist die ROBOT Kamera montiert. Vorne auf der Stoßstange, rechte Fahrzeugseite ist die Antenne (der sichtbare Kasten) montiert.

DB Strich 8 GARAGE Seite 46_02

A 2, Richtungsfahrbahn Dortmund, zwischen den BAB Anschlussstellen Rehren/ A. O. (heute BAB AS Auetal) und der Raststätte Bad Eilsen. Mercedes Benz 230 4 Zylinder, Automatikgetriebe. Farbe des Funkstreifenswagen minzgrün mit der reflektierenden Beschriftung auf den Türen “POLIZEI” . Die Besatzung des Funkstreifenwagens ist bei der Unfallaufnahme. (c) Ulber

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Aufnahme entstand im Winter 1976 auf der A 2, Parkplatz Papenbrink, Richtungsfahrbahn Dortmund. Mercedes Benz Strich B, 230/6, Schaltgetriebe. Farbe des Funkstreifenswagen (FuStW) tannengrün, alte Lackierung, an den Vordertüren der silberfarbene Polizeistern mit der Beschriftung “POLIZEI NIEDERSACHSEN”. Hier hat mich ein Kollege mit meiner Rollei 35 fotografiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

DB Strich 8 GARAGE Seite 47_01

Die Aufnahme entstand auf dem Flughafen Hannover 1977, Mercedes Benzz Strich 8, 230 4 Zylinder, amtl. Kennzeichen H – 3370, Automatikgetriebe, Funkrufname nicht bekannt. Farbe des Funkstreifenswagen (FuStw) minzgrün mit der reflektierenden Beschriftung auf den Türen “POLIZEI”. (c) Ulber

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

07.01.1977 21.55 Uhr: Unfall A 352, am Autobahndreieck Hannover Nord, Richtungsfahrbahn Hamburg, Funkstreifenwagen Weser Quelle 7 am Verkehrsunfall beteiligt. Im gesamten Überwachungsbereich der BAB herrschte Eisglätte. Die Besatzung (zwei Polizeibeamte) und ein Verkehrsteilnehmer, der einen anderen Verkehrsunfall verursacht hatte, saßen im Funkstreifenwagen, als ein Sattelzug mit Sattelauflieger, 38 Tonnen schwer, vor der UnfallsteIle mit dem Sattelzug auf der auf eisglatten Fahrbahn ins Schleudern geriet und mit der hinteren rechten Ecke stieß der Auflieger gegen den Funkstreifenwagen, mit der im Foto sichtbaren Folgen und Schäden am Funkstreifenwagen. Auf der Polizeiautobahnwache Garbsen (damals Rufname Weser
Quelle 02) gingen telefonisch Meldungen ein, dass im Bereich des Autobahndreieckes
Hannover-Nord ein Funkstreifenwagen an einem Verkehrsunfall beteiligt und der Streifenwagen auch schwer beschädigt sei.

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Über Funk meldete sich die Besatzung nicht mehr und der Dienst habende Wachhabende beauftragte uns (Weser Quelle 13) die gemeldet UnfallsteIle Autobahndreieck Hannover-Nord unverzüglich anzulaufen. Zu diesem Zeitpunkt standen wir selbst auf der A 2 in Höhe der BAB-AS Herrenhausen, ca. 20 km von der besagten Unfallstelle entfernt. Aufgrund der starken Eisglätte konnten wir auch nicht sehr schnell fahren. Die Fahrt dorthin dauerte ca. 25 Minuten. Zwischendurch wurde die Besatzung des verunfallten Streifenwagens über Funk immer wieder gerufen, sie meldete sich aber nicht mehr. Damals gab es noch keine Handys! Zu diesem Zeitpunkt herrschte reger Funkverkehr auf dem von der Autobahnpolizei genutzten Funkkanal aufgrund der vielen Verkehrsunfälle. Es wurde aber immer stiller auf dem Funkkanal und ich gab unserem Wachhabenden ständig Standortmeldungen, wo wir uns selbst befanden. AS EngeIbostel passiert, AS Hannover Flughafen passiert, AS Kaltenweide passiert und
wir näherten uns mit mäßiger Geschwindigkeit dem Autobahndreieck Hannover Nord, der gemeldeten Unfallstelle. Der Fahrer unseres Streifenwagens schaltete kurz vor dem AD Hannover Nord das Fernlicht an. Von weitem konnten wir nun schon den total beschädigten Streifenwagen sehen. Personen bzw. unsere Kollegen waren nicht zu sehen. Kurz vor unserem Aussteigen gab ich dem Wachenden über Funk die Meldung: “Funkstreifenwagen total beschädigt, Dach abgerissen, Heft 90 keine Personen zu sehen, wir steigen jetzt aus!” Wir befürchteten das Schlimmste!

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Zu sagen ist noch, der Sattelzug, der den Unfall verursacht hatte, stand ca. 100 Meter hinter dem beschädigten Streifenwagen auf dem befestigten Seitenstreifen der A 352, Richtung Hamburg. Wir liefen nun zum Funkstreifenwagen, keine Personen im
Fahrzeug und weiter zum Sattelzug und sahen jetzt unsere Kollegen und Unfallbeteiligten hinter den Leitplanken stehen. Die Kollegen vernahmen gerade den Fahrer des Sattelzuges. Es gab nur einen Leichtverletzten, meinen Kollegen Peter; der Fahrer des
Funkstreifenwagens. Er erlitt eine kleine Kopfplatzwunde, mehr war unserem Kollegen Peter (Fahrer), dem Streifenführer, der auf dem Beifahrersitz saß und dem Unfallbeteiligten, der auf dem Rücksitz des DB Strich 8 saß, nicht passiert. Uns fiel der bekannte “Stein vom Herzen”!
Drei Jahre vor dem vorstehend geschilderten Unfallsachverhalt gab es einen schlimmen Verkehrsunfall mit einem Streifenwagen und zwei Kollegen unserer Dienststelle. Damals ging ebenfalls auf der Polizeiautobahnwache Garbsen telefonisch die Meldung
ein, dass zwischen der BAB-AS Rehren A./O. (heute BAB-AS Auetal) und der Raststätte und BAB AS Bad Eilsen ein Funkstreifenwagen an einem Verkehrsunfall beteiligt sei. Die Besatzung meldete sich nach Eingang dieser Meldung auch nicht mehr über Funk. Auch damals erhielt eine Besatzung unserer Dienststelle den Auftrag, die gemeldete UnfallsteIle unverzüglich anzulaufen. Beim Eintreffen an der UnfallsteIle mussten die Kollegen feststellen, das ein 38 t Sattelzug im Bereich einer Baustelle, die A 2 wurde damals gerade dreispurlg ausgebaut, in die Gegenfahrbahn geriet und frontal gegen den dort fahrenden FuStW geprallt ist Unsere beiden Kollegen waren tödlich verletzt. Die beiden Richtungsfahrbahnen waren damals nur durch Zeichen 295, § 41 der StVO (durchgezogene weiße Linie) getrennt. Bei dem von mir geschilderten Sachverhalt am Autobahndreieck Hannover Nord dachten natürlich alle Kollegen, die im Dienst auf Streife waren, sofort an dieses tragische Ereignis.

Die nachfolgenden Fotos wurden von einem Kollegen gefertigt: Klaus Bock, der auch bei der Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem (VPSt) seinen Dienst versah. Auch er fotografierte mit der Kleinbildkamera Rollei 35.

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Eine Traffipaxanlage mit einer ROBOT Kleinbildkamera in einem Zivilstreifenwagen. Damit wurden Geschwindigkeitsüberschreitungen durch Hinterherfahren bei gleichbleibendem Abstand gemessen und Fotos gefertigt Auch hier wurde die Geschwindigkeit durch einen Tachometer, die Uhrzeit und der Tatort eingespiegelt. (c) Bock

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Niedersachsen wurden die Streifenwagen Anfang der siebziger Jahre mit einer Dachbeschriftung nachträglich ausgestattet Die sichtbare Buchstabenkombination “WE Q 8″ war der Funkrufname des Streifenwagens und bedeutete im Klartext” WESER Quelle 8″. Wobei das Wort” WESER” die Zugehörigkeit zum Regierungsbezirk Hannover/ Bezirksregierung Hannover und “Quelle” die Zugehörigkeit zu der Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem bedeutete. Diese Dachbeschriftung diente der besseren Erkennbarkeit für die Polizeihubschrauber, die so Funkstreifenwagen, die auf der Bundesautobahn (BAB) fuhren, über Funk gleich im Klartext ansprechen konnten. Im Hintergrund sieht man auf dem Hof geparkte FuStW, Garagen gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht Siehe
auch meinen Bericht über die VPSt Hannover-Ahlem.

(c) Bock

(c) Bock

 

Es wird hier ein auf der BAB liegengebliebener Lkw abgesichert. Mercedes-Benz 230,
Farbe fannengrün, amt!. Behörden-Kennzeichen H-3383. Hier ist noch die nachträglich
unterhalb der Stoßstange angebrachte Nebelschlussleuchte sichtbar. Bei der späteren
Baureihe von Daimler-Benz Strich 8 war die Nebelschlussleuchte in dem linken Rücklicht
integriert. Rechts auf der Kofferraumhaube eine weiße Maus, die die Zugehörigkeit zu
der Verkehrspolizei dokumentierte. Eine Erfindung unseres ehemaligen Schirrmeisters
Uwe. An der inneren Seite der Beifahrertür sieht man den Polizeianhaltestab. Der Türgriff
und das darunter liegende Ablagefach waren dafür vorzüglich geeignet Als wenn der Hersteller Daimler-Benz dies extra für die Funkstreifenwagen so konstruiert hätte!

(c) Bock

(c) Bock

 

 

 

 

 

 

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Ein Kradfahrer der Verkehrspolizeistaffel und eine Funksfreifenwagebesatzung haben sich neben der BAB auf dem befestigten Seitenstreifen getroffen und beobachten auf der A 2 den in Richtung Berlin fahrenden Verkehr. (c) Bock

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Funkstreifenwagen Mercedes-Benz Strich 8 mit der alten tannengrünen Lackierung und dem Polizeistern auf der vorderen Tür. (c) Bock

 

 

 

 

 

 

 

DB Strich 8 GARAGE Seite 50_01

(c) Bock

DB Strich 8 GARAGE Seite 50_02

Total beschädigter Funkstreifenwagen auf dem Hof der Verkehrspolizeistaffel
Hannover-Ahlem. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon die Garagen, die Fahrzeuge mussten nicht mehr draußen auf dem Hof stehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DB Strich 8 GARAGE Seite 50_03

Hier ist die Radarmessanlage Multanova mit der ROBOT-Kamera im Innenraum des MB Strich 8 zu sehen. Im Handschuhfach ist das Funkgerät eingebaut. Der Hörer dazu ist mit der dazugehörenden Halterung auf der Mittelkonsole befestigt. Der an der Stoßstange befestigte Kasten ist die Antenne der Radarmessanlage. Gleichzeitig ist dieser  Zivilstreifenwagen mit der Traffipaxanlage IV ausgerüstet. Damit kann durch Hinterherfahren auf der BAB die Geschwindigkeit des vorausfahrenden Fahrzeuges bei einem gleich bleibenden Abstand gemessen werden. Im Gehäuse war ein geeichter Tachometer eingebaut. Eine Geschwindigkeit bis zu 170 Km/h konnten gemessen werden. Auf einem Einschub war eine mechanische Uhr mit einer 24 Stundenanzeige montiert. Bei der Uhr handelt es sich um eine Revue Thommen Aircraft Glock. Auf diesem Einschub musste auch vor Fahrtbeginn das Datum eingestellt werden. Die ermittelten Daten, Geschwindigkeit, Uhrzeit und Datum wurden dann beim Auslösen in die Robotkamera eingespiegelt.

DB Strich 8 GARAGE Seite 51_01

Polizeiautobahnwache Garbsen , dort befindet sich auch die Park- und Rastanlage Garbsen am “Blauen See”. Man sieht den klassischen Flachdachbau der Polizeiautobahnwache, wie er damals üblich war. Wie bereits erwähnt, wurde auch die  Polizeiautobahnwache am BAB Kreuz Hannover – Ost von der VPSt Hannover – Ahlem besetzt. Diese Autobahnwache wird nicht mehr besetzt. Für diesen gesamten Bereich gibt es nur noch die Polizeiautobahnwache Garbsen.

DB Strich 8 GARAGE Seite 51_02

Im Rahmen des dreistreifigen Ausbaus der A 2 wurden nach und nach alle BAB Überführungsbrücken gesprengt, da diese für den dreistreifigen Ausbau zu schmal waren.

 

DB Strich 8 GARAGE Seite 51_03

 

 

 

 

 

 

MB Strich 8 GARAGE Seite 52_01Als ich 1971 den Dienst dort aufnahm, gab es für die Funkstreifenwagen keine Garage.
Das hieß, im Winter mussten die Fahrzeuge zunächst durch den Fahrer von Schnee und Eis befreit werden. Danach mussten die Funkstreifenwagen vor der Ausfahrt zum Polizeiautobahnstützpunkt vom Fahrer ausgerüstet werden, da zu der damaligen Zeit nicht für affe 14 Funkstreifenwagen genügend Ausstattungsgerät für alle vier
Dienstschichten zur Verfügung standen. Hier sind die DB Strich 8 FuStw, Behördenkennzeichen H – 3415 und H – 3410 zu sehen. 230 4 Zylinder, Automatie, Farbe
minzgrün, auf den Fahrzeugtüren die Beschriftung “POLIZEI”. Keine Dachbeschriftung
mit dem Funkrufnamen des FuStW.

MB Strich 8 GARAGE Seite 52_02

DB Strich 8 230/6, Schaltgetriebe, Farbe tannengrün mit dem Polizeistem auf den
Vordertüren, Dachbeschriftung mit dem Funkrufnamen. Behördenkennzeichen
H – 3617, H – 3396 und H – 3379. Vorne im Bild sieht man den Zivilstreifenwagen, siehe Fotos mit der Radarmessanlage (Innenaufnahmen vom Zivilstreifenwagen). Bei dem Opel Rekord C, Caravan, handelt es sich um einen Radarmesswagen mit dem Verkehrsradargerät Multanova 4 F Dieses Gerät wurde auf einem Stativaußerhalb des Radarmesswagens vor dem Fahrzeug montiert bzw. aufgebaut.

Joachim Ulber, Polizeimuseum Niedersachsen

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Arbeitsbeschreibung der Polizei Harburg aus dem Jahre 1905

Mit Beginn der Industrialisierung und den damit verbundenen Landfluchten von Menschen in die Großstädte von Anfang des 19. Jh.s, bis zu Beginn des 20. Jh.s begann auch eine rasante Steigerung des Alkoohlkonsums mit den sich daraus entwickelten Elendszuständen und den Gefahren für die Sicherheit und Ordnung.

gewalt-in-familieDaher war es ein Einfaches, den Menschen, die mit Alkohol nicht umgehen konnten, den Erwerb und Konsum polizeilich zu verbieten. Dies geschah mit Benennung der betreffenden Personen durch öffentlichen Aushang, sowie die Erfassung in den sog. “Säuferlisten”, die den Wirten die Abgabe von Alkohol an die dort verzeichneten Personen untersagten.

Eine Arbeitsbeschreibung der Polizei Harburg aus dem Jahre 1905 will aufzeigen, wie sich die Alkoholprobleme in der Bevölkerung mit dieser Verfahrensweisen lösen sollten. Abgedruckt war dies in der Ausgabe 6 der Mäßigkeit-Blätter vom Juni 1906, gefunden im Nienburger Stadt- und Kreisarchiv.

Der Kampf der Polizei gegen den Alkohol in Harburg

Erfahrungsgemäß werden die meisten Roheits-Delikte im Zustand der Trunkenheit verübt. Von dieser Erkenntnis ausgehend hat sich auf Anregung des hiesigen Lokal-Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke die Polizei-Direktion seit November 1905 den Kampf gegen die Trinker und Trunkenbolde zur Aufgabe gemacht.

Es gab auf diesem Gebiet bereits eine Vorkämpferin, die Polizeiverwaltung Herford i. W., so daß wir uns deren Erfahrungen zu nutze machen, auch entsprechende Verbesserungen eintreten lassen konnten.

TrunkenboldeVor Eintritt in den Kampf sagten wir uns, daß wir zunächst uns damit begnügen müssen, bei neuen Fällen von Trunkenheit bessere Hand anzulegen und erst später auf bereits bekannte Trunkenbolde zurück-zugreifen, da wir sonst andere Arbeiten hätten liegen lassen müssen. Bekanntlich haben Kommunal-Polizei-Verwaltungen nur eben so viele Beamte, daß sie notdürftig die ihnen geltenden Aufgaben erfüllen können, die namentlich in einer Hafen- und Fabrikstadt wie Harburg – in unmittelbarer Nähe Hamburgs – nicht gering sind.

Wenn wir auch nicht so große Zahlen aufwarten können wie Herford, so können wir doch mit den bis jetzt erreichten Erfolgen zufrieden sein. Auch wir haben erreicht, daß bald, nachdem das von der Polizei eingeschlagene Verfahren sich herumgesprochen hatte, eine bedeutende Abnahme der Zahl der wegen Trunkenheit in das Polizei-Gewahrsam eingelieferte Individuen und der Zahl der in der Trunkenheit begangenen Straftaten festzustellen war. Erfreulicherweise hat diese Abnahme bis heute angehalten. Während früher wöchentlich durchschnittlich bis 20 Festnahmen erfolgten, sind es jetzt höchsten 5.

Das eingeschlagene Verfahrten ist kurz folgendes: Sobald die Polizei auf irgend eine Weise Kenntnis von dem Vorhandensein eines notorischen Trinkers erhält, erfolgt seine Vorladung und eingehende Vernehmung zu Protokoll (siehe Anlage 1), um feststelle zu können, ob der Trinker erblich belastet ist und ob bereits Angehörige infolge von Trunksucht verstorben sind. Sodann erfolgt, falls der Trinker verheiratet ist, eine Gegenüberstellung von Mann und Frau.

Bei Vorhandensein der Schuld auf Seiten des Mannes ist tunlichst die regelmäßige Abgabe des Arbeitsverdienstes an die Frau herbeizuführen. Bei dieser Vernehmung hängt es wesentlich von der Geschicklichkeit des Kommissars ab, ob es ihm gelingt, das Ehrgefühl der Leute, sollte es auch noch so abgestumpft sein, zu wecken, indem er ihnen in humaner Weise die ungeheuer schädlichen Wirkungen des Alkohols vor Augen führt. Zur mündlichen Verwarnung tritt noch hinzu, daßß zur Bekräftigung derselben dem Mann die Schrift von Regierungsrat Quengle “Der Alkohol und seine Gefahren” (Mäßigkeit-Verlag, Berlin W 15, 20 Pf.) überreicht wird.

Für jeden Trinker wird außerdem eine Registerkarte und ein Fragebogen (Anlage 2) angelegt und jede Woche von dem zuständigen Revierbeamten ausgefüllt. Fällt dieser Bericht ungünstig aus, so tritt erneute protokollarische Verwarnung ein.

1906-06-01-Maessigkeits-Blatt-07In der Regel erfolgt die Aufnahme in die Trinkerliste – Säuferliste – nach dreimaliger Verwarnung. Ist die Aufnahme verfügt, so wird die betreffende Person im Wege einer polizeilichen Verfügung eröffnet, das sie als “Trunkenbold” bezeichnet worden ist, und es wird ihr das Betreten von Lokalen, welche zum Ausschank für geistige Getränke bestimmt sind, unter Androhung einer Zwangsstrafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt. Gleichzeitig erhalten die Wirte durch Zustellung einer entsprechenden Benachrichtigung Kenntnis von der Aufnahme. Wann von den der Polizei zur Verfügung stehenden weiteren Machtmitteln – Einleitung der Fürsorge-Erziehung der Kinder, Herbeiführung der Bestrafung aus § 361, 5, 7, 8, 10 und schließlich das Entmündigungsverfahren – Gebrauch gemacht werden soll, muß von Fall zu Fall entschieden werden.

Um die Wirte zur Mitarbeit an der guten Sache zu veranlassen, ging ihnen folgendes Schreiben zu:

“Da erwiesenermaßen die meisten Exzesse und Roheits-Delikte im Zustande der Trunkenheit und zwar vornehmlich nach übermäßigen Genug von Branntwein begangen werden, so hat die Polizei sich zur Aufgabe gemacht, diesem Übel entgegen zu treten. Hierzu bedürfen wir die Unterstützung der Wirte, resp. deren Stellvertreter. Wir ersuchen daher, in Zukunft Spirituosen nicht mehr zu verabreichen:

  • solchen Personen, die als Trunkenbolde amtlich bekannt gegeben sind,
  • Betrunkenen,
  • auf Borg und endlich
  • Kindern, da durch diese erfahrungsgemäß der Alkohol zugetragen wird.

Wir hoffen, daß Sie Ihrerseits bereit sein werden, sich an den sowohl für die einzelnen trunkfälligen Individuen als auch für das Allgemeinwohl segensreichen Bestrebungen zu beteiligen und wir auf Ihre Unterstützung rechnen dürfen.”

Da leider weder die Verabreichung geistiger Getränke auf Borg, noch die an Kinder allgemein gesetzlich verboten ist, – über die Rechtsgültigkeit von diese Materie regelnden Lokalpolizeiverordnungen bestehen Zweifel – so ergaben sich anfangs Schwierigkeiten, deren Überwindung nicht so einfach erschien. Die Wirte glaubten sich durch diese Forderung der Polizei in ihrem Gewerbe beeinträchtigt und waren nicht ohne weiteres bereit, ihr nachzukommen. Erst als ihnen in mehreren Fällen unzweifelhaft klar gemacht worden war, daß die Polizei Mittel besitzt, sie gefügig zu machen, gaben sie ihren Widerstand auf und kommen jetzt den getroffenen Anordnungen bereitwilligst nach. Selbstverständlich kommt noch ab und zu ein Verstoß vor.

Weitere Schwierigkeiten erwuchsen uns aus der Größe der Stadt, dann aber auch durch die eigenartig zusammengewürfelte, stets struktuierende Bevölkerung. Auch fehlte es leider stark an dem Verständnis für die gute Sache.

Die meisten Fabrikanten und sonstige Arbeitgeber nahmen von vorneherein insofern einen ablehnenden Standpunkt ein, als sie, von offenbar solchen Motivangeleitet, auf eine Anfrage darüber, ob sie in ihren Betrieben zum Trunke neigende Personen beschäftigen, eine ablehnende Antwort gaben. Dagegen gaben sie auf Erkundigungen über von uns als Trinke bezeichnete Personen bereitwillig Auskunft.

Auf verläßliche Mitteilungen der Nachbarn ist in den seltensten Fällen zu rechnen. Die unter denselben Lebensbedingungen Zusammenwohnenden betrachten auch gemeinsam die Polizei als ihren Feind und verraten ihresgleichen nicht.

Eine besondere Kategorie von Arbeitern sind in Großstädten die Gelegenheitsarbeiter und in Hafenstädten außerdem die Hafenarbeiter. Mit beiden ist schwer etwas aufzustellen, da diese keine regelmäßigen festen Bezüge haben, sondern nur stunden- oder tageweise arbeiten und bezahlt erhalten. Die danach folgende (vielfach gewollte) arbeitslose Zeit wird zum Verschlämmen deszu größten Teile schwer verdienten Lohns benützt. Viele nehme sogar nicht frühert andere Arbeit an, als bis die Ebbe iher Kasse dazu zwingt. Diesen kommt daher der verhältnismäßig hohe Arbeitslohn zustatten. Im Akkord können z. B. tüchtige Leute in 3-4 Tagen bis zu 40 Mark und mehr verdienen, z. B. beim Entlöschen  eines Dampfers, der schwedische Pflaster-Kopfsteine oder Schwellenholz als Ladung enthält. Sobald man diesen Leuten näher kommt, Abgabe ihres Lohns an die Frau verlangt und sie kontrollieren läßt, dann arbeite sie eben weniger und begnügen sich mit einem Verdienst, der gerade für ihren Lebensunterhalt hinreicht, Abzüge aber nicht zulässt.

Leider finden solche Leute bei den Gerichten viel zu wenig Unterstützung, insofern als ihren Entschuldigungsgründen zuviel Glauben beigemessen wird, sodass es oft nicht gelingt, sie zur Bestrafung zu bringen.

Eine weitere Schwierigkeit besteht in der Reformbedürftigkeit des Armenrechts, die ja auch in der 26. Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 17. Febr. 1906 als notwendig anerkannt worden ist.

Wir haben z. B. hier einen Fall zu verzeichnen, daß ein wegen Trunksucht Entmündigter – ein notorischer Trunkenbold – mit Armenschein, auf Aufhebung der Entmündigung geklagt und ein obsiegendes Urteil erstritten hat! Die nicht geringen Kosten hatte die städtische Verwlatung zu tragen.

Als nicht ausreichend müssen auch die Bestimmungen über Ausstellung der sogenannten (Trinker-) Säuferliste bezeichnet werden.

Nach der Oberpräidial-Verordnung vom 7. Febr. 1903 hängt in den Wirtschaften ein Plakat mit den Namen der als Trunkenbold erklärten Personen nicht aus. Aber selbst wenn das aushinge, würde es in großen Städten wenig oder garnierst nützen, denn in den meisten Fällen kennt der Wirt die Personen nicht, oder schützt wenigstens Unkenntnis vor, ohne das ihm das Gegenteil zu beweisen ist.

Meines Erachtens müssen derartige, dem Trunke ergebene Individuen, die ihre Familie der Gefahr der Verarmung aussetzen und auch eine Gefahr für die Allgemeinheit bilden, photographiert und das Bild den Wirten behändigt werden dürfen. Ich bin der Ansicht, daß die Gefahr des Photographierenwerdens manchen von seinem Laster abbringe würde.

Ich fasse meine Erfahrungen und Ansichten damit zusammen, daß ich sage:

  • Der Kampf gegen den Mißbrauch geistiger Getränke ist auch in großen Städten möglich, wenn er auch mit Schwierigkeiten verbunden ist.
  • Erfolge sind nur dann zu erzielen, wenn alle Polizeiverwaltungen gleichmäßig nach einem System vorgehen und sich gegenseitig die Trunkenbolde – wie dieses bereits jetzt z. B. bei den Polizeiaufsichtlern u. f. f. geschieht – zur Weiterarbeit überweisen. Es muß für die Trinkerliste übereinstimmend der öffentliche Aushang vorgeschrieben werden.
  • Die Trunkenbolde müssen photographiert, und ein Bild derselben muß den Wirten zugänglich gemacht werden.
  • Die Verabvolgung geistiger Getränke auf Borg und insbesondere das Aushändigen der Getränke an Kinder ist gesetzlich allgemein zu untersagen.
  • Die Namen derjenigen Wirte, die dieselhalb bestraft werden, sind in regelmäßigen Zwischenräumen öffentlich bekannt zu geben, und es muß gegen diese Wirte bei Wiederholungsfällen und nach nutzlos ergangener Verwarnung rücksichtslos die Konzessionsentziehung herbeigeführt werden.

Zur Vollendung des Tatbestandes des § 361 R.Str.G.B. müßte die Feststellunbg der durch Trunk oder Spiel herbeigeführten Unfähigkeit zur Ernährung usw. der Angehörigen und die Einbringung eines Antrages der Vernachlässigung auf Gewährung einer Armenunterstützung genügen, nicht aber der bereits tatsächlich erfolgte Bezug einer solchen Unterstützung verlangt werden.

von Sillig, Polizei-Inspektor

1927-01-19-Polizei-Augenmerk-auf-TrinkerEs ist eindeutig, dass die oben beschriebene Arbeitsweise auch nach dem Ersten Weltkrieg, in der Weimarer Republik angewendet wurde. Gleichwohl gab es Versuche, mit örtlichen Abstinez-Vereinen und Guttempler-Logen zusammen-zuarbeiten. Welchen Umfang der durch diese Arbeitsweise polizeilich erfaßte Personenkreis im damaligen Reichsgebiet hatte, läßt sich nicht einmal erahnen.

Ab 1933 waren vorhandene Trinkerkarteien und Säuferlisten ein willkommenes Hilfsmittel der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), um hoffnungslose Trunkenbolde und notorische Trinker (Alkoholismus war damals noch keine Krankheit) in die Schublade “Asozial” zu stecken und – neben anderen für das damalige System unerwünschte Personen – in eigens dafür eingerichteten Schutzhaftlagern (den späteren Konzentrationslagern der SS) zu inhaftieren.

1927-08-19 IOGT - Anfrage auf ErfolgDas Alkoholproblem löste sich erst ab Mitte der 1930-er Jahren von selbst. Als mit Beginn der Wiederaufrüstung und den späteren Kriegsvorbereitungen durch das NS-Regime so gut wie keine Brant-weinerzeugnisse mehr an die Normalschicht der Bevölkerung abgegeben wurde, legte sich das damalige Deutsche Reich praktisch von selbst trocken.

Fundstellen

  • Mäßigkeitsblätter 06/1906 –  Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke
  • Gläß/Biel – Der Guttempler-Orden in Deutschland, Band 1,  1889-1945
  • Wiedemann – Vom Alkoholverbot zum Gesundheitsmanagement
  • Archivmaterial – PHM Gerhard Kulawenski, Bundespolizeiinspektion Bremen
Veröffentlicht unter Verschiedenes | Comments Off on Arbeitsbeschreibung der Polizei Harburg aus dem Jahre 1905

Polizeiposten Ahlhorn – ein Zufallsfund

Kommt man heute auf der Bundesstraße 213 durch Ahlhorn, so fährt man am Dienstgebäude der Polizeistation Großenkneten mit Sitz in Ahlhorn vorbei. Die Dienststelle ist dort seit 2008 untergebracht und war vorher nicht weit entfernt in dem landeseigenen Gebäude Katharinenstraße 12 über Jahrzehnte untergebracht. Das Dienstgebäude Katharinenstraße war 1961 als Neubau für die Polizei errichtet worden.

Die persönlichen Erinnerungen der Kollegen reichen noch in die Zeit zurück, aber werden mit zunehmenden zeitlichem Abstand immer weniger.

Durch einen Zufallsfund bei Dacharbeiten kamen im Februar 2014 Relikte einer Vorgängerdienststelle wieder ans Tageslicht. Der Polizeiposten Ahlhorn, der zunächst als Einmann-Dienststelle und später„mehrmännig“ betrieben wurde, wurde plötzlich wieder lebendig, anfaßbar, obwohl nicht mehr bekannt ist, wo er gelegen hat und auch mehrfach die Anschrift gewechselt haben dürfte.

Aktenfund

Alte Dienstdokumente, alltäglicher Schriftverkehr, BKA-Blätter pp. der Nachkriegsjahre, gestatten einen Einblick in die damalige Zeit und auf die damals handelnden Beamten. Die Gehwege vor den Dienstgebäuden müssen von Schnee geräumt werden, Verkehrsunfälle unter Beteiligung von alliierten Militärfahrzeugen bedürfen besonderer Regelungen, die Reichsstraßen werden in Bundesstraßen umbenannt und die neue Straßenverkehrsordnung tritt in Kraft.

Auffällig ist, dass viele Schreiben eng und beidseitig mit Schreibmaschine geschrieben sind. Gelegentlich taucht das Wort “Abschrift” und “Großverteiler” auf.
Die damaligen Kollegen kämpften auch mit der Bürotechnik, nur mit den Mitteln ihrer Zeit. Computer und Email sind damals auch in Ahlhorn noch weit entfernt.

Besonders nachdenklich stimmt ein Aktenhefter, der aus Mangel und Sparsamkeit wiederverwendet wurde. Er ist noch mit NSDAP-Aufdruck versehen, wird aber zur Ablage von LKA-Blättern der 50er Jahre verwendet. Man nimmt, was man hat.

Aus der Menge der Fundpapiere ist eine Auswahl getroffen , in dem NSDAP- Hefter zusammengeführt und dem polizeigeschichtlichen Archiv der Pressestelle PI Delmenhorst übergeben worden, als Erinnerung an den Polizeiposten Großenkneten.

Nutzern des behördeneigenen Intranets bietet die Polizeiinspektion Delmenhorst vertiefende Informationen auf ihren Seiten.
06.03.2014
PHK Manfred Rautenberg
Pst Ganderkesee

Veröffentlicht unter Nach 1945, Orte, Verschiedenes | Verschlagwortet mit | Comments Off on Polizeiposten Ahlhorn – ein Zufallsfund

Verkehrspolizei, die „Weißen Mäuse“ auf Streife

Verkehrspolizei, die „Weißen Mäuse“ auf Streife

Weiße Mäuse, woher kommt der Begriff?
Den Begriff „Weiße Mäuse“ haben viele Mitbürger in der Vergangenheit benutzt als freundlich gemeinte Bezeichnung der Verkehrspolizisten
Doch wieso ausgerechnet „Weiße Mäuse“?
Fachleute haben Ursachenforschung betrieben und festgestellt, dass dieser Begriff aus einem ganz anderen Bereich kommt und später für die Polizeibeamten übernommen wurde.

Die Kennzeichnung:

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg fanden feldgraue Tschako- bzw. Pickelhaubenüberzüge bei soldatischen Übungen und Einsätzen im Gelände zur Schonung und Tarnung der blanken Kopfbedeckungen Verwendung. Zu Beginn des Krieges bis zum Einsatz des Stahlhelmes bestand eine Vollausstattung mit solchen Überzügen. Angehörige der Leibgendarmerie wurden bei Manövern mit Aufgaben der Übungsleitung und des Schiedsrichterdienstes betraut.
Zur Kennzeichnung erhielten sie einen weißen Helmüberzug, der im Kasino zu Scherzen Anlass gab.
Einige Veterinäre (der berittenen Garde) haben ihre Kameraden in Anlehnung an den Albinismus der grauen Hausmaus als weiße Mäuse (Mus musculus varalba) bezeichnet.

Bei der Polizei:

Generaloberst, Generaladjutant Seiner Majestät des Königs und Kaisers von Scholl, hat als kommandierender Offizier die Leibgendarmerie geführt. Insbesondere soll er den Ausdruck „Weiße Mäuse“ für alle „weißbehelmten“ verbreitet haben. Die Verbindungen von der Garde über Freiwilligenverbände zur Sicherheitspolizei (Sipo) und Schutzpolizei (Schupo) sind vielfältig. Sie bilden insbesondere nach dem ersten Weltkrieg in Berlin ein eigenes Kapitel in der Polizei- und Militärgeschichte.
Danach wird es um die weißbehelmten „Weißen Mäuse“ ruhig.
Bis dann am 1. Dezember 1934 in Hamburg das Verkehrskommando der Hamburger Ordnungspolizei gegründet wurde.
Eine Hamburger Tageszeitung brachte es so zum Ausdruck: “Mit dem 3. Dezember 1934 werden vom Kommando der Schutzpolizei zur Überwachung und Regelung des Verkehrs an Hauptverkehrspunkten besonders geeignete Beamte, die zu einem Verkehrskommando zusammengezogen sind, eingesetzt. Diese Beamten sind an ihren weißen Tschakoüberzügen zu erkennen.”

Auch für Verkehrspolizeibeamte in Preußen erfolgte im Jahre 1935 eine Anordnung, wonach für diese Beamten Taschkos mit weißer Hülse zu beschaffen sind. Tageszeitungen berichteten damals in Berlin: „Vor dem Brandenburger Tor, öfter mal was Neues – weißer Tschako!“
Die sogenannte Berliner Schnauze dürfte von hier an die Weißbehelmten der Polizei volksmundlich zur „Weißen Maus“ gemacht haben.
Nach 1945 wurde der Begriff „Weiße Mäuse“ schnell wieder mit Leben gefüllt. Der erste Chef der motorisierten Polizei-Abteilung in Hannover sprach häufig von seinen „Weißen Mäusen“.
„Polizeifunk ruft“ mit Motoradpolizist Walter Hartmann, wurde eine Kultserie der ARD im Jahr 1966. Sie erzählt die Fälle von Motorrad-Polizist Walter Hartmann und seinem Kripo-Kollegen Koldehoff. Die Serie zählt zu den großen Erfolgen der Hamburger Krimitradition und verbindet lebendige Kamera mit TV-Prominenz der Swinging 60s.

Inhalt:

Die Elbmetropole ist Deutschlands gefährlichste Stadt, nirgendwo geschehen mehr Verbrechern als hier. Doch täglich kämpfen die Ermittler der Elbmetropole gegen die Flut des Verbrechens. Einer von ihnen ist Motorrad Polizist
Walter Hartmann, eine sogenannte weiße Maus. Wenn er und Kripo-Hauptkommissar Koldehoff Jagd auf Räuber, Diebe und anderes Gesindel machen, gibt es für die bösen Jungs kein Entkommen mehr.[1]

 

Symbol der Weißen Maus auf dem Streifenwagen bei den Verkehrspolizeistaffeln Anfang der 70er Jahre in Niedersachsen:

Der damalige Sachbearbeiter Führungs- und Einsatzmittel (früher Schirrmeister genannt), Uwe Loft, der Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem machte den Vorschlag, am Heck der Streifenwagen eine kleine „weiße Maus“ anzubringen. Damit sollte optisch der Hinweis auf die motorisierte Verkehrspolizei gegeben werden. Er bat daher, den damaligen Verkehrsunfallsachbearbeiter und später auch Wachhabenden einer Polizeiautobahnwache, Horst Vogt (genannt“ Bommel“), eine kleine weiße Maus als Vorlage zu zeichnen. Bommel zeichnete eine kleine weiße Maus als Vorlage, wie sie bis heute bei allen Streifenwagen der Autobahnpolizei in Niedersachsen am Heck der Streifenwagen angebracht sind.
Diese Tradition mit den „Weißen Mäusen“ an die Streifenwagen zu befestigen, ist somit von den Mitarbeitern der damaligen Verkehrspolizeistaffel Hannover-Ahlem in Niedersachsen in den 70er Jahren erfunden worden.
Vor dem 01.03.1963 gehörte die Motorisierte Verkehrsstaffel Ahlem zu der damaligen und heutigen Polizeidirektion Hannover.

Anlässlich eines Mot. Vergnügen wurde das sogenannte „Mot. Lied“ komponiert und auch vorgetragen:

Wir sind die weißen Mäuse von der Autobahn,
halten hier und dort `nen dicken Lastzug an,
prüfen ob er nicht zu viel geladen hat
und die Papiere alle bei sich hat,
alles in Ordnung, freie Fahrt voraus!

Die Vortagenden waren damals Horst (Bommel) Vogt, Geiord (Schorse) Wunder, Willi Mächler und Hans Kopke.

Auf dem mittleren Funkstreifenwagen (FuStw) Mercedes Benz Strich 8 -230-, amtliches Kennzeichen H – 3845, ist der erste FuStw der Motorisierten Verkehrsstaffel Hannover in Ahlem, auf dem der Schirrmeister Uwe Looft auf dem Kofferraumdeckel rechts die  „Weiße Maus“ angebracht hat.       Rechts und links steht je ein FuStw Mercedes Benz Strich 8 -200- mit alter Fahrzeuglackierung. Bei diesen Fahrzeugen sind die Fahrzeugdächer noch Tannengrün (RAL6009) lackiert. Die Umrüstung von Mercedes Benz 200 auf Mercedes Benz 230 erfolgte aufgrund für den BAB – Streifendienst doch schwachen Motorisierung der 200er FuStw.

Auf dem mittleren Funkstreifenwagen (FuStw) Mercedes Benz Strich 8 -230-, amtliches Kennzeichen H – 3845, ist der erste FuStw der Motorisierten Verkehrsstaffel Hannover in Ahlem, auf dem der Schirrmeister Uwe Looft auf dem Kofferraumdeckel rechts die „Weiße Maus“ angebracht hat.
Rechts und links steht je ein FuStw Mercedes Benz Strich 8 -200- mit alter Fahrzeuglackierung. Bei diesen Fahrzeugen sind die Fahrzeugdächer noch Tannengrün (RAL6009) lackiert. Die Umrüstung von Mercedes Benz 200 auf Mercedes Benz 230 erfolgte aufgrund für den BAB – Streifendienst doch schwachen Motorisierung der 200er FuStw.

Joachim Ulber, Polizeimuseum Niedersachsen

[1] http://gaskrank.tv/tv/motorad-fun/polizeifunk-ruft-mit-motorradpolizist

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Geschichte der Polizei Delmenhorst

Am 31.03.1690 diktiert der “oberste Dienstherr der Delmenhorster Polizei” an seinem Amtssitz in Copenhagen:

“Wir, Christian der Fünfte, König von Gottes Gnaden…”

1690 Originaltexte

1690 Originaltexte

1690 Leseabschrift

1690 Leseabschrift

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In dieser Urkunde regelt er Marktfragen in Delmenhorst und auch die damit verbundenen Sicherheitsfragen. Er spricht hier noch von “Civil- und Militärbeamten”, die mit diesem Aufgaben betraut sind. Eine Polizei im heutigen Sinne existiert noch nicht. Die aber durchaus vorhandenen polizeilichen Themen werden “quasi im Nebenamt” miterledigt. Auch der Begriff der „Policey“ hat noch eine andere Bedeutung.

Ein Vorbote der heutigen Polizei ist das Amt des Polizeidieners, welches ab 1700 in größeren Städten des Oldenburger Landes zu finden ist, anfänglich noch ohne Uniform.

Hundert Jahre später bringen die Ideen der Aufklärung und die französische Revolution Bewegung in die Entwicklung: Polizei, Staatsanwaltschaft und Amtsgericht entstehen. In Frankreich hatte es eine eigenständige Polizei schon seit 1373 gegeben, die “connetablie’ et marechausse’e de France”, die sicherlich als Vorbild für die hiesige Polizei gedient haben dürfte. 1786 werden im Oldenburger Land die “Polizeidragoner” gegründet, die in der kurzen Phase der französischen Besetzung aufgelöst werden. Die polizeilichen Belange in dieser Zeit werden von der”Gendarmerie Imperial” in Bremen geregelt.

Dienststellenschild 1867-1919

Dienststellenschild 1867-1919

Gendarmerieuniform 1865

Gendarmerieuniform 1865

Herzog Johann Peter Ludwig knüpft 1817 wieder an die Ursprünge an und unterschreibt 1817 die grundlegende Verfügung für das “Oldenburger Landdragonerkorps“, aus dem erst lange Jahre später (1867) das “Oldenburger Gendarmeriekorps” entsteht. Der Begriff der Gendarmerie leitet sich aus dem französischen Ausdruck “gens d’armes“ für bewaffnete Männer/Leute ab.

Überall im Oldenburger Land, also auch in Delmenhorst, sind kleine Abteilungen von Dragonern und später Gendarmen stationiert. Anfänglich ist der Standort des Berittes Delmenhorst an der Landesgrenze zu Bremen in Varrelgraben und von dort werden Patrouillen zur Eindämmung des Landstreicherunwesens geritten. In der Stadt dürfte nur ein Stadtdiener und die Nachtwächter Polizeidienst versehen haben. Neben dem miltärischen Vorgesetzten sind die Dragoner/Gendarmen auch dem zivilen Vorgesetzten, dem Vorsteher des jeweiligen Großherzoglichen Amtes unterstellt, in dessen Amt anfänglich noch die Ämter des Verwaltungschefs, des Polizeichefs und des Richters vereint sind. 1858 werden die Funktionen getrennt.

Einer der prägenden Persönlichkeiten der damaligen Polizeigeschichte des Oldenburger Landes war Johann Ludwig Mosle, der über lange Jahre (1828-1870) Kommandeur der Landdragoner und späteren Gendarmerie war und sich um deren Weiterentwicklung verdient gemacht hat. Die Stadt Oldenburg ehrt ihn mit der Benennung einer Straße, der “Moslestraße” in der Nähe des Bahnhofes.

Mosle

Mosle

Altes Rathaus Delmenhorst

Altes Rathaus Delmenhorst

Der Sitz des Amtes Delmenhorst liegt gegen Ende des 19. Jahrhunderts an der Langen Straße 54-56 und von dort wird die Stadt und das Umland verwaltet. Heute kreuzt dort die Friedrich-Ebert-Allee.

1899 ist die Delmenhorster Polizeidienststelle im alten Rathaus, recht bescheiden im Zimmer Nr. 8 untergebracht.

Amt Delmenhorst Lange Straße 54-56

Amt Delmenhorst Lange Straße 54-56

 

 Jan Tut

Jan Tut

Nachdem Delmenhorst zur Stadt erster Klasse erklärt worden ist, wird 1903 auch eine eigene Stadtpolizei gegründet und die räumlichen Bedürfnisse der Polizei steigen und als 1914 ein modernes neues Rathaus in Delmenhorst gebaut wird, ziehen Stadtpolizei und Gendarmerie in den Seitenflügel des heutigen Standesamtes ein.

Neues Rathaus 1914

Neues Rathaus 1914

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges kommen weiterhin unruhige Zeiten auf die Delmenhorster Polizei zu und die Lage scheint von der Polizei nicht mehr zu bewältigen zu sein, was dazu führt, dass 1919 in Delmenhorst eine offizielle Bürgerwehr aufgestellt wird, die aber nicht lange Bestand hat.

Die neu aufgestellte Oldenburger Ordnungspolizei unterstützt zunächst phasenweise und ab 1923 wird die Delmenhorster Polizei regulär verstärkt. Die 3. Revierhundertschaft der Ordnungspolizei Oldenburg wird in Delmenhorst stationiert und der Bedarf an Diensträumen wächst.

Polizei Delmenhorst 1925

Polizei Delmenhorst 1925

 

Gastler vor PDG Delmenhorst 1927

Gastler vor PDG Delmenhorst 1927

Am 08. April 1927 zieht die Polizei um, in den Neubau an der Gartenstraße, dem heutigen Stadthaus 1. Die Gendarmerie verbleibt im Seitenflügel des Rathauses.

Zur Verdeutlichung sei an dieser Stelle erwähnt, dass in dieser Zeit drei Polizeien in Delmenhorst Dienst versehen haben:

  1. Stadtpolizei
  2. Gendarmerie
  3. Ordnungspolizei, die auch die Führungsfunktion für das Umland innehatten.

Dienstabteilung ca. 1940 vor dem Dienstgebäude Gartenstraße

Maifeiern 1941

Maifeiern 1941

Heldengedenktag 17.03.1935

Heldengedenktag 17.03.1935

Die ab 1933 herrschende Zeit des Nationalsozialismus wirkt sich auch auf die Polizei aus, sie wird ab 1937 stärker vereinheitlicht und u.a.mit einer einheitlichen Uniform versehen.

Delmenhorst 1933

Delmenhorst 1933

Im Dienstgebäude Gartenstraße ist neben der Ordnungspolizei auch die GeStaPo (Delmenhorster Kreisblatt 15.08.2007) mit vier Beamten untergebracht, die von 1933 bis 1943 von dort aus ihr unheilvolles Wirken entfaltet. Ab 1943 wird diese Dienststelle nach Bremen verlegt. Wie überall im Reich wird auch in Delmenhorst eine Polizeireservekompagnie aufgestellt, deren Einheitsbezeichnung und Verwendung noch ungeklärt ist.

Vereidigung Pol.-Reserve-Kompanie 21.07.1940

Vereidigung Pol.-Reserve-Kompanie 21.07.1940

Am 09.11.1938 setzen SA- Männer die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in der Cramerstraße 20a in Brand (Brand-der-Synagoge-09.11.2010-NWZ) und Polizei und Feuerwehr greifen weisungsgemäß nicht ein. Im Nachgang setzt eine Verhaftungswelle von jüdischen Mitbürgern aus Delmenhorst, Ganderkesee und Wildeshausen ein. Allein von den 180 Delmenhorster Gemeindemitgliedern finden 75 den Tod in Konzentrations-und Vernichtungslagern. Heute erinnern Gedenksteine und Tafeln an die Geschehnisse.

Funkspruch Kapitulation 1945

Funkspruch Kapitulation 1945

Nach der Kapitulation 1945 erhält die Delmenhorster Polizei wieder einen neuen Dienstherrn, diesmal in Gestalt der britischen Militärverwaltung, die ihren Sitz im Rathaus hat. Auch versieht die Polizei ihren Dienst jetzt in englischen Uniformen.

1946-47

1946-47

Die Gendarmerie bzw. Polizei wird entnazifiziert, was die Entlassung von rund einem Drittel der Beamten bedeutet, und als Organisation aufgelöst. Es erfolgen mindestens drei Verurteilungen wegen begangener Verbrechen bzw. Kriegsverbrechen. Die Einheitspolizei des neu geschaffenen Landes Niedersachsen entsteht.

Das Organigramm von 1958 verzeichnet in Delmenhorst ein 2. Polizeirevier (Stedinger Str.), welches später aufgelöst wird. Auch werden Räumlichkeiten einer ehemaligen Schuhfabrik am Uferweg 15 von Beamten des Ermittlungsdienstes genutzt . Später wird dieses Gebäude von der neu aufgestellten motorisierten Verkehrspolizeistaffel Delmenhorst übernommen. Die Polizei wächst weiter, braucht mehr Platz und zieht am 01.03.1967 von dem Dienstgebäude Gartenstraße in die ehemalige Berufsschule an ihren heutigen Standort, der Markstraße 6. Auch hier ist es schnell beengt und phasenweise (80er Jahre) wird eine Wohnung im City-Center für die Beamten der Einsatz-und Ausbildungsstaffel angemietet. Ebenfalls aus Platzgründen werden in den 80er Jahren Teile der Polizei, der damalige Polizeiabschnitt Delmenhorst, für einige Jahre in das Gebäude der ehemaligen Post, an der Louisenstraße 35, ausgelagert.

PDG-Louisenstraße 35 1988

PDG-Louisenstraße 35 1988

Die Kriminalpolizeiinspektion und die Schutzpolizeiinspektion Delmenhorst verbleiben an der Marktstraße.

Dienstellenschild 2012

Dienstellenschild 2012

 Heute sind Schutz-und Kriminalpolizei organisatorisch und tatsächlich unter einem Dach in einem modernen Bau am Standort Marktstraße 6/7 untergebracht.

Nutzern des behördeneigenen Intranets bietet die Polizeiinspektion Delmenhorst vertiefende Informationen auf ihren Seiten an.

Stand: 06.12.2012

Polizeistation Ganderkesee

Rautenberg, PHK

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Geschichte der Polizeistation Ganderkesee

Einen ersten Einstieg in die allgemeine Geschichte des Dorfes Ganderkesee bietet die Website des Orts-und Heimatsvereins Ganderkesee. Die ersten hier bekannten Erwähnungen einer Polizeidienststelle in der Gemeinde Ganderkesee stammen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Zeiten davor liegen noch im Dunklen, sind aber aus den allgemeinen Entwicklungen des Polizeiwesens ableitbar.

1787 gründet der Oldenburger Herzog Peter Friedrich Ludwig das “Corps der Policey-Dragoner“, welches im Zuge der französischen Besetzung 1811 aufgelöst wird. Für die kurze Periode der französischen Besetzung werden die polizeilichen Aufgaben von der “Gendarmerie Imperiale” mit Standort in Bremen ausgeübt. Nach dem Ende der Besatzungszeit ersteht das “Corps der Landdragoner” 1817 mit 36 Dienstpferden wieder auf und ist Vorläufer des “Großherzoglichen Oldenburger Gendarmeriekorps”(1867). Als Gendarmerie wird eine militärische Einheit mit Polizeiaufgaben, von frz. “gens d’ armes” = “bewaffnete Männer/ Leute”, bezeichnet und somit wird auf gut oldenburgisch ausgesprochen der Landschutzmann zum “Schendarm“.

In der Zeit der Landdragoner (ab 1817) hat Ganderkesee noch keine eigene Polizeidienststelle. Die Dienststelle des Berittes liegt in Varrelgraben und es werden regelmäßige Patrouillen geritten, die Delmenhorst, Ganderkesee und Berne abdecken. Der Landdragoner führt u.a. dabei sein Dienstbuch mit sich (365 Seiten, 1 Seite pro Tag) und läßt sich seine Ritte bei den Gemeindevorstehern abzeichnen. Der Dienstpostverkehr läuft ähnlich wie heute ab. Der Delmenhorster Reiter trifft sich am Correspondenzstandort Hengsterholz mit dem Wildeshauser Reiter und die Berichte werden übergeben.

05 Foto Ghzgl.Gendarmerieschild 1867-1919

Dienststellenschild 1867 – 1919

Durch Verwaltungsneuordnungen wird 1824 der Verwaltungssitz für die Gemeinden Ganderkesee und Hude nach Falkenburg als Verwaltungsmittelpunkt verlegt. Heute ist dort ein Café. Ab wann genau Ganderkesee einen eigenen Gendarmerieposten bekommt ist für diese Zeiten unbekannt, dürfte aber erst Ende des 19. Jahrhunderts erfolgt sein.

 

 

 

Dienststelle Falkenburg

Dienststelle Falkenburg

Seit 1902/03 ist der zuständige Gendarmerieposten für die Gemeinde Ganderkesee in Falkenburg, in der Hauptstraße 12, ansässig. Er wird als Neubau mit Pferdestallanbau für einen Gendarmen, dessen Familie und ein Dienstpferd erbaut, welches ihm für seine dienstlichen Reisen zur Verfügung steht. Das Haus existiert heute noch und steht gegenüber der Falkenburger Bäckerei Ruge.

Gendarm Baars um 1910

Gendarm Baars um 1910

1916 wird der Gendarmeriemeister Hermann Baars mit Familie zum Posten Falkenburg versetzt und bleibt dort lange Jahre.

 

 

 

 

 

Polizeistation Falkenburg 1939

Polizeistation Falkenburg 1939

 1937 mietet der Gendarmeriebeamte Ulrich Gastler den Neubau Haupstraße 16, rechts vom Lutherstift, für sich und seine Familie und führt von dort die Amtsgeschäfte, was häufiger auch die Aufnahme von Verkehrsunfällen auf der Reichsstraße 75 bedeutet. Das Haus steht heute noch, nur leicht verändert.

Zeitungsartikel: Polizeidienst fand ein abruptes Ende (Delmenhorster Kreisblatt 11.02.2012)

Zeitungsartikel: Als 17-jähriger beim Freicorps (Delmenhorster Kreisblatt 04.02.2012)

In den 50er Jahren ist der Posten Falkenburg in der Hasbruchstraße beheimatet. Ein Gendarmerieposten Bookholzberg ist 1936 und davor belegbar und zwar im Haus des Gendarmeriebeamten Richard Menke im Gesinenweg 3. Auch in der Zeit davor gibt es dort einen Posten , allerdings in den Häusern Huder Straße 13 und Stenumer Straße 26.

Ab 1927 hat Ganderkesee in der Grüppenbührener Straße 10 eine Gendarmeriedienststelle. Das Haus wurde von der Gemeinde für 12000 RM gekauft und wich 2014 dem Neubau eines Drogeriemarktes. Zu dieser Zeit erledigt der Gendarmeriebeamte seine Dienstfahrten mit einem Motorrad, allerdings noch ohne Helm.

Lindenstraße 1940

Lindenstraße 1940

Die Zeit des Nationalsozialismus fordert auch hier ihre Opfer. Nach der Reichsprogromnacht wird die jüdische Familie Alexander aus Ganderkesee verhaftet und ins Gefängnis nach Delmenhorst zum Abtransport in die Konzentrations- und Vernichtungslager gebracht.

Seit 1993 erinnert in Ganderkesee an der Ecke Lange Straße/ Ring ein Gedenkstein an das Schicksal dieser Familie, die an dieser Stelle ihr Haus hatte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Zeit des 2. Weltkrieges wird von den hiesigen Gendarmen sehr unterschiedlich erlebt. Der Gendarmeriebeamte Baars bleibt während der gesamten Kriegszeit in seiner Heimatgemeinde. Der Gendarmeriebeamte Schülke erlebt diese Zeit als Mitglied des 1. Polizei- Schützenregiments an zahlreichen Kriegsschauplätzen. Und der Gendarmeriebeamte Gastler versieht Gendarmeriedienst im Bereich Bialystok/ Polen.

Schülke im Büro der Polizeistation Schierbrok um 1955

Schülke im Büro der Polizeistation Schierbrok um 1955

Mit Kriegsende unterstehen die Ganderkeseer Gendarmeriebeamten der englischen Militärverwaltung, die im Delmenhorster Rathaus residiert, und die Militärverwaltung setzt den Gendarmeriebeamten Baars als Chef der Landkreispolizei in Wildeshausen ein. Nach Ende des 2. Weltkrieges durchlaufen alle Polizeibeamten das Entnazifizierungsverfahren und die Gendarmerie wird in die neue Schutzpolizei des Landes Niedersachsen überführt.            Nach seiner Pensionierung hat der oben erwähnte Gendarmeriebeamte Baars Polizeioberinspektor im Ruhestand seine Erinnerungen (Baars Aufzeichnungen) an die Kriegszeit aufgeschrieben.

 

Durch das Wachsen der Bevölkerungszahlen Ganderkesees, wächst auch die Polizei und wird in einem Polizeirevier in der Grüppenbührener Straße 10 zusammengefaßt. Die kleinen Polizeiposten Falkenburg, Bookholzberg und Schierbrok bleiben zunächst bestehen. Ende der 50er Jahre hat die Polizei Ganderkesee ihre räumlich größte Ausdehnung und bildet innerhalb des Polizeiabschnitts Landkreis Oldenburg das Landrevier Ganderkesee mit den nachgeordneten Dienststellen:

  • Polizeistation (M) Ganderkesee
  • Polizeistation (M) Hude
  • Polizeistation (M) Stuhr
  • Polizeistation (E) Falkenburg
  • Polizeistation (E) Wüsting
  • Polizeistation (E) Schierbrok
  • Polizeistation (E) Bookholzberg
  • Polizeistation (E) Falkenburg und der
  • Polizeistation (E) Hasbergen

Die kleinen Posten werden in den 60er Jahren im Zuge von Reformen geschlossen und die Beamten in Ganderkesee zusammengezogen, die Dienststellen in Hasbergen. Stuhr, Hude und Wüsting gehören nicht mehr dazu. Die Dienststelle in Bookholzberg wird geschlossen.

1992 wird wegen des Platzmangels in der Dienststelle in Ganderkesee wieder eine Polizeistation in Bookholzberg eingerichtet. Dort versehen heute zwei Beamte ihren Dienst. Ab 1994 verstärken Kriminalbeamte die Polizei Ganderkesee und die Dienststelle wird zum Polizeikommissariat, was letzendlich wegen des erheblichen Platzmangels 1996/97 zu einem Neubau führt. Seitdem ist sie in einem Seitenflügel des Rathauses untergebracht, wird aber im Rahmen weiterer Reformen ab 2003 wieder zur Polizeistation.

Den Nutzern des behördeneigenen Intranets bietet die Polizeiinspektion Delmenhorst vertiefende Informationen auf ihren Seiten.

 

PHK Manfred Rautenberg,

PSt Ganderkesee,

Stand: 19.07.2016

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Geschichte der Polizei Wildeshausen

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich im Oldenburger Land eine eigenständige Polizei- erst als Corps der Policeydragoner“ , dann als Landdragonercorps und ab 1867 als “Gendarmeriekorps Oldenburg”.

Viel hat sich aus dieser Zeit nicht erhalten, aber am besten kann man die Wildeshauser Polizeigeschichte am alten Amtshaus an der Herrlichkeit 13 festmachen. Das Haus wurde 1730 fertiggestellt und diente als Amtssitz des Vorstehers des Amtes Wildeshausen. Dieser Amtsvorsteher war neben dem militärischen Vorgesetzten der zivile Vorgesetzte der Gendarmeriebeamten. Als Amtsvorsteher war er Verwaltungs-,Polizeichef und Richter. Erst 1858 wurden die Funktionen getrennt.

05 Foto Ghzgl.Gendarmerieschild 1867-1919Damals dürften die Gendarmeriebeamten recht häufig dienstlich dort gewesen sein, heute ist dort eine Gaststätte und man ist dort eher privat oder zu einer dienstlichen Besprechung in ansprechenden Räumlichkeiten. Die Internetseite des Alten Amtshausesbietet auf seiner Internetseite dem interessierten Leser viel Hintergrundwissen zu diesem Thema.

 

06 Foto Haus 13

Haus 13

08 Foto Haus 15-2

Haus 15

 

 

09 Foto Haus 9

Haus 9

07 Foto- Haus 11

Haus 11

 

 

 

Ein eigenständiges Polizeidienstgebäude wurde 1914 der Neubau an der Herrlichkeit 11. Das heutige Polizeidienstgebäude Herrlichkeit 15 wurde 1893 als Amtsgericht   und das ebenfalls als Polizeigebäude genutzte Haus Herrlichkeit 9 1918 als Gehörlosenschule erbaut. Das etwas abgesetzte Polizeidienstgebäude Heemstraße 72 wurde zwischen 1938 und 1940 als Dienstwohnung des Amtsrichters und dessen Familie erbaut.

Die ehrenwerten Herren auf dem nachfolgenden Foto versahen in den 1930er Jahren an der Herrlichkeit 11 ihren Dienst und dürften auch den einen oder anderen in dem noch heute erhaltenen Zellentrakt untergebracht haben.

01 Foto- Gendarmeriebeamte 30er Jahre Wildesh

Gendarmeriebeamte in den 1930er Jahren in Wildeshausen

04 Foto- DSC_0152Das Hauptverkehrsmittel der damaligen Kollegen war das Fahrrad, was natürlich mit der Zeit nicht mehr ausreichte und im August 1926 stellte der damalige Dienststellenleiter einen Antrag auf Beschaffung eines Dienstkrades. Dienstfahrräder und Dienstkräder sind noch heute im Dienst, man sieht sie aber eher selten.

 

Die Zeit des Nationalsozialmus und seiner Verbrechen machte auch vor der Wildeshauser Polizei nicht halt. Im Rahmen der Verhaftungswelle nach der Reichspogromnacht (Quelle: NWZ Nr. 263/ Delmenhorst 2010) wurden auch Wildeshauser Bürger jüdischen Glaubens verhaftet. Ihr Weg in die Konzentrations- und Vernichtungslager führte über das Delmenhorster Gefängnis. Heute mahnt eine Stele in der Huntestraße in Wildeshausen.

 

 

03-Foto-Stele Text 21113_115231

Und wir standen alle da und schauten zu

02 Foto-Stele schmal

Auch hat sich eine bemerkenswertes Dokument über die Zeit gerettet- die Kapitulationsanweisung für die hiesige Gendarmerie

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges steht die Wildeshauser Polizei im Dienst der englischen Militärregierung und von der wird der Polizeiinspektor Baars als Leiter eingesetzt. Der Polizeiinspektor Baars hat seine dienstliche Laufbahn als Gendarmeriebeamter des Oldenburger Gendarmeriekorps begonnen und lange Jahre im Raum Ganderkesee seinen Dienst versehen. 1952 wird er pensioniert und gibt in den Räumen der Herrlichkeit 11 seinen Abschied. Dem aufmerksamen Betrachter dürfte auf den Fotografien nicht entgehen, dass die damaligen Fenster noch heute dort zu finden sind.

10 Foto Abschiedsfeier

Abschiedsfeier

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute ist die Wildeshauser Polizei Teil der Polizeiinspektion Delmenhorst und verteilt sich auf insgesamt vier Häuser, die sich in parkähnlicher Landschaft um die Keimzelle gruppieren.

Die seit Jahrzehnten immer wieder hochkommenden Neubaupläne werden sicherlich noch lange Jahre brauchen, bis die Wildeshauser Polizeigeschichte an einem anderen Ort als der Herrlichkeit geschrieben wird.

Nutzern des behördeneigenen Intranets bietet die Polizeiinspektion Delmenhorst vertiefende Informationen auf ihren Seiten an.

 

 

 

 

 

 

PHK Manfred Rautenberg

PSt Ganderkesee

Stand:17.12.2012

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“MOT” Delmenhorst

Die Sicherung der Verkehrswege ist seit altersher eine der Aufgaben der Polizei, egal wie sie sich in der jeweiligen Zeit nannte oder organisierte. Die Reiter des “Corps der Polizeydragoner” und des “Oldenburger Gendarmeriecorps” dürften eher beschauliche Ausritte auf den Straßen ihrer Zeit gehabt haben, allerdings liegt die Vermutung nahe, das die Aufstellung einer eigenständigen Polizeitruppe im Oldenburger Land ihre guten Gründe hatte. Das Aufkommen von Kraftfahrzeugen brachte eine Entwicklung in Gang, die auch im Polizeibereich weitreichende Folgen hatte.

Zur Veranschaulichung mag ein Zeitungsartikel der Nordwest-Zeitung vom 19.6.2010 dienen, in dem von einem Verkehrsunfall berichtet wird, der schon etwas länger her ist.

Prinz-Heinrich-Stein 1911

Prinz-Heinrich-Stein 1911

1911 verunglückte Prinz Heinrich von Preußen (siehe Artikel der NWZ vom 19. Juni 2010 (Autor: Dirk Faß) Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg) auf der heutigen B 213 in der Nähe von Gut Lethe. Ein damals Aufsehen erregender Fall, der auch zum Aufstellen eines Gedenksteines führte. Ob der Verkehrsunfall damals schon durch Polizei aufgenommen wurde, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich war es noch nicht üblich, denn nur wenige konnten sich ein solches Gefährt leisten und Unfallaufnahme war noch nicht in dem Maße wie heute erforderlich.

Dies änderte sich im Laufe der Jahrzehnte stark. Es seien nur die Stichworte Massenmotorisierung und Autobahnbau genannt. Auch die Polizei nahm sich dieses Themas verstärkt an und bildete schon eigenständige Abteilungen, die damit zu tun hatten. Ablesen kann man dies an folgendem Erlaß für die motorisierte Gendarmerie aus dem Jahr 1941.

Erlass von 1941

Über diese ersten Verkehrspolizeidienstellen ist wenig bekannt. Konkreter wird es In den 50er Jahren, wo eine Verkehrspolizeistaffel in Oldenburg beheimatet ist.

Es gab zwar noch keine Autobahnen im damaligen Verwaltungsbezirk Oldenburg, aber man überwachte den Verkehr auf Bundes- und Landesstraßen im gesamten Bereich. In dieser Zeit wurde in Oldenburg wurde eine Gruppe zusammengestellt, die die neu gegründete Verkehrspolizeistaffel Delmenhorst aufbauen sollte. Die ersten neun Beamten wurden zunächst am 01.08.1953 in Räumlichkeiten des 2. Polizeireviers in Delmenhorst, in der Stedinger Straße untergebracht. Garagen gab es nicht und die Dienstkraftfahrzeuge wurden in einer angemieteten Scheune an der Dwostraße untergestellt.

Verkehrskontrolle in Hude 50er Jahre

Verkehrskontrolle durch eine Streife der “Mot” 1957 in Hude (Archiv Polizei Delmenhorst)

1965 konnten Räumlichkeiten in einer ehemaligen Schuhfabrik am Uferweg 15 für Zwecke der Verkehrspolizei angemietet und umgebaut werden. Einige Räume waren vorher schon durch den Ermittlungsdienst der Stadtpolizei genutzt worden und auch eine Wohnung für den damaligen Mitarbeiter Technik und dessen Familie war vorhanden.

 

Einen Stützpunkt (Artikel der NWZ vom 6. Juli 1967, Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg) an der BAB A1 gab es auch bald, einen günstig erworbenen Container, der an der Abfahrt Wildeshausen-Nord aufgestellt war. Kaufpreis samt Aufstellung 120 000 DM.

Verkehrspolizeistaffel Delmenhorst vor dem Dienstgebäude in Delmenhorst, Annenheider Straße (Archiv Polizei Delmenhorst)

1978 verloren die motorisierten Verkehrspolizeistaffeln den Zusatz “motorisiert”. Unter dem Dach einer Verkehrspolizeiinspektion mit Sitz in Oldenburg wurden die Verkehrspolizeistaffeln Oldenburg, Delmenhorst, Langen und Osnabrück angesiedelt; die Staffeln Leer und Ahlhorn gab es noch nicht. Der Begriff “MOT” für die Dienststellen der Verkehrspolizei aber hat die Zeit und den Wandel bis heute im allgemeinen Sprachgebrauch überdauert.

Im Januar 1980 zogen die Beamten etwas näher an die Autobahn/Bundestraße 75, an die Annenheider Straße in Delmenhorst-Hasport, in einen Flachdachbau, der vorher als Supermarkt erstellt und für die Zwecke der Polizei umgebaut worden war.

Am 1.12.2004 wurden wieder die Koffer gepackt und die Dienststelle, mittlerweile nannte sie sich Polizeikommissariat BAB und war in die Polizeiinspektion Delmenhorst integriert, zog nach Gut Lethe bei Ahlhorn um. Die alte Dienststelle diente anderen Zwecken, u.a. wurde der Containerstützpunkt an der BAB aufgegeben. Die Streife, die die A 28 versorgte, konnte noch eine Weile dort Räumlichkeiten nutzen, bis der Mietvertrag endete. Zur Zeit(2012) wird diese Streife in den Räumen der Polizeistation Ganderkesee beherbergt.

Luftaufnahme PK BAB

Als der autobegeisterte Prinz 1911 unsanft die Straße bei Gut Lethe verlies, hätte er sich nicht träumen lassen, dass 100 Jahre später dort eine Dienststelle einer Verkehrspolizei beheimatet sein würde. Wo diese Staffel in weiteren 100 Jahren sein wird und wie sie sich nennen wird…….wer weiß?

 

 

Für Nutzer des behördeneigenen Intranets bietet die Polizeiinspektion Delmenhorst vertiefendes Material auf ihren Seiten an.

 

Rautenberg, PHK 13.12.2012

Veröffentlicht unter Motorisierte Verkehrspolizeistaffel MOT, Nach 1945, Orte | Verschlagwortet mit , | Comments Off on “MOT” Delmenhorst

Die Polizei an der deutsch-deutschen Grenze 1945-1951

Sofort nach dem Sieg über Deutschland, das am 9. Mai 1945 bedingungslos kapituliert hatte, setzten die Siegermächte ihren schon auf der Konferenz von Jalta gefassten Plan um, das Land in vier Besatzungszonen aufzuteilen. Dabei folgte der Verlauf der Demarkationslinien zwischen den Zonen den alten deutschen Verwaltungsgrenzen. Damit sollte u. a. eine Zerschlagung des zentralistischen Nazi-Systems erreicht werden. Aber auch ein militärisches Wiedererstarken sollte unbedingt verhindert werden. Letztlich wollten sich die Sieger aber auch Reparationen aus ihren jeweiligen Zonen sichern, was in der Folge zu Demontagen von Industrieanlagen führte und im zerstörten Land einen wirtschaftlichen Niedergang auslöste. Insbesondere in der sowjetische Zone, wo in den ersten Nachkriegsjahren etwa 80 Prozent der Industrieanlagen abgebaut und in die Sowjetunion und ihre verbündeten Staaten abtransportiert wurden. Als Folge flohen in den nächsten Jahren monatlich mehr als 15.000 Menschen in den Teil Deutschlands, der ihnen neben der Freiheit von ideologischen Zwängen auch eine wirtschaftliche Zukunft verhieß…

Sie möchten weiterlesen? Hier finden Sie das vollständige Werk:

http://www.polizeigeschichte-niedersachsen.de/resources/Die+Polizei+an+der+deutsch.pdf

Autor: Volker Dowidat

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Wiederaufbau der Polizei in Braunschweig 1945

Rückblick

Im April 1945 rückte die amerikanische 30. Infanteriedivision unaufhaltsam auf Braunschweig zu. Die Bevölkerung der Stadt wurde durch Tieffliegerangriffe und Artilleriebeschuss zermürbt.

Noch am 6. April forderte der Gauleiter der NSDAP, Hartmann Lauterbach, die Bevölkerung mit den Worten „Lieber tot als Sklav“ zum fanatischen Kampf gegen die Feinde und zur Verteidigung der Stadt auf.

Für die Braunschweiger Polizei hieß dies, sog. Jagdkommandos zu bilden. Sie sollten bei evtl. Luftlandungen eingesetzt werden. Ferner wurde eine Kompanie „zur besonderen Verfügung“ zusammengestellt.

Am 9. April erging der Befehl, dass sämtliche Akten, Karteien und Unterlagen, die bei der Polizei existierten, vernichtet werden sollten. Soweit dies nicht vor Ort umgesetzt werden konnte, wurden die Akten in einer Zuckerfabrik bei Helmstedt verbrannt.

Am 10. April erging die Anordnung, dass sich die gesamte Schutzpolizei, unter der Führung des SS-Standartenführers und Polizeipräsidenten Fuchs, sammeln und in den Elm zurückziehen solle. Dort sollte eine Front gegen die anrückenden Amerikaner gebildet werden. D. h., dass fast die gesamte Polizei die Stadt verließ und sie weitestgehend schutzlos ihrem Schicksal überliess.

Dort im Elm wurden sie jedoch von Jagdflugzeugen angegriffen und sahen wohl auch bald die Sinnlosigkeit ihres Unternehmens ein. Einzeln schlugen sie sich durch und kehrten nach Braunschweig zurück. SS-Standartenführer Fuchs setzte sich ab und tauchte nicht wieder auf.

Etwa zur gleichen Zeit hatten sich auch die verantwortlichen Größen der Partei und der Stadtverwaltung bereits aus Braunschweig abgesetzt. Oberbürgermeister Mertens hatte sich in seinem Dienstzimmer erschossen und Kreisleiter Heilig ernannte den Ministerpräsidenten Klagges zum Oberbürgermeister der Stadt. Klagges seinerseits war nicht zum Helden geboren und suchte ebenfalls das Weite. Vorher ernannte er den Juristen Dr. Erich Bockler zum Oberbürgermeister. Den Polizeihauptmann Karl Stahl, der die Kriegsjahre über verantwortlich im Luftschutz gearbeitet hatte, ernannte er zum kommissarischen Polizeipräsidenten und beauftragte ihn mit der Führung der Schutzpolizei.

Die noch in Stadt verbliebenen Polizeibeamten saßen unterdessen im Bunker in der Münzstrasse. Hier fassten Dr. Bockler und Karl Stahl den Entschluss, die Stadt nicht zu verteidigen, um sinnloses Blutvergießen zu vermeiden. Stattdessen sollte die Stadt kampflos übergeben werden. Aus diesem Grund wurden Patrouillen entsandt, die Kontakt zu den Amerikaner aufnehmen sollten. Noch in der Nacht des 12. April fand die Übergabe der Stadt im Polizeibunker statt. Der Krieg war für Braunschweig beendet.

Stunde Null ?

Alle Polizeibeamten mussten auf Geheiß der amerikanischen Militärregierung ihre Waffen abgeben. Die nächsten Tage waren von Chaos geprägt. Ehemalige Gefangene, Lagerinsassen und auch weite Teile der deutschen Bevölkerung hielten die Zeit für gekommen, sich alles Brauchbare anzueignen. Plünderungen und Zerstörungen von Geschäften und öffentlichen Gebäuden folgten. Der noch amtierende Interimspolizeipräsident Stahl hatte aus den verbliebenen Polizeibeamten einen Ordnungsdienst gebildet und handelte eigenmächtig. Dies brachte ihm einen Prozess vor dem Militärgericht ein, der allerdings mit einem Freispruch endete, weil er belegen konnte, dass er lediglich Plünderungen habe verhindern wollen.

In der Zwischenzeit war die Militärregierung nicht untätig. Alle Beamten mussten einen Fragebogen ausfüllen und für den 18. April waren alle Beamten, die der NSDAP angehörten in das Polizeipräsidium in der Münzstrasse bestellt worden. Hier wurde ihnen eröffnet, dass man auf ihre Mitarbeit keinen Wert mehr lege und sie entlassen seien. Es betraf 90 Beamte. Zu ihnen gehörte auch der Interimspräsident Stahl.

Neuanfang

Schon am Tag nach der Besetzung durch die amerikanischen Truppen meldeten sich ehemalige Polizeibeamte, die 1933 aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen worden waren (in Braunschweig auch schon früher aus politischen Gründen möglich). Sie suchten um Anstellung im Polizeidienst nach und wurden bereitwillig aufgenommen. Sie waren in der Regel Sozialdemokraten und damit unbelastet. Aus ihnen bildete sich der Kern der neuen Polizei…

Sie möchten weiterlesen? Das vollständige Werk finden Sie hier:

http://www.polizeigeschichte-niedersachsen.de/resources/Wiederaufbau_der_Polizei_in_Braunschweig_1945.pdf

Volker Dowidat

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Gendarmeriekommissar Hedemann

Wenn man in Bremen- Huchting auf der Bremer Heerstraße wandert, kommt man an den Grünanlagen des Huchtinger Sees vorbei, die zu einer Rast einladen. Vielleicht bleibt der Blick des Rastenden dort an einem Findling haften, der mit einer bronzenen Gedenktafel versehen ist:

Gedenkstein Hedemann

Die sicherlich aufkommenden Fragen (Wer war Gendarmeriekommissar Hedemann? Wieso steht hier der Stein?) sind nicht so leicht zu beantworten. Wie heute üblich wird der Wanderer sicherlich sein Smartphone nehmen und dort recherchieren, aber keinen Erfolg haben. Diesem Umstand soll mit diesem kleinen Artikel abgeholfen werden.

HedemannDas Orginal dieses Bildes wurde von der Familie Hedemann der Polizeiinspektion Delmenhorst geschenkt. Die Uniformmütze wird in den Beständen des Polizeimuseums Niedersachsen verwahrt.

1988 veröffentlichte Michael Hauenschild vom Freundeskreis für Polizeigeschichte e.V. dazu folgenden Beitrag in der Zeitschrift Polizeiforum 3/88 (Verl.-Ges. für Polizeipublikationen mbH, Lübeck 1988)

Zum Beitrag

 

 

 

16.09.2014

PHK Manfred Rautenberg

Polizeistation Ganderkesee

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Begegnungen mit der Pferdemarktkaserne

Geschichte hat immer etwas mit persönlichem Erleben zu tun, sei es, ich erlebe es als Zeitzeuge, sei es, dass ich Geschichten aus alter Zeit an einem Kaffeetisch erzählt bekomme oder auch in Archiven forsche. Ich merke es oft nicht, aber Geschichte berührt immer. So ist auch meine persönliche Erfahrung, die ich hier in Bezug auf ein Gebäude erzählen möchte.

Als junger Polizeioberwachtmeister, Anfang 20, stand für mich Ende 1978 der Ausbildungsabschnitt “Praktikum Einzeldienst“ an und ich freute mich, dem Dienst in der Kaserne der Bereitschaftspolizei in Bloherfelde zu entkommen. Das 1. Polizeirevier am Oldenburger Pferdemarkt war meine Ausbildungsstelle, wohnen konnte ich zunächst noch in der Unterkunft.

Bislang kannte ich das große alte Gebäude am Pferdemarkt nur vom Vorbeifahren, aber im Laufe der Zeit sollte ich dem Gebäude und der Polizei näherkommen.

Die Wache war in einem kleinen Anbau an der Durchfahrt untergebracht, der wohl ursprünglich nur als Unterkunft der Torwache gedient hatte, aber damals die Diensträume des Streifendienstes, genannt SOV-Dienst ( Sicherheit, Ordnung und Verkehr), beherbergte. Die Wache des 1. Polizeireviers der Stadt Oldenburg bestand aus einem kleinen Wachraum mit einem Tresen, hinter dem der Wachhabende, meist ein älterer Hauptmeister oder der Schichtführer, ein Kommissar, saß. Daneben ein kleiner Funkraum, wo auch ein Waffenschrank, ein Schlüsselkasten und eine kleine Schreibmaschine mit der eingespannten ” Morgenmeldung” stand. Im Wachraum selber mussten noch zwei Schränke mit alten Unterlagen und ein Schreibtisch mit einem Schreibmaschinentisch unterkommen. An dieser Schreibmaschine habe ich einen Tag später meine erste Strafanzeige wegen Fahrraddiebstahls aufgenommen. Es sollten noch viele weitere folgen.

Versteckt hinter den Schränken ging eine schmale, steile Holztreppe nach oben, wo in einem Durchgangszimmer ein Formularschrank und eine Schreibmaschine standen. Von dort kam man in den Aufenthaltsraum, der wieder mit einer Schreibmaschine, einem Tisch und Stühlen ausgestattet war. Ein kleiner Fernseher mit dem Schild “Gespendet von der Gewerkschaft der Polizei Oldenburg” stand dort. Dazu noch ein kleiner Abstellraum mit Foto- und Verkehrsgerät. Das war derArbeitsbereich des Streifendienstes.

Auf der anderen Seite des Flures kamen noch ein Paar Räume mit der Leitung und dem Geschäftszimmer hinzu, der Ermittlungsdienst hatte seine Büros in der Georgstraße. Im Keller fanden sich die Toiletten, Umkleideräume und die Zellen, in denen graue Decken lagen mit der Aufschrift “OrPo Oldenburg”. Die oberen Etagen des Gebäudes wurden durch die Kriminalpolizei und den Kommandeur der Schutzpolizei genutzt.

Das Haus war alt und hatte offensichtlich schon viel erlebt. Die Treppenstufen waren durch unzählige Fußtritte durchgelaufen, eine altehrwürdige, schwere Holztür gewährte Eintritt in das Dienstgebäude. Der Zustand war offensichtlich nicht mehr der Beste, denn unter den Tritten der Beamten brach auch schon mal die Holztreppe von der Wache nach oben zusammen, im Keller rieselte der Putz von der Wand und aufgerissene Farbrest hingen teilweise noch darüber.

Auch wenn sich der Gesamtzustand doch stark renovierungsbedürftig zeigte, so strahlte das Gebäude doch eine innere Solidität aus. Auch fühlte ich mich dort sehr wohl, denn ich war in einer Schicht gelandet, die gut zusammenpasste und ich denke noch heute gern an die Zeit zurück. Nach dem Praktikum wurde ich zu dem Revier fest versetzt und lernte auch die Kollegen immer besser kennen. Auffällig war, dass dort noch einige ältere Kollegen Dienst machten, die den 2. Weltkrieg aktiv miterlebt hatten. Ein Umstand, dessen Tragweite ich damals noch nicht erkennen konnte.

Nur um zwei Beispiele für diese Kollegen zu nennen. Der Leiter Außendienst war als junger Soldat Jagdflieger gewesen und der Mitarbeiter Technik als Marinesoldat in den letzten Kriegstagen noch mit einem U-Boot in einem Ostseehafen untergegangen.

Das Haus und die Menschen dort hatten Geschichte. Diese Geschichte wurde noch einmal besonders lebendig, als ich eines Tages im Abstellraum der Wache einen Stapel Wehrmachtskarabiner entdeckte, die dort schon mal für Filmaufnahmen deponiert worden waren, die ein paar Tage später dort stattfinden sollten. Die Einfahrt zum Dienstgebäude wurde an dem Tag zum Filmset für einen historischen Film, der in der Kriegszeit spielte. Die Dienststellenschilder waren mit alten Schildern überdeckt, Kübelwagen und Wehrmachtkräder fuhren ein und aus und die Kleidermode der Passanten stammte aus den 40er Jahren. Vor dem Eingang der Wache stand ein Wehrmachtssoldat auf Posten mit dem Karabiner über der Schulter und im Hintergrund lief unser normaler Dienstbetrieb ab.

Schmunzeln musste ich über die Szene, die sich dabei ereignete. Eine alte Dame, der das alles sehr vertraut vorkommen musste, hatte auf der Wache zu tun gehabt, wollte wieder weggehen und traf auf den Posten. Verunsichert holte sie ihren Personalausweis, zeigte ihn dem Wehrmachtsposten vor und konnte ungehindert passieren. Die Kameras waren ihr wohl nicht aufgefallen. Alles wie früher!

Im Rahmen der Ausbildung zum gehobenen Dienst verließ ich das Haus und kam nur noch 1982 zur Beförderung zum Kommissar wieder, damals von dem Kommandeur der Schutzpolizei, dem Leitenden Direktor Schnupp,vorgenommen. Der konnte sich als “Beamtenrechtspapst” dabei nicht die Bemerkung verkneifen “Das können wir aber besser!” und spielte damit auf meine mündliche Prüfung an, die er im Staats-und Verfassungsrecht abgenommen hatte.

Unsere Wege, mein Weg und der des Hauses, trennten sich. Die Polizei baute am Friedhofsweg ein neues Gebäude und wenn ich dort zu tun hatte, fuhr ich an dem alten Gebäude nur vorbei.

Dreißig Jahre später….

Das Thema Polizeigeschichte ist zu mir gekommen. Im Rahmen des Aufbaus einer dienstlichen Internetseite, kam der Gedanke auf, dass dazu auch die eigene Organisationsgeschichte gehört und das Thema hatte mich seitdem nicht wieder verlassen.
Ich war bei den Recherchen im Internet über den Namen Dr. Lankenau gestolpert. Er war als Polizeibeamter auch ein Bewohner des Hauses am Pferdemarkt gewesen, nur lange Jahre vor mir. Er war studierter Historiker und hatte in den 20er Jahren Bücher über die alte Oldenburger Polizeigeschichte geschrieben, die ich gerne lesen wollte.
Also besuchte ich 2012 das alte Haus am Pferdemarkt wieder, in dem mittlerweile  die Oldenburger Landesbibliothek untergebracht ist. Neugierig betrat ich durch das neue Eingangsportal das Gebäude. Es war entkernt und hochwertig renoviert worden, man konnte aber deutlich spüren wie vorsichtig die Architekten mit dem denkmalgeschützten Gemäuer umgegangen waren. Teilweise waren noch die alten Türen erhalten geblieben und liebevoll restauriert worden.
Nach dem ich die gesuchten Bücher bekommen hatte, verließ ich das Gebäude durch den Hintereingang und schwelgte noch ein wenig in meinen Erinnerungen, denn das Gebäude verströmte wie damals Geschichte.

Im Hof sah ich mich um und es war nicht mehr der triste Parkplatz, sondern war jetzt begrünt und neu gepflastert. Die Garagen waren abgerissen worden. Ruhig und friedlich lag der Parkplatz da und ich schlenderte mit meiner Frau noch zu dem alten Wachbau und warf noch einen Blick hinein. Jetzt war dort eine Werkstatt der Bibliothek und es erinnerte nichts mehr an die alte Nutzung.

Im Weggehen fiel mein Blick auf eine Sandsteinplatte, die in die Außenwand der Wache eingelassen worden war. Betroffen las ich die Inschrift:

Gedenkstein Polizeiamt Pferdemarkt

Mahntafel des Alten Polizeiamts Oldenburg
Als Folge dieser Begegnung mit dem Gedenkstein suchte ich nach weiteren Hinweisen auf die Geschichte des Hauses. Das Dienstgebäude war ursprünglich eine Militärkaserne und nach einem Brand in der heutigen Form neu gebaut worden. Anfang der 20er Jahre übernahm das Gebäude die neu gegründete Oldenburger Sicherheitspolizei, die Vorläufer der Oldenburger Ordnungspolizei war.

Am 26.5.2012 begegnete ich meinem damaligen Arbeitsplatz im kleinen Postenhaus der Pferdemarktkaserne wieder, diesmal in einem Zeitungsartikel der Nordwest-Zeitung, in dem über eine Wahlkampfveranstaltung vom 10.5.1931 vor dem Dienstgebäude berichtet wurde.

Pferdemarkt NWZ 26-5-2012

Auf dem dazugehörigen Foto sah man Adolf Hitler und Carl Röver auf einer Tribüne reden. Im Hintergrund ist das Postenhaus zu erkennen und Personen schauen aus einem Eckfenster auf die Veranstaltung. Die Personen waren nicht zu erkennen, aber das Zimmer kam mir bekannt vor- das Zimmer meines damaligen Revierleiters.
Die zu dem Gedenkstein dazugehörigen Menschen fand ich ein Jahr später auf einem Foto, dass in einem Beitrag der Oldenburger Onlinezeitung vom 9.11.2013 zu finden war. Betroffen machte mich nicht nur die Tatsache, dass es diesen Massenmord gegeben hatte, sondern auch der Umstand, dass er mit meinem damaligen Arbeitsplatz zu tun hatte und es drei Jahrzehnte gebraucht hatte, mir dies bewußt zu machen.
Eine weitere Facette diese Gebäudes fand sich zufällig auf der Website des niedersächsichen Innenministeriums. In einem kleinen geschichtlichen Beitrag zur Polizeigeschichte fand sich dort ein Foto, dass weibliche Schutzpolizei in Oldenburg im Dienste der Besatzungstruppen zeigte. Es war zuerst nicht klar, wo genau das Foto entstanden war, aber der Ort kam mir bekannt vor, der Hof meiner alten Dienststelle.

Auf dem Foto sieht man zwei Frauen in Uniform mit Armbinden mit der Aufschrift „MG Police“, die zwei kleine Kinder zwischen sich haben.

Weibliche Polizei

Pferdemarktkaserne Nachkriegszeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Polizeiamt Pferdemarkt 2014

Pferdemarktkaserne heute – gleicher Blickwinkel

 

Foto Landebibliothek OL 09-2014

Heute: Landesbibliothek Oldenburg

 

Dies waren einige kleine Begegnungen mit diesem wichtigen Haus auf meinen ganz persönlichen Weg bei der Polizei.
Die niedersächsische Polizei als staatliche Institution hat angefangen sich ihrer Vergangenheit zu stellen und auch die dunklen Phasen ihrer Geschichte als Teil der eigenen Organisationsgeschichte anzunehmen. Sie hat mittlerweile ein eigenes Polizeimuseum mit hauptamtlichen Mitarbeitern, Beiträge auf den Internetseiten und auch die Wanderausstellung “Ordnung und Vernichtung – Die Polizei im NS-Staat“, die sich damit befasst.

Warum schreibe ich das?

Dies Haus mit seiner Geschichte ist mir begegnet und hat mich berührt. Wenn ich heute an ihm vorbeifahre, erinnere ich mich an diese Geschichten!

PHK Manfred Rautenberg

Polizeistation Ganderkesee

26.02.2014

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Von der Polizeiassistentin zur Führungskraft – Eine Ausstellung über die Geschichte der Feminisierung der Polizei –

Kaum eine Veränderung hat die Polizei so nachhaltig geprägt, wie die Einstellung von Frauen in den Polizeidienst. Aus einer reinen Aufgabe für Männer, mit vielen militärischen Attitüden, wurde ein vollwertiger Beruf für beide Geschlechter. Nun könnte der Eindruck entstehen, dass sich diese Entwicklung praktisch von selbst vollzogen hätte, also nur dem Zeitgeist und damit dem gesamtgesellschaftlichen Wandel gefolgt sei. In der Tendenz ist die Aussage nicht falsch. Die Entwicklung der Gleichstellung in der Arbeitswelt hat viele Berufe erfasst und die Unterscheidung in Frauen- und Männerberufe verliert zunehmend an Bedeutung. Und doch ist die Feminisierung der Polizei etwas Besonderes. Etwas Besonderes deshalb, weil es um einen Wandel der zentralen staatlichen Gewalt im Innern geht. Über Jahrhunderte waren Staat und Staatsgewalt, Synonym für Männlichkeit.[1] Mit der Feminisierung der Polizei endete die männliche Hegemonie über ein zentrales Element der Staatsgewalt. Und der Prozess war und ist weitreichend. Er umfasst das Fremd- und Selbstbild des Schutzmannes ebenso, wie Verhaltensweisen und Umgangsformen nach innen und außen, bis hin zu einer veränderten Aufgabenwahrnehmung. Über 100 Jahre hält dieser Prozess nun schon an und ist immer noch aktuell. Gleichstellungsfragen sind ein zentraler Aspekte der Organisationsentwicklung einer modernen Polizei.

Ausstellung Polizeiassistentin

Aufgrund der historischen und aktuellen Relevanz dieses Themas hat die Polizeigeschichtliche Sammlung der Polizeiakademie Niedersachsen die Feminisierung der Polizei seit einigen Jahren zu einem ihrer Arbeitsschwerpunkte gemacht.[2] Um vor allem die historische Entwicklung stärker ins Bewusstsein der Menschen innerhalb und außerhalb der Polizei zu bringen, wurde 2009 eine Wanderausstellung erarbeitet und im September in der Polizeiakademie Niedersachsen in Nienburg/ Weser eröffnet.[3] Die Ausstellung soll auch verdeutlichen, dass die Forderung nach weiblichen Polizisten ein Teil des Kampfes von Frauen für Frauen um ihre gesellschaftliche Gleichberechtigung war und ist. Doch wer kennt heute noch den Namen von Henriette Goldschmidt, der ersten Wegbereiterin weiblicher Polizeiarbeit in Deutschland? Wer weiß, dass Politikerinnen in der Weimarer Republik parteiübergreifend erste weibliche Polizeibeamte in Deutschland durchsetzten? Und wer oder was erinnert an die Frauen der Weiblichen Kriminalpolizei, die in den 60er und 70er Jahren immer noch um ihre berufliche Gleichberechtigung kämpfen mussten? Mit der Ausstellung Von der Polizeiassistentin zur Führungskraft und der hier anschließenden Darstellung soll die Geschichte der Feminisierung der Polizei einer interessierten Öffentlichkeit bewusster gemacht werden.

Weiterlesen: http://www.polizeigeschichte-niedersachsen.de/resources/Artikel_Polizei_korr_2.pdf

[1] „Obrigkeit ist männlich“ stellte der Historiker und Politiker Heinrich von Treitschke (1834-1896) unumwunden fest. Für ihn hieß regieren über bewaffnete Männer zu gebieten, etwas das Frauen von Natur aus niemals könnten. Vgl.: Treitschke Politik 1897, S. 252 f.

[2] Im Jahr 2005 fand ein Symposium zum Thema statt. 2009 wurde die Wanderausstellung Von der Polizeiassistentin zur Führungskraft eröffnet. Aktuell ist eine Monographie über die Anfänge der Entwicklung bis 1914 erschienen (Götting, Dirk: Das Aufbegehren der bürgerlichen Frauenbewegung gegen die Sittenpolizei des Kaiserreichs und der erste Versuch weiblicher Polizeiarbeit in Deutschland [1875-1914], [Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Polizeigeschichte e. V., Bd. 9] Frankfurt a. M. 2010).

[3] Einen Eindruck von der Ausstellung vermittelt das Internet unter: www.polizeigeschichte-niedersachsen.de.

 

 

Autor: Dr. D. Götting

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Geschichte der Polizeistation Stuhr

Auf der Webseite der Gemeinde Stuhr findet sich unter “Historisches” ein Streifzug durch die wechselvolle Geschichte der Gemeinde, deren Kenntnis auch für die Geschichte der Polizeistation Stuhr wichtig ist.
Über die eigentliche Geschichte der ansässigen Polizeistation berichten nur dürftige Quellen und die Anfänge finden sich bei den Oldenburgischen Polizeidragonern.

Zu deren Zeiten hat Stuhr noch keine eigene Dienststelle, sondern gehört zum Beritt Delmenhorst mit Standort in Varrelgraben. Von dort wird weiträumig Patrouille geritten und dem Landstreichunwesen Einhalt geboten.

Die Akten der heutigen Gemeinde Stuhr bieten weitere Hinweise:
Im März 1925 beschließt der Gemeinderat der Gemeinde Stuhr, dass ein neu zu bauendes Haus an der Stuhrer Landstraße 72 sofort nach der Fertigstellung durch den Gendarmeriekommissar bezogen und als Dienstwohnung in Benutzung genommen werden soll.

Archiv der Gemeinde Stuhr: Gendarm Meyer vor der Polizeistation (ca. 1934)

Archiv der Gemeinde Stuhr: Gendarm Meyer vor der Polizeistation
(ca. 1934)

Einen intensiven Blick in die damaligen Verhältnisse, in denen der Gendarmeriekommissar Meyer handelte, bietet die Geschichte um den Tod des Gendarmeriekommissars Hedemann.

Nach dem Krieg ist der Polizeiwachtmeister Hülsmeyer noch den älteren Mitbürgern als Dorfpolizist bekannt. Er hatte im 2. Weltkrieg seinen Dienst bei der Feldgendarmerie im Raum Bialystok/Polen gemacht und wurde dabei auch schwer verwundet. Ursprünglich im Osten beheimatet fand er sich nach dem Krieg im Westen und 1946 im Dienste der englischen Militärregierung wieder. Danach machte er über lange Jahre auf der Polizeistation Stuhr Dienst.

1946 - Polizeiwachtmeister Hülsmeier (1. v. r.) mit Diensthund “Ex von Bollingwalde“ Polizeiarchiv Delmenhorst

1946 – Polizeiwachtmeister Hülsmeier (1. v. r.)
mit Diensthund “Ex von Bollingwalde“
Polizeiarchiv Delmenhorst

In seinem Lebenslauf schreibt er: „Seit März 1948 wurde der Polizeiposten Stuhr selbstständiger Polizeiposten. Ich wurde mir der Leitung des Polizeipostens beauftragt.“

Der Diensthund wurde nicht extra erwähnt, trat aber seinen Dienst ebenfalls dort an. In den nächsten Jahren dürfte er seinen Dienstellenleiter oft begleitet haben, wie dieser auf dem Fahrrad zu seinen Ermittlungen fuhr, dabei die Schreibmaschine auf dem Gepäckträger.

Damals ging es oft um Delikte, die heute eher selten vorkommen, z.B. Viehdiebstahl und Brennen von Kartoffelschnaps. Bevor er den Posten in Stuhr antrat, machte er diese Fahrten vom Posten Iprump aus.

Laut Gemeinderatsprotokoll vom 30.12.1948 wird dem Polizeiwachtmeister Burckhardt die Genehmigung zum Ausbau eines Zimmers im Gemeindehaus erteilt.

Archiv der Gemeinde Stuhr: Aufnahme des Rathauses mit integrierter Polizeistation (ca. 1970 bis 1974). Die Diensträume lagen im Altbau. Die Fenster vorne links gehörten dazu.

Archiv der Gemeinde Stuhr:
Aufnahme des Rathauses mit integrierter Polizeistation (ca. 1970 bis 1974).
Die Diensträume lagen im Altbau. Die Fenster vorne links gehörten dazu.

1953 zog die Polizei in das vordere Klinkergebäude und ca. 1969 in den Erweiterungsbau ein, wo sie bis 1975 blieb.
Organisatorisch war die Polizeistation Stuhr in der Nachkriegszeit dem Polizeirevier Ganderkesee zugeordnet. Dabei machte eine geografische Besonderheit diese in der damaligen Zeit zu einer “Exklave” – es gab keine direkte Landverbindung zum Landkreis Oldenburg bzw. nach Ganderkesee.

Eine persönliche Besonderheit verbindet diese Polizeistation noch heute mit der Polizei des Landkreises Oldenburg. Der Sohn des Wachtmeisters Hülsmeier, Herr Dieter Hülsmeier, trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde im Rahmen seiner Laufbahn für einige Jahre auch Chef des Polizeiabschnitts Oldenburg- Land.
Die Geschichte der Polizeistation Stuhr blieb auch weiterhin wechselhaft.

In der Chronik “Das Buch von Stuhr” findet sich:
“Heute (1966) stehen zur Erfüllung ihrer Aufgaben – Aufklärung von Straffällen, allgemeine Sicherheit, Verkehrsregelung, alles, was sie zum “Freund und Helfer” macht – zwei Beamte bereit, Polizei-Obermeister Hülsmeier und Polizei-Meister Gißas. Die Station gehört zum 2. Landrevier Ganderkesee des Polizei-Abschnitts Wildeshausen.”

Durch Einrichtung des Polizeireviers Weyhe- Leeste erfolgte am 01.05.1975 der Umzug von Stuhr nach Weyhe-Leeste. Und einige Jahre später (1986), nach Errichtung eines Erweiterungsbaues des neuen Rathauses an der Blockener Straße 76, kehrt die Polizeistation wieder als Außenstelle von Weyhe- Leeste zurück.

Im Herbst 1995 erfolgte der Umzug in das Haus Am Rathaus 5 gegenüber dem Rathaus (Die Gemeinde ist seit 2008 Eigentümerin des Hauses).

Polizeistation Stuhr 2009

Polizeistation Stuhr 2009

Nach Loslösung vom Landkreis Oldenburg (1974) fiel die Polizeistation an die Bezirksregierung Hannover und im Zuge der Polizeireform 2003 kam sie als Teil der PI Diepholz wieder zurück an die Polizeidirektion Oldenburg.

…wem die Polizeistation Stuhr im Rahmen der nächsten Reform zugeschlagen werden wird ist ungewiss. Man mag darüber trefflich spekulieren. Die Stuhrer sehen es gelassen.

PHK Manfred Rautenberg, PSt Ganderkesee
Stand: 23.12.2013

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Die “ersten” Polizisten im Oldenburger Land

Wenn man sich auf die Suche nach der eigenen Organsiationsschichte macht, so kommt man sehr schnell bis zu den Quellen im alten Griechenland und des Römischen Reiches. Typische Begriffe unserer Berufsstandes weisen noch heute auf diese Ursprünge hin. Von den damaligen Personen mit Polizeiaufgaben ist kaum mehr etwas bekannt- meist nur von zentralen Würdenträgern haben sich Namen und Bilder bis in die heutige Zeit erhalten.
Sucht man in der lokalen Polizeigeschichte nach diesen Namen und Gesichtern wird es auch hier mit zunehmender zeitlicher Entfernung immer weniger. Zeitzeugen gibt es nicht mehr,  vieles ist verloren gegangen und vergessen, aber einiges hat an geschützter Stelle die Zeiten überdauert, z.B. in den staatlichen Archiven.

Der damalige Polizeihauptmann Dr. Heinrich Lankenau , der studierter Historiker war, betrieb in den 20er Jahren intensive Archivarbeit und hat wohl das Standardwerk zu diesem Abschnitt der lokalen Polizeigeschichte, der Zeit des Oldenburger Polizeidragonercorps von 1786, geschrieben, welches die Oldenburger Landesbibliothek dem interessierten Leser heute in digitaler Form zur Verfügung stellt.
Er stieß in den Archiven u.a. auf einen Namen: Friedrich Westje aus Horn bei Wiefelstede
(damals 21 Jahre)

Dieser Kollege wurde am 08.02.1787, 10.00 h, in das neu aufgestellte Polizeidragonercorps unter der laufenden Nummer 1 eingestellt. Man könnte ihn als den ersten namentlich bekannten Polizeibeamten bezeichnen.
Schon damals stieß der Forscher auf das Problem, dass es aus dieser Epoche kein Bildmaterial eines Polizeidragoners gibt, lediglich eine Beschreibung der Uniform – “Montierung” genannt- ist erhalten geblieben:

dunkelblauer Rock mit rotem Kragen und Rabatten,
rote Weste, beides mit weißen Knöpfen,
lederne Beinkleider, großer blauer Mantel,
weißer Leinenkittel, Stiefel, Lederhandschuhe,
Hut mit einer schmalen halbsilbernen Bandtresse,
rote Halsbinde, Sporen. Bewaffnet mit einem Pallasch ,
Patronentasche,zwei Pistolen. Beritten mit einem
dunklen Pferd. Kosten der Ausrüstung samt
Pferd und Sattel: 127 Reichsthaler und 46 Groschen.

Eine andere Fundstelle bietet das Oldenburger Staatsarchiv mit einem Gemälde von 1786, auf dem der damalige Oldenburger Polizeidiener Cassel zu sehen ist.

Polizeidiener Cassel(Stadt Oldenburg) Polizeidiener Cassel Quelle: Staatsarchiv Oldenburg

Polizeidiener Cassel(Stadt Oldenburg)
Polizeidiener Cassel
Quelle: Staatsarchiv Oldenburg

Bei diesem Bild dürfte es sich um die älteste Abbildung eines uniformierten Oldenburger Polizeibeamten handeln, man könnte ihn ebenfalls als “den ersten Polizeibeamten” bezeichnen. Die Einrichtung der Polizeidiener ist deutlich älter(ab 1700) als das Polizeidragonercorps, es haben sich aber keine älteren Namen oder Bilder erhalten. Bekannt ist aus den Anfängen lediglich, dass noch keine Uniform getragen wurde. Aus dieser Einrichtung erwuchs in späteren Zeiten die Kommunalpolizei.

Vielleicht sind sich der Polizeidiener Cassel und der Polizeidragoner Westje einmal begegnet? Sie waren zumindest Zeitgenossen. Die eine oder andere Geschichte im Buch des Polizeihauptmanns Dr. Lankenau lädt auch zum Schmunzeln ein. Viel Freude beim Lesen der Spuren der “ersten” Polizeibeamten.

Stand: 01.10.2012

Polizeistation Ganderkesee, Rautenberg, PHK

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Von der Polizei der Obrigkeit zum Dienstleister für öffentliche Sicherheit

_wsb_170x240_hanHeuer, Hans-Joachim; Klosa, Hans-Dieter u.a. (Hrsg.):
Festschrift z. 100. Gebäudejubiläum des Polizeipräsidiums Hannover 1903-2003, Hilden 2003. Weiterlesen

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Polizei im Rückspiegel – Die Geschichte der Polizeidirektion Braunschweig

BuchcoverDowidat, Volker Weiterlesen

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