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Arbeitsbeschreibung der Polizei Harburg aus dem Jahre 1905

Mit Beginn der Industrialisierung und den damit verbundenen Landfluchten von Menschen in die Großstädte von Anfang des 19. Jh.s, bis zu Beginn des 20. Jh.s begann auch eine rasante Steigerung des Alkoohlkonsums mit den sich daraus entwickelten Elendszuständen und den Gefahren für die Sicherheit und Ordnung.

gewalt-in-familieDaher war es ein Einfaches, den Menschen, die mit Alkohol nicht umgehen konnten, den Erwerb und Konsum polizeilich zu verbieten. Dies geschah mit Benennung der betreffenden Personen durch öffentlichen Aushang, sowie die Erfassung in den sog. “Säuferlisten”, die den Wirten die Abgabe von Alkohol an die dort verzeichneten Personen untersagten.

Eine Arbeitsbeschreibung der Polizei Harburg aus dem Jahre 1905 will aufzeigen, wie sich die Alkoholprobleme in der Bevölkerung mit dieser Verfahrensweisen lösen sollten. Abgedruckt war dies in der Ausgabe 6 der Mäßigkeit-Blätter vom Juni 1906, gefunden im Nienburger Stadt- und Kreisarchiv.

Der Kampf der Polizei gegen den Alkohol in Harburg

Erfahrungsgemäß werden die meisten Roheits-Delikte im Zustand der Trunkenheit verübt. Von dieser Erkenntnis ausgehend hat sich auf Anregung des hiesigen Lokal-Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke die Polizei-Direktion seit November 1905 den Kampf gegen die Trinker und Trunkenbolde zur Aufgabe gemacht.

Es gab auf diesem Gebiet bereits eine Vorkämpferin, die Polizeiverwaltung Herford i. W., so daß wir uns deren Erfahrungen zu nutze machen, auch entsprechende Verbesserungen eintreten lassen konnten.

TrunkenboldeVor Eintritt in den Kampf sagten wir uns, daß wir zunächst uns damit begnügen müssen, bei neuen Fällen von Trunkenheit bessere Hand anzulegen und erst später auf bereits bekannte Trunkenbolde zurück-zugreifen, da wir sonst andere Arbeiten hätten liegen lassen müssen. Bekanntlich haben Kommunal-Polizei-Verwaltungen nur eben so viele Beamte, daß sie notdürftig die ihnen geltenden Aufgaben erfüllen können, die namentlich in einer Hafen- und Fabrikstadt wie Harburg – in unmittelbarer Nähe Hamburgs – nicht gering sind.

Wenn wir auch nicht so große Zahlen aufwarten können wie Herford, so können wir doch mit den bis jetzt erreichten Erfolgen zufrieden sein. Auch wir haben erreicht, daß bald, nachdem das von der Polizei eingeschlagene Verfahren sich herumgesprochen hatte, eine bedeutende Abnahme der Zahl der wegen Trunkenheit in das Polizei-Gewahrsam eingelieferte Individuen und der Zahl der in der Trunkenheit begangenen Straftaten festzustellen war. Erfreulicherweise hat diese Abnahme bis heute angehalten. Während früher wöchentlich durchschnittlich bis 20 Festnahmen erfolgten, sind es jetzt höchsten 5.

Das eingeschlagene Verfahrten ist kurz folgendes: Sobald die Polizei auf irgend eine Weise Kenntnis von dem Vorhandensein eines notorischen Trinkers erhält, erfolgt seine Vorladung und eingehende Vernehmung zu Protokoll (siehe Anlage 1), um feststelle zu können, ob der Trinker erblich belastet ist und ob bereits Angehörige infolge von Trunksucht verstorben sind. Sodann erfolgt, falls der Trinker verheiratet ist, eine Gegenüberstellung von Mann und Frau.

Bei Vorhandensein der Schuld auf Seiten des Mannes ist tunlichst die regelmäßige Abgabe des Arbeitsverdienstes an die Frau herbeizuführen. Bei dieser Vernehmung hängt es wesentlich von der Geschicklichkeit des Kommissars ab, ob es ihm gelingt, das Ehrgefühl der Leute, sollte es auch noch so abgestumpft sein, zu wecken, indem er ihnen in humaner Weise die ungeheuer schädlichen Wirkungen des Alkohols vor Augen führt. Zur mündlichen Verwarnung tritt noch hinzu, daßß zur Bekräftigung derselben dem Mann die Schrift von Regierungsrat Quengle “Der Alkohol und seine Gefahren” (Mäßigkeit-Verlag, Berlin W 15, 20 Pf.) überreicht wird.

Für jeden Trinker wird außerdem eine Registerkarte und ein Fragebogen (Anlage 2) angelegt und jede Woche von dem zuständigen Revierbeamten ausgefüllt. Fällt dieser Bericht ungünstig aus, so tritt erneute protokollarische Verwarnung ein.

1906-06-01-Maessigkeits-Blatt-07In der Regel erfolgt die Aufnahme in die Trinkerliste – Säuferliste – nach dreimaliger Verwarnung. Ist die Aufnahme verfügt, so wird die betreffende Person im Wege einer polizeilichen Verfügung eröffnet, das sie als “Trunkenbold” bezeichnet worden ist, und es wird ihr das Betreten von Lokalen, welche zum Ausschank für geistige Getränke bestimmt sind, unter Androhung einer Zwangsstrafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt. Gleichzeitig erhalten die Wirte durch Zustellung einer entsprechenden Benachrichtigung Kenntnis von der Aufnahme. Wann von den der Polizei zur Verfügung stehenden weiteren Machtmitteln – Einleitung der Fürsorge-Erziehung der Kinder, Herbeiführung der Bestrafung aus § 361, 5, 7, 8, 10 und schließlich das Entmündigungsverfahren – Gebrauch gemacht werden soll, muß von Fall zu Fall entschieden werden.

Um die Wirte zur Mitarbeit an der guten Sache zu veranlassen, ging ihnen folgendes Schreiben zu:

“Da erwiesenermaßen die meisten Exzesse und Roheits-Delikte im Zustande der Trunkenheit und zwar vornehmlich nach übermäßigen Genug von Branntwein begangen werden, so hat die Polizei sich zur Aufgabe gemacht, diesem Übel entgegen zu treten. Hierzu bedürfen wir die Unterstützung der Wirte, resp. deren Stellvertreter. Wir ersuchen daher, in Zukunft Spirituosen nicht mehr zu verabreichen:

  • solchen Personen, die als Trunkenbolde amtlich bekannt gegeben sind,
  • Betrunkenen,
  • auf Borg und endlich
  • Kindern, da durch diese erfahrungsgemäß der Alkohol zugetragen wird.

Wir hoffen, daß Sie Ihrerseits bereit sein werden, sich an den sowohl für die einzelnen trunkfälligen Individuen als auch für das Allgemeinwohl segensreichen Bestrebungen zu beteiligen und wir auf Ihre Unterstützung rechnen dürfen.”

Da leider weder die Verabreichung geistiger Getränke auf Borg, noch die an Kinder allgemein gesetzlich verboten ist, – über die Rechtsgültigkeit von diese Materie regelnden Lokalpolizeiverordnungen bestehen Zweifel – so ergaben sich anfangs Schwierigkeiten, deren Überwindung nicht so einfach erschien. Die Wirte glaubten sich durch diese Forderung der Polizei in ihrem Gewerbe beeinträchtigt und waren nicht ohne weiteres bereit, ihr nachzukommen. Erst als ihnen in mehreren Fällen unzweifelhaft klar gemacht worden war, daß die Polizei Mittel besitzt, sie gefügig zu machen, gaben sie ihren Widerstand auf und kommen jetzt den getroffenen Anordnungen bereitwilligst nach. Selbstverständlich kommt noch ab und zu ein Verstoß vor.

Weitere Schwierigkeiten erwuchsen uns aus der Größe der Stadt, dann aber auch durch die eigenartig zusammengewürfelte, stets struktuierende Bevölkerung. Auch fehlte es leider stark an dem Verständnis für die gute Sache.

Die meisten Fabrikanten und sonstige Arbeitgeber nahmen von vorneherein insofern einen ablehnenden Standpunkt ein, als sie, von offenbar solchen Motivangeleitet, auf eine Anfrage darüber, ob sie in ihren Betrieben zum Trunke neigende Personen beschäftigen, eine ablehnende Antwort gaben. Dagegen gaben sie auf Erkundigungen über von uns als Trinke bezeichnete Personen bereitwillig Auskunft.

Auf verläßliche Mitteilungen der Nachbarn ist in den seltensten Fällen zu rechnen. Die unter denselben Lebensbedingungen Zusammenwohnenden betrachten auch gemeinsam die Polizei als ihren Feind und verraten ihresgleichen nicht.

Eine besondere Kategorie von Arbeitern sind in Großstädten die Gelegenheitsarbeiter und in Hafenstädten außerdem die Hafenarbeiter. Mit beiden ist schwer etwas aufzustellen, da diese keine regelmäßigen festen Bezüge haben, sondern nur stunden- oder tageweise arbeiten und bezahlt erhalten. Die danach folgende (vielfach gewollte) arbeitslose Zeit wird zum Verschlämmen deszu größten Teile schwer verdienten Lohns benützt. Viele nehme sogar nicht frühert andere Arbeit an, als bis die Ebbe iher Kasse dazu zwingt. Diesen kommt daher der verhältnismäßig hohe Arbeitslohn zustatten. Im Akkord können z. B. tüchtige Leute in 3-4 Tagen bis zu 40 Mark und mehr verdienen, z. B. beim Entlöschen  eines Dampfers, der schwedische Pflaster-Kopfsteine oder Schwellenholz als Ladung enthält. Sobald man diesen Leuten näher kommt, Abgabe ihres Lohns an die Frau verlangt und sie kontrollieren läßt, dann arbeite sie eben weniger und begnügen sich mit einem Verdienst, der gerade für ihren Lebensunterhalt hinreicht, Abzüge aber nicht zulässt.

Leider finden solche Leute bei den Gerichten viel zu wenig Unterstützung, insofern als ihren Entschuldigungsgründen zuviel Glauben beigemessen wird, sodass es oft nicht gelingt, sie zur Bestrafung zu bringen.

Eine weitere Schwierigkeit besteht in der Reformbedürftigkeit des Armenrechts, die ja auch in der 26. Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 17. Febr. 1906 als notwendig anerkannt worden ist.

Wir haben z. B. hier einen Fall zu verzeichnen, daß ein wegen Trunksucht Entmündigter – ein notorischer Trunkenbold – mit Armenschein, auf Aufhebung der Entmündigung geklagt und ein obsiegendes Urteil erstritten hat! Die nicht geringen Kosten hatte die städtische Verwlatung zu tragen.

Als nicht ausreichend müssen auch die Bestimmungen über Ausstellung der sogenannten (Trinker-) Säuferliste bezeichnet werden.

Nach der Oberpräidial-Verordnung vom 7. Febr. 1903 hängt in den Wirtschaften ein Plakat mit den Namen der als Trunkenbold erklärten Personen nicht aus. Aber selbst wenn das aushinge, würde es in großen Städten wenig oder garnierst nützen, denn in den meisten Fällen kennt der Wirt die Personen nicht, oder schützt wenigstens Unkenntnis vor, ohne das ihm das Gegenteil zu beweisen ist.

Meines Erachtens müssen derartige, dem Trunke ergebene Individuen, die ihre Familie der Gefahr der Verarmung aussetzen und auch eine Gefahr für die Allgemeinheit bilden, photographiert und das Bild den Wirten behändigt werden dürfen. Ich bin der Ansicht, daß die Gefahr des Photographierenwerdens manchen von seinem Laster abbringe würde.

Ich fasse meine Erfahrungen und Ansichten damit zusammen, daß ich sage:

  • Der Kampf gegen den Mißbrauch geistiger Getränke ist auch in großen Städten möglich, wenn er auch mit Schwierigkeiten verbunden ist.
  • Erfolge sind nur dann zu erzielen, wenn alle Polizeiverwaltungen gleichmäßig nach einem System vorgehen und sich gegenseitig die Trunkenbolde – wie dieses bereits jetzt z. B. bei den Polizeiaufsichtlern u. f. f. geschieht – zur Weiterarbeit überweisen. Es muß für die Trinkerliste übereinstimmend der öffentliche Aushang vorgeschrieben werden.
  • Die Trunkenbolde müssen photographiert, und ein Bild derselben muß den Wirten zugänglich gemacht werden.
  • Die Verabvolgung geistiger Getränke auf Borg und insbesondere das Aushändigen der Getränke an Kinder ist gesetzlich allgemein zu untersagen.
  • Die Namen derjenigen Wirte, die dieselhalb bestraft werden, sind in regelmäßigen Zwischenräumen öffentlich bekannt zu geben, und es muß gegen diese Wirte bei Wiederholungsfällen und nach nutzlos ergangener Verwarnung rücksichtslos die Konzessionsentziehung herbeigeführt werden.

Zur Vollendung des Tatbestandes des § 361 R.Str.G.B. müßte die Feststellunbg der durch Trunk oder Spiel herbeigeführten Unfähigkeit zur Ernährung usw. der Angehörigen und die Einbringung eines Antrages der Vernachlässigung auf Gewährung einer Armenunterstützung genügen, nicht aber der bereits tatsächlich erfolgte Bezug einer solchen Unterstützung verlangt werden.

von Sillig, Polizei-Inspektor

1927-01-19-Polizei-Augenmerk-auf-TrinkerEs ist eindeutig, dass die oben beschriebene Arbeitsweise auch nach dem Ersten Weltkrieg, in der Weimarer Republik angewendet wurde. Gleichwohl gab es Versuche, mit örtlichen Abstinez-Vereinen und Guttempler-Logen zusammen-zuarbeiten. Welchen Umfang der durch diese Arbeitsweise polizeilich erfaßte Personenkreis im damaligen Reichsgebiet hatte, läßt sich nicht einmal erahnen.

Ab 1933 waren vorhandene Trinkerkarteien und Säuferlisten ein willkommenes Hilfsmittel der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), um hoffnungslose Trunkenbolde und notorische Trinker (Alkoholismus war damals noch keine Krankheit) in die Schublade “Asozial” zu stecken und – neben anderen für das damalige System unerwünschte Personen – in eigens dafür eingerichteten Schutzhaftlagern (den späteren Konzentrationslagern der SS) zu inhaftieren.

1927-08-19 IOGT - Anfrage auf ErfolgDas Alkoholproblem löste sich erst ab Mitte der 1930-er Jahren von selbst. Als mit Beginn der Wiederaufrüstung und den späteren Kriegsvorbereitungen durch das NS-Regime so gut wie keine Brant-weinerzeugnisse mehr an die Normalschicht der Bevölkerung abgegeben wurde, legte sich das damalige Deutsche Reich praktisch von selbst trocken.

Fundstellen

  • Mäßigkeitsblätter 06/1906 –  Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke
  • Gläß/Biel – Der Guttempler-Orden in Deutschland, Band 1,  1889-1945
  • Wiedemann – Vom Alkoholverbot zum Gesundheitsmanagement
  • Archivmaterial – PHM Gerhard Kulawenski, Bundespolizeiinspektion Bremen
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Geschichte der Polizei Delmenhorst

Am 31.03.1690 diktiert der „oberste Dienstherr der Delmenhorster Polizei“ an seinem Amtssitz in Copenhagen:

„Wir, Christian der Fünfte, König von Gottes Gnaden…“

1690 Originaltexte

1690 Originaltexte

1690 Leseabschrift

1690 Leseabschrift

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In dieser Urkunde regelt er Marktfragen in Delmenhorst und auch die damit verbundenen Sicherheitsfragen. Er spricht hier noch von „Civil- und Militärbeamten“, die mit diesem Aufgaben betraut sind. Eine Polizei im heutigen Sinne existiert noch nicht. Die aber durchaus vorhandenen polizeilichen Themen werden „quasi im Nebenamt“ miterledigt. Auch der Begriff der „Policey“ hat noch eine andere Bedeutung.

Ein Vorbote der heutigen Polizei ist das Amt des Polizeidieners, welches ab 1700 in größeren Städten des Oldenburger Landes zu finden ist, anfänglich noch ohne Uniform.

Hundert Jahre später bringen die Ideen der Aufklärung und die französische Revolution Bewegung in die Entwicklung: Polizei, Staatsanwaltschaft und Amtsgericht entstehen. In Frankreich hatte es eine eigenständige Polizei schon seit 1373 gegeben, die „connetablie‘ et marechausse’e de France“, die sicherlich als Vorbild für die hiesige Polizei gedient haben dürfte. 1786 werden im Oldenburger Land die „Polizeidragoner“ gegründet, die in der kurzen Phase der französischen Besetzung aufgelöst werden. Die polizeilichen Belange in dieser Zeit werden von der“Gendarmerie Imperial“ in Bremen geregelt.

Dienststellenschild 1867-1919

Dienststellenschild 1867-1919

Gendarmerieuniform 1865

Gendarmerieuniform 1865

Herzog Johann Peter Ludwig knüpft 1817 wieder an die Ursprünge an und unterschreibt 1817 die grundlegende Verfügung für das „Oldenburger Landdragonerkorps„, aus dem erst lange Jahre später (1867) das „Oldenburger Gendarmeriekorps“ entsteht. Der Begriff der Gendarmerie leitet sich aus dem französischen Ausdruck „gens d’armes“ für bewaffnete Männer/Leute ab.

Überall im Oldenburger Land, also auch in Delmenhorst, sind kleine Abteilungen von Dragonern und später Gendarmen stationiert. Anfänglich ist der Standort des Berittes Delmenhorst an der Landesgrenze zu Bremen in Varrelgraben und von dort werden Patrouillen zur Eindämmung des Landstreicherunwesens geritten. In der Stadt dürfte nur ein Stadtdiener und die Nachtwächter Polizeidienst versehen haben. Neben dem miltärischen Vorgesetzten sind die Dragoner/Gendarmen auch dem zivilen Vorgesetzten, dem Vorsteher des jeweiligen Großherzoglichen Amtes unterstellt, in dessen Amt anfänglich noch die Ämter des Verwaltungschefs, des Polizeichefs und des Richters vereint sind. 1858 werden die Funktionen getrennt.

Einer der prägenden Persönlichkeiten der damaligen Polizeigeschichte des Oldenburger Landes war Johann Ludwig Mosle, der über lange Jahre (1828-1870) Kommandeur der Landdragoner und späteren Gendarmerie war und sich um deren Weiterentwicklung verdient gemacht hat. Die Stadt Oldenburg ehrt ihn mit der Benennung einer Straße, der „Moslestraße“ in der Nähe des Bahnhofes.

Mosle

Mosle

Altes Rathaus Delmenhorst

Altes Rathaus Delmenhorst

Der Sitz des Amtes Delmenhorst liegt gegen Ende des 19. Jahrhunderts an der Langen Straße 54-56 und von dort wird die Stadt und das Umland verwaltet. Heute kreuzt dort die Friedrich-Ebert-Allee.

1899 ist die Delmenhorster Polizeidienststelle im alten Rathaus, recht bescheiden im Zimmer Nr. 8 untergebracht.

Amt Delmenhorst Lange Straße 54-56

Amt Delmenhorst Lange Straße 54-56

 

 Jan Tut

Jan Tut

Nachdem Delmenhorst zur Stadt erster Klasse erklärt worden ist, wird 1903 auch eine eigene Stadtpolizei gegründet und die räumlichen Bedürfnisse der Polizei steigen und als 1914 ein modernes neues Rathaus in Delmenhorst gebaut wird, ziehen Stadtpolizei und Gendarmerie in den Seitenflügel des heutigen Standesamtes ein.

Neues Rathaus 1914

Neues Rathaus 1914

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges kommen weiterhin unruhige Zeiten auf die Delmenhorster Polizei zu und die Lage scheint von der Polizei nicht mehr zu bewältigen zu sein, was dazu führt, dass 1919 in Delmenhorst eine offizielle Bürgerwehr aufgestellt wird, die aber nicht lange Bestand hat.

Die neu aufgestellte Oldenburger Ordnungspolizei unterstützt zunächst phasenweise und ab 1923 wird die Delmenhorster Polizei regulär verstärkt. Die 3. Revierhundertschaft der Ordnungspolizei Oldenburg wird in Delmenhorst stationiert und der Bedarf an Diensträumen wächst.

Polizei Delmenhorst 1925

Polizei Delmenhorst 1925

 

Gastler vor PDG Delmenhorst 1927

Gastler vor PDG Delmenhorst 1927

Am 08. April 1927 zieht die Polizei um, in den Neubau an der Gartenstraße, dem heutigen Stadthaus 1. Die Gendarmerie verbleibt im Seitenflügel des Rathauses.

Zur Verdeutlichung sei an dieser Stelle erwähnt, dass in dieser Zeit drei Polizeien in Delmenhorst Dienst versehen haben:

  1. Stadtpolizei
  2. Gendarmerie
  3. Ordnungspolizei, die auch die Führungsfunktion für das Umland innehatten.

Dienstabteilung ca. 1940 vor dem Dienstgebäude Gartenstraße

Maifeiern 1941

Maifeiern 1941

Heldengedenktag 17.03.1935

Heldengedenktag 17.03.1935

Die ab 1933 herrschende Zeit des Nationalsozialismus wirkt sich auch auf die Polizei aus, sie wird ab 1937 stärker vereinheitlicht und u.a.mit einer einheitlichen Uniform versehen.

Delmenhorst 1933

Delmenhorst 1933

Im Dienstgebäude Gartenstraße ist neben der Ordnungspolizei auch die GeStaPo (Delmenhorster Kreisblatt 15.08.2007) mit vier Beamten untergebracht, die von 1933 bis 1943 von dort aus ihr unheilvolles Wirken entfaltet. Ab 1943 wird diese Dienststelle nach Bremen verlegt. Wie überall im Reich wird auch in Delmenhorst eine Polizeireservekompagnie aufgestellt, deren Einheitsbezeichnung und Verwendung noch ungeklärt ist.

Vereidigung Pol.-Reserve-Kompanie 21.07.1940

Vereidigung Pol.-Reserve-Kompanie 21.07.1940

Am 09.11.1938 setzen SA- Männer die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in der Cramerstraße 20a in Brand (Brand-der-Synagoge-09.11.2010-NWZ) und Polizei und Feuerwehr greifen weisungsgemäß nicht ein. Im Nachgang setzt eine Verhaftungswelle von jüdischen Mitbürgern aus Delmenhorst, Ganderkesee und Wildeshausen ein. Allein von den 180 Delmenhorster Gemeindemitgliedern finden 75 den Tod in Konzentrations-und Vernichtungslagern. Heute erinnern Gedenksteine und Tafeln an die Geschehnisse.

Funkspruch Kapitulation 1945

Funkspruch Kapitulation 1945

Nach der Kapitulation 1945 erhält die Delmenhorster Polizei wieder einen neuen Dienstherrn, diesmal in Gestalt der britischen Militärverwaltung, die ihren Sitz im Rathaus hat. Auch versieht die Polizei ihren Dienst jetzt in englischen Uniformen.

1946-47

1946-47

Die Gendarmerie bzw. Polizei wird entnazifiziert, was die Entlassung von rund einem Drittel der Beamten bedeutet, und als Organisation aufgelöst. Es erfolgen mindestens drei Verurteilungen wegen begangener Verbrechen bzw. Kriegsverbrechen. Die Einheitspolizei des neu geschaffenen Landes Niedersachsen entsteht.

Das Organigramm von 1958 verzeichnet in Delmenhorst ein 2. Polizeirevier (Stedinger Str.), welches später aufgelöst wird. Auch werden Räumlichkeiten einer ehemaligen Schuhfabrik am Uferweg 15 von Beamten des Ermittlungsdienstes genutzt . Später wird dieses Gebäude von der neu aufgestellten motorisierten Verkehrspolizeistaffel Delmenhorst übernommen. Die Polizei wächst weiter, braucht mehr Platz und zieht am 01.03.1967 von dem Dienstgebäude Gartenstraße in die ehemalige Berufsschule an ihren heutigen Standort, der Markstraße 6. Auch hier ist es schnell beengt und phasenweise (80er Jahre) wird eine Wohnung im City-Center für die Beamten der Einsatz-und Ausbildungsstaffel angemietet. Ebenfalls aus Platzgründen werden in den 80er Jahren Teile der Polizei, der damalige Polizeiabschnitt Delmenhorst, für einige Jahre in das Gebäude der ehemaligen Post, an der Louisenstraße 35, ausgelagert.

PDG-Louisenstraße 35 1988

PDG-Louisenstraße 35 1988

Die Kriminalpolizeiinspektion und die Schutzpolizeiinspektion Delmenhorst verbleiben an der Marktstraße.

Dienstellenschild 2012

Dienstellenschild 2012

 Heute sind Schutz-und Kriminalpolizei organisatorisch und tatsächlich unter einem Dach in einem modernen Bau am Standort Marktstraße 6/7 untergebracht.

Nutzern des behördeneigenen Intranets bietet die Polizeiinspektion Delmenhorst vertiefende Informationen auf ihren Seiten an.

Stand: 06.12.2012

Polizeistation Ganderkesee

Rautenberg, PHK

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Geschichte der Polizei Wildeshausen

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich im Oldenburger Land eine eigenständige Polizei- erst als Corps der Policeydragoner“ , dann als Landdragonercorps und ab 1867 als „Gendarmeriekorps Oldenburg“.

Viel hat sich aus dieser Zeit nicht erhalten, aber am besten kann man die Wildeshauser Polizeigeschichte am alten Amtshaus an der Herrlichkeit 13 festmachen. Das Haus wurde 1730 fertiggestellt und diente als Amtssitz des Vorstehers des Amtes Wildeshausen. Dieser Amtsvorsteher war neben dem militärischen Vorgesetzten der zivile Vorgesetzte der Gendarmeriebeamten. Als Amtsvorsteher war er Verwaltungs-,Polizeichef und Richter. Erst 1858 wurden die Funktionen getrennt.

05 Foto Ghzgl.Gendarmerieschild 1867-1919Damals dürften die Gendarmeriebeamten recht häufig dienstlich dort gewesen sein, heute ist dort eine Gaststätte und man ist dort eher privat oder zu einer dienstlichen Besprechung in ansprechenden Räumlichkeiten. Die Internetseite des Alten Amtshausesbietet auf seiner Internetseite dem interessierten Leser viel Hintergrundwissen zu diesem Thema.

 

06 Foto Haus 13

Haus 13

08 Foto Haus 15-2

Haus 15

 

 

09 Foto Haus 9

Haus 9

07 Foto- Haus 11

Haus 11

 

 

 

Ein eigenständiges Polizeidienstgebäude wurde 1914 der Neubau an der Herrlichkeit 11. Das heutige Polizeidienstgebäude Herrlichkeit 15 wurde 1893 als Amtsgericht   und das ebenfalls als Polizeigebäude genutzte Haus Herrlichkeit 9 1918 als Gehörlosenschule erbaut. Das etwas abgesetzte Polizeidienstgebäude Heemstraße 72 wurde zwischen 1938 und 1940 als Dienstwohnung des Amtsrichters und dessen Familie erbaut.

Die ehrenwerten Herren auf dem nachfolgenden Foto versahen in den 1930er Jahren an der Herrlichkeit 11 ihren Dienst und dürften auch den einen oder anderen in dem noch heute erhaltenen Zellentrakt untergebracht haben.

01 Foto- Gendarmeriebeamte 30er Jahre Wildesh

Gendarmeriebeamte in den 1930er Jahren in Wildeshausen

04 Foto- DSC_0152Das Hauptverkehrsmittel der damaligen Kollegen war das Fahrrad, was natürlich mit der Zeit nicht mehr ausreichte und im August 1926 stellte der damalige Dienststellenleiter einen Antrag auf Beschaffung eines Dienstkrades. Dienstfahrräder und Dienstkräder sind noch heute im Dienst, man sieht sie aber eher selten.

 

Die Zeit des Nationalsozialmus und seiner Verbrechen machte auch vor der Wildeshauser Polizei nicht halt. Im Rahmen der Verhaftungswelle nach der Reichspogromnacht (Quelle: NWZ Nr. 263/ Delmenhorst 2010) wurden auch Wildeshauser Bürger jüdischen Glaubens verhaftet. Ihr Weg in die Konzentrations- und Vernichtungslager führte über das Delmenhorster Gefängnis. Heute mahnt eine Stele in der Huntestraße in Wildeshausen.

 

 

03-Foto-Stele Text 21113_115231

Und wir standen alle da und schauten zu

02 Foto-Stele schmal

Auch hat sich eine bemerkenswertes Dokument über die Zeit gerettet- die Kapitulationsanweisung für die hiesige Gendarmerie

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges steht die Wildeshauser Polizei im Dienst der englischen Militärregierung und von der wird der Polizeiinspektor Baars als Leiter eingesetzt. Der Polizeiinspektor Baars hat seine dienstliche Laufbahn als Gendarmeriebeamter des Oldenburger Gendarmeriekorps begonnen und lange Jahre im Raum Ganderkesee seinen Dienst versehen. 1952 wird er pensioniert und gibt in den Räumen der Herrlichkeit 11 seinen Abschied. Dem aufmerksamen Betrachter dürfte auf den Fotografien nicht entgehen, dass die damaligen Fenster noch heute dort zu finden sind.

10 Foto Abschiedsfeier

Abschiedsfeier

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute ist die Wildeshauser Polizei Teil der Polizeiinspektion Delmenhorst und verteilt sich auf insgesamt vier Häuser, die sich in parkähnlicher Landschaft um die Keimzelle gruppieren.

Die seit Jahrzehnten immer wieder hochkommenden Neubaupläne werden sicherlich noch lange Jahre brauchen, bis die Wildeshauser Polizeigeschichte an einem anderen Ort als der Herrlichkeit geschrieben wird.

Nutzern des behördeneigenen Intranets bietet die Polizeiinspektion Delmenhorst vertiefende Informationen auf ihren Seiten an.

 

 

 

 

 

 

PHK Manfred Rautenberg

PSt Ganderkesee

Stand:17.12.2012

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„MOT“ Delmenhorst

Die Sicherung der Verkehrswege ist seit altersher eine der Aufgaben der Polizei, egal wie sie sich in der jeweiligen Zeit nannte oder organisierte. Die Reiter des „Corps der Polizeydragoner“ und des „Oldenburger Gendarmeriecorps“ dürften eher beschauliche Ausritte auf den Straßen ihrer Zeit gehabt haben, allerdings liegt die Vermutung nahe, das die Aufstellung einer eigenständigen Polizeitruppe im Oldenburger Land ihre guten Gründe hatte. Das Aufkommen von Kraftfahrzeugen brachte eine Entwicklung in Gang, die auch im Polizeibereich weitreichende Folgen hatte.

Zur Veranschaulichung mag ein Zeitungsartikel der Nordwest-Zeitung vom 19.6.2010 dienen, in dem von einem Verkehrsunfall berichtet wird, der schon etwas länger her ist.

Prinz-Heinrich-Stein 1911

Prinz-Heinrich-Stein 1911

1911 verunglückte Prinz Heinrich von Preußen (siehe Artikel der NWZ vom 19. Juni 2010 (Autor: Dirk Faß) Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg) auf der heutigen B 213 in der Nähe von Gut Lethe. Ein damals Aufsehen erregender Fall, der auch zum Aufstellen eines Gedenksteines führte. Ob der Verkehrsunfall damals schon durch Polizei aufgenommen wurde, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich war es noch nicht üblich, denn nur wenige konnten sich ein solches Gefährt leisten und Unfallaufnahme war noch nicht in dem Maße wie heute erforderlich.

Dies änderte sich im Laufe der Jahrzehnte stark. Es seien nur die Stichworte Massenmotorisierung und Autobahnbau genannt. Auch die Polizei nahm sich dieses Themas verstärkt an und bildete schon eigenständige Abteilungen, die damit zu tun hatten. Ablesen kann man dies an folgendem Erlaß für die motorisierte Gendarmerie aus dem Jahr 1941.

Erlass von 1941

Über diese ersten Verkehrspolizeidienstellen ist wenig bekannt. Konkreter wird es In den 50er Jahren, wo eine Verkehrspolizeistaffel in Oldenburg beheimatet ist.

Es gab zwar noch keine Autobahnen im damaligen Verwaltungsbezirk Oldenburg, aber man überwachte den Verkehr auf Bundes- und Landesstraßen im gesamten Bereich. In dieser Zeit wurde in Oldenburg wurde eine Gruppe zusammengestellt, die die neu gegründete Verkehrspolizeistaffel Delmenhorst aufbauen sollte. Die ersten neun Beamten wurden zunächst am 01.08.1953 in Räumlichkeiten des 2. Polizeireviers in Delmenhorst, in der Stedinger Straße untergebracht. Garagen gab es nicht und die Dienstkraftfahrzeuge wurden in einer angemieteten Scheune an der Dwostraße untergestellt.

Verkehrskontrolle in Hude 50er Jahre

Verkehrskontrolle durch eine Streife der „Mot“ 1957 in Hude (Archiv Polizei Delmenhorst)

1965 konnten Räumlichkeiten in einer ehemaligen Schuhfabrik am Uferweg 15 für Zwecke der Verkehrspolizei angemietet und umgebaut werden. Einige Räume waren vorher schon durch den Ermittlungsdienst der Stadtpolizei genutzt worden und auch eine Wohnung für den damaligen Mitarbeiter Technik und dessen Familie war vorhanden.

 

Einen Stützpunkt (Artikel der NWZ vom 6. Juli 1967, Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg) an der BAB A1 gab es auch bald, einen günstig erworbenen Container, der an der Abfahrt Wildeshausen-Nord aufgestellt war. Kaufpreis samt Aufstellung 120 000 DM.

Verkehrspolizeistaffel Delmenhorst vor dem Dienstgebäude in Delmenhorst, Annenheider Straße (Archiv Polizei Delmenhorst)

1978 verloren die motorisierten Verkehrspolizeistaffeln den Zusatz „motorisiert“. Unter dem Dach einer Verkehrspolizeiinspektion mit Sitz in Oldenburg wurden die Verkehrspolizeistaffeln Oldenburg, Delmenhorst, Langen und Osnabrück angesiedelt; die Staffeln Leer und Ahlhorn gab es noch nicht. Der Begriff „MOT“ für die Dienststellen der Verkehrspolizei aber hat die Zeit und den Wandel bis heute im allgemeinen Sprachgebrauch überdauert.

Im Januar 1980 zogen die Beamten etwas näher an die Autobahn/Bundestraße 75, an die Annenheider Straße in Delmenhorst-Hasport, in einen Flachdachbau, der vorher als Supermarkt erstellt und für die Zwecke der Polizei umgebaut worden war.

Am 1.12.2004 wurden wieder die Koffer gepackt und die Dienststelle, mittlerweile nannte sie sich Polizeikommissariat BAB und war in die Polizeiinspektion Delmenhorst integriert, zog nach Gut Lethe bei Ahlhorn um. Die alte Dienststelle diente anderen Zwecken, u.a. wurde der Containerstützpunkt an der BAB aufgegeben. Die Streife, die die A 28 versorgte, konnte noch eine Weile dort Räumlichkeiten nutzen, bis der Mietvertrag endete. Zur Zeit(2012) wird diese Streife in den Räumen der Polizeistation Ganderkesee beherbergt.

Luftaufnahme PK BAB

Als der autobegeisterte Prinz 1911 unsanft die Straße bei Gut Lethe verlies, hätte er sich nicht träumen lassen, dass 100 Jahre später dort eine Dienststelle einer Verkehrspolizei beheimatet sein würde. Wo diese Staffel in weiteren 100 Jahren sein wird und wie sie sich nennen wird…….wer weiß?

 

 

Für Nutzer des behördeneigenen Intranets bietet die Polizeiinspektion Delmenhorst vertiefendes Material auf ihren Seiten an.

 

Rautenberg, PHK 13.12.2012

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Begegnungen mit der Pferdemarktkaserne

Geschichte hat immer etwas mit persönlichem Erleben zu tun, sei es, ich erlebe es als Zeitzeuge, sei es, dass ich Geschichten aus alter Zeit an einem Kaffeetisch erzählt bekomme oder auch in Archiven forsche. Ich merke es oft nicht, aber Geschichte berührt immer. So ist auch meine persönliche Erfahrung, die ich hier in Bezug auf ein Gebäude erzählen möchte.

Als junger Polizeioberwachtmeister, Anfang 20, stand für mich Ende 1978 der Ausbildungsabschnitt “Praktikum Einzeldienst“ an und ich freute mich, dem Dienst in der Kaserne der Bereitschaftspolizei in Bloherfelde zu entkommen. Das 1. Polizeirevier am Oldenburger Pferdemarkt war meine Ausbildungsstelle, wohnen konnte ich zunächst noch in der Unterkunft.

Bislang kannte ich das große alte Gebäude am Pferdemarkt nur vom Vorbeifahren, aber im Laufe der Zeit sollte ich dem Gebäude und der Polizei näherkommen.

Die Wache war in einem kleinen Anbau an der Durchfahrt untergebracht, der wohl ursprünglich nur als Unterkunft der Torwache gedient hatte, aber damals die Diensträume des Streifendienstes, genannt SOV-Dienst ( Sicherheit, Ordnung und Verkehr), beherbergte. Die Wache des 1. Polizeireviers der Stadt Oldenburg bestand aus einem kleinen Wachraum mit einem Tresen, hinter dem der Wachhabende, meist ein älterer Hauptmeister oder der Schichtführer, ein Kommissar, saß. Daneben ein kleiner Funkraum, wo auch ein Waffenschrank, ein Schlüsselkasten und eine kleine Schreibmaschine mit der eingespannten “ Morgenmeldung“ stand. Im Wachraum selber mussten noch zwei Schränke mit alten Unterlagen und ein Schreibtisch mit einem Schreibmaschinentisch unterkommen. An dieser Schreibmaschine habe ich einen Tag später meine erste Strafanzeige wegen Fahrraddiebstahls aufgenommen. Es sollten noch viele weitere folgen.

Versteckt hinter den Schränken ging eine schmale, steile Holztreppe nach oben, wo in einem Durchgangszimmer ein Formularschrank und eine Schreibmaschine standen. Von dort kam man in den Aufenthaltsraum, der wieder mit einer Schreibmaschine, einem Tisch und Stühlen ausgestattet war. Ein kleiner Fernseher mit dem Schild „Gespendet von der Gewerkschaft der Polizei Oldenburg“ stand dort. Dazu noch ein kleiner Abstellraum mit Foto- und Verkehrsgerät. Das war derArbeitsbereich des Streifendienstes.

Auf der anderen Seite des Flures kamen noch ein Paar Räume mit der Leitung und dem Geschäftszimmer hinzu, der Ermittlungsdienst hatte seine Büros in der Georgstraße. Im Keller fanden sich die Toiletten, Umkleideräume und die Zellen, in denen graue Decken lagen mit der Aufschrift „OrPo Oldenburg“. Die oberen Etagen des Gebäudes wurden durch die Kriminalpolizei und den Kommandeur der Schutzpolizei genutzt.

Das Haus war alt und hatte offensichtlich schon viel erlebt. Die Treppenstufen waren durch unzählige Fußtritte durchgelaufen, eine altehrwürdige, schwere Holztür gewährte Eintritt in das Dienstgebäude. Der Zustand war offensichtlich nicht mehr der Beste, denn unter den Tritten der Beamten brach auch schon mal die Holztreppe von der Wache nach oben zusammen, im Keller rieselte der Putz von der Wand und aufgerissene Farbrest hingen teilweise noch darüber.

Auch wenn sich der Gesamtzustand doch stark renovierungsbedürftig zeigte, so strahlte das Gebäude doch eine innere Solidität aus. Auch fühlte ich mich dort sehr wohl, denn ich war in einer Schicht gelandet, die gut zusammenpasste und ich denke noch heute gern an die Zeit zurück. Nach dem Praktikum wurde ich zu dem Revier fest versetzt und lernte auch die Kollegen immer besser kennen. Auffällig war, dass dort noch einige ältere Kollegen Dienst machten, die den 2. Weltkrieg aktiv miterlebt hatten. Ein Umstand, dessen Tragweite ich damals noch nicht erkennen konnte.

Nur um zwei Beispiele für diese Kollegen zu nennen. Der Leiter Außendienst war als junger Soldat Jagdflieger gewesen und der Mitarbeiter Technik als Marinesoldat in den letzten Kriegstagen noch mit einem U-Boot in einem Ostseehafen untergegangen.

Das Haus und die Menschen dort hatten Geschichte. Diese Geschichte wurde noch einmal besonders lebendig, als ich eines Tages im Abstellraum der Wache einen Stapel Wehrmachtskarabiner entdeckte, die dort schon mal für Filmaufnahmen deponiert worden waren, die ein paar Tage später dort stattfinden sollten. Die Einfahrt zum Dienstgebäude wurde an dem Tag zum Filmset für einen historischen Film, der in der Kriegszeit spielte. Die Dienststellenschilder waren mit alten Schildern überdeckt, Kübelwagen und Wehrmachtkräder fuhren ein und aus und die Kleidermode der Passanten stammte aus den 40er Jahren. Vor dem Eingang der Wache stand ein Wehrmachtssoldat auf Posten mit dem Karabiner über der Schulter und im Hintergrund lief unser normaler Dienstbetrieb ab.

Schmunzeln musste ich über die Szene, die sich dabei ereignete. Eine alte Dame, der das alles sehr vertraut vorkommen musste, hatte auf der Wache zu tun gehabt, wollte wieder weggehen und traf auf den Posten. Verunsichert holte sie ihren Personalausweis, zeigte ihn dem Wehrmachtsposten vor und konnte ungehindert passieren. Die Kameras waren ihr wohl nicht aufgefallen. Alles wie früher!

Im Rahmen der Ausbildung zum gehobenen Dienst verließ ich das Haus und kam nur noch 1982 zur Beförderung zum Kommissar wieder, damals von dem Kommandeur der Schutzpolizei, dem Leitenden Direktor Schnupp,vorgenommen. Der konnte sich als „Beamtenrechtspapst“ dabei nicht die Bemerkung verkneifen „Das können wir aber besser!“ und spielte damit auf meine mündliche Prüfung an, die er im Staats-und Verfassungsrecht abgenommen hatte.

Unsere Wege, mein Weg und der des Hauses, trennten sich. Die Polizei baute am Friedhofsweg ein neues Gebäude und wenn ich dort zu tun hatte, fuhr ich an dem alten Gebäude nur vorbei.

Dreißig Jahre später….

Das Thema Polizeigeschichte ist zu mir gekommen. Im Rahmen des Aufbaus einer dienstlichen Internetseite, kam der Gedanke auf, dass dazu auch die eigene Organisationsgeschichte gehört und das Thema hatte mich seitdem nicht wieder verlassen.
Ich war bei den Recherchen im Internet über den Namen Dr. Lankenau gestolpert. Er war als Polizeibeamter auch ein Bewohner des Hauses am Pferdemarkt gewesen, nur lange Jahre vor mir. Er war studierter Historiker und hatte in den 20er Jahren Bücher über die alte Oldenburger Polizeigeschichte geschrieben, die ich gerne lesen wollte.
Also besuchte ich 2012 das alte Haus am Pferdemarkt wieder, in dem mittlerweile  die Oldenburger Landesbibliothek untergebracht ist. Neugierig betrat ich durch das neue Eingangsportal das Gebäude. Es war entkernt und hochwertig renoviert worden, man konnte aber deutlich spüren wie vorsichtig die Architekten mit dem denkmalgeschützten Gemäuer umgegangen waren. Teilweise waren noch die alten Türen erhalten geblieben und liebevoll restauriert worden.
Nach dem ich die gesuchten Bücher bekommen hatte, verließ ich das Gebäude durch den Hintereingang und schwelgte noch ein wenig in meinen Erinnerungen, denn das Gebäude verströmte wie damals Geschichte.

Im Hof sah ich mich um und es war nicht mehr der triste Parkplatz, sondern war jetzt begrünt und neu gepflastert. Die Garagen waren abgerissen worden. Ruhig und friedlich lag der Parkplatz da und ich schlenderte mit meiner Frau noch zu dem alten Wachbau und warf noch einen Blick hinein. Jetzt war dort eine Werkstatt der Bibliothek und es erinnerte nichts mehr an die alte Nutzung.

Im Weggehen fiel mein Blick auf eine Sandsteinplatte, die in die Außenwand der Wache eingelassen worden war. Betroffen las ich die Inschrift:

Gedenkstein Polizeiamt Pferdemarkt

Mahntafel des Alten Polizeiamts Oldenburg
Als Folge dieser Begegnung mit dem Gedenkstein suchte ich nach weiteren Hinweisen auf die Geschichte des Hauses. Das Dienstgebäude war ursprünglich eine Militärkaserne und nach einem Brand in der heutigen Form neu gebaut worden. Anfang der 20er Jahre übernahm das Gebäude die neu gegründete Oldenburger Sicherheitspolizei, die Vorläufer der Oldenburger Ordnungspolizei war.

Am 26.5.2012 begegnete ich meinem damaligen Arbeitsplatz im kleinen Postenhaus der Pferdemarktkaserne wieder, diesmal in einem Zeitungsartikel der Nordwest-Zeitung, in dem über eine Wahlkampfveranstaltung vom 10.5.1931 vor dem Dienstgebäude berichtet wurde.

Pferdemarkt NWZ 26-5-2012

Auf dem dazugehörigen Foto sah man Adolf Hitler und Carl Röver auf einer Tribüne reden. Im Hintergrund ist das Postenhaus zu erkennen und Personen schauen aus einem Eckfenster auf die Veranstaltung. Die Personen waren nicht zu erkennen, aber das Zimmer kam mir bekannt vor- das Zimmer meines damaligen Revierleiters.
Die zu dem Gedenkstein dazugehörigen Menschen fand ich ein Jahr später auf einem Foto, dass in einem Beitrag der Oldenburger Onlinezeitung vom 9.11.2013 zu finden war. Betroffen machte mich nicht nur die Tatsache, dass es diesen Massenmord gegeben hatte, sondern auch der Umstand, dass er mit meinem damaligen Arbeitsplatz zu tun hatte und es drei Jahrzehnte gebraucht hatte, mir dies bewußt zu machen.
Eine weitere Facette diese Gebäudes fand sich zufällig auf der Website des niedersächsichen Innenministeriums. In einem kleinen geschichtlichen Beitrag zur Polizeigeschichte fand sich dort ein Foto, dass weibliche Schutzpolizei in Oldenburg im Dienste der Besatzungstruppen zeigte. Es war zuerst nicht klar, wo genau das Foto entstanden war, aber der Ort kam mir bekannt vor, der Hof meiner alten Dienststelle.

Auf dem Foto sieht man zwei Frauen in Uniform mit Armbinden mit der Aufschrift „MG Police“, die zwei kleine Kinder zwischen sich haben.

Weibliche Polizei

Pferdemarktkaserne Nachkriegszeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Polizeiamt Pferdemarkt 2014

Pferdemarktkaserne heute – gleicher Blickwinkel

 

Foto Landebibliothek OL 09-2014

Heute: Landesbibliothek Oldenburg

 

Dies waren einige kleine Begegnungen mit diesem wichtigen Haus auf meinen ganz persönlichen Weg bei der Polizei.
Die niedersächsische Polizei als staatliche Institution hat angefangen sich ihrer Vergangenheit zu stellen und auch die dunklen Phasen ihrer Geschichte als Teil der eigenen Organisationsgeschichte anzunehmen. Sie hat mittlerweile ein eigenes Polizeimuseum mit hauptamtlichen Mitarbeitern, Beiträge auf den Internetseiten und auch die Wanderausstellung „Ordnung und Vernichtung – Die Polizei im NS-Staat„, die sich damit befasst.

Warum schreibe ich das?

Dies Haus mit seiner Geschichte ist mir begegnet und hat mich berührt. Wenn ich heute an ihm vorbeifahre, erinnere ich mich an diese Geschichten!

PHK Manfred Rautenberg

Polizeistation Ganderkesee

26.02.2014

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Von der Polizeiassistentin zur Führungskraft – Eine Ausstellung über die Geschichte der Feminisierung der Polizei –

Kaum eine Veränderung hat die Polizei so nachhaltig geprägt, wie die Einstellung von Frauen in den Polizeidienst. Aus einer reinen Aufgabe für Männer, mit vielen militärischen Attitüden, wurde ein vollwertiger Beruf für beide Geschlechter. Nun könnte der Eindruck entstehen, dass sich diese Entwicklung praktisch von selbst vollzogen hätte, also nur dem Zeitgeist und damit dem gesamtgesellschaftlichen Wandel gefolgt sei. In der Tendenz ist die Aussage nicht falsch. Die Entwicklung der Gleichstellung in der Arbeitswelt hat viele Berufe erfasst und die Unterscheidung in Frauen- und Männerberufe verliert zunehmend an Bedeutung. Und doch ist die Feminisierung der Polizei etwas Besonderes. Etwas Besonderes deshalb, weil es um einen Wandel der zentralen staatlichen Gewalt im Innern geht. Über Jahrhunderte waren Staat und Staatsgewalt, Synonym für Männlichkeit.[1] Mit der Feminisierung der Polizei endete die männliche Hegemonie über ein zentrales Element der Staatsgewalt. Und der Prozess war und ist weitreichend. Er umfasst das Fremd- und Selbstbild des Schutzmannes ebenso, wie Verhaltensweisen und Umgangsformen nach innen und außen, bis hin zu einer veränderten Aufgabenwahrnehmung. Über 100 Jahre hält dieser Prozess nun schon an und ist immer noch aktuell. Gleichstellungsfragen sind ein zentraler Aspekte der Organisationsentwicklung einer modernen Polizei.

Ausstellung Polizeiassistentin

Aufgrund der historischen und aktuellen Relevanz dieses Themas hat die Polizeigeschichtliche Sammlung der Polizeiakademie Niedersachsen die Feminisierung der Polizei seit einigen Jahren zu einem ihrer Arbeitsschwerpunkte gemacht.[2] Um vor allem die historische Entwicklung stärker ins Bewusstsein der Menschen innerhalb und außerhalb der Polizei zu bringen, wurde 2009 eine Wanderausstellung erarbeitet und im September in der Polizeiakademie Niedersachsen in Nienburg/ Weser eröffnet.[3] Die Ausstellung soll auch verdeutlichen, dass die Forderung nach weiblichen Polizisten ein Teil des Kampfes von Frauen für Frauen um ihre gesellschaftliche Gleichberechtigung war und ist. Doch wer kennt heute noch den Namen von Henriette Goldschmidt, der ersten Wegbereiterin weiblicher Polizeiarbeit in Deutschland? Wer weiß, dass Politikerinnen in der Weimarer Republik parteiübergreifend erste weibliche Polizeibeamte in Deutschland durchsetzten? Und wer oder was erinnert an die Frauen der Weiblichen Kriminalpolizei, die in den 60er und 70er Jahren immer noch um ihre berufliche Gleichberechtigung kämpfen mussten? Mit der Ausstellung Von der Polizeiassistentin zur Führungskraft und der hier anschließenden Darstellung soll die Geschichte der Feminisierung der Polizei einer interessierten Öffentlichkeit bewusster gemacht werden.

Weiterlesen: http://www.polizeigeschichte-niedersachsen.de/resources/Artikel_Polizei_korr_2.pdf

[1] „Obrigkeit ist männlich“ stellte der Historiker und Politiker Heinrich von Treitschke (1834-1896) unumwunden fest. Für ihn hieß regieren über bewaffnete Männer zu gebieten, etwas das Frauen von Natur aus niemals könnten. Vgl.: Treitschke Politik 1897, S. 252 f.

[2] Im Jahr 2005 fand ein Symposium zum Thema statt. 2009 wurde die Wanderausstellung Von der Polizeiassistentin zur Führungskraft eröffnet. Aktuell ist eine Monographie über die Anfänge der Entwicklung bis 1914 erschienen (Götting, Dirk: Das Aufbegehren der bürgerlichen Frauenbewegung gegen die Sittenpolizei des Kaiserreichs und der erste Versuch weiblicher Polizeiarbeit in Deutschland [1875-1914], [Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Polizeigeschichte e. V., Bd. 9] Frankfurt a. M. 2010).

[3] Einen Eindruck von der Ausstellung vermittelt das Internet unter: www.polizeigeschichte-niedersachsen.de.

 

 

Autor: Dr. D. Götting

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Die „ersten“ Polizisten im Oldenburger Land

Wenn man sich auf die Suche nach der eigenen Organsiationsschichte macht, so kommt man sehr schnell bis zu den Quellen im alten Griechenland und des Römischen Reiches. Typische Begriffe unserer Berufsstandes weisen noch heute auf diese Ursprünge hin. Von den damaligen Personen mit Polizeiaufgaben ist kaum mehr etwas bekannt- meist nur von zentralen Würdenträgern haben sich Namen und Bilder bis in die heutige Zeit erhalten.
Sucht man in der lokalen Polizeigeschichte nach diesen Namen und Gesichtern wird es auch hier mit zunehmender zeitlicher Entfernung immer weniger. Zeitzeugen gibt es nicht mehr,  vieles ist verloren gegangen und vergessen, aber einiges hat an geschützter Stelle die Zeiten überdauert, z.B. in den staatlichen Archiven.

Der damalige Polizeihauptmann Dr. Heinrich Lankenau , der studierter Historiker war, betrieb in den 20er Jahren intensive Archivarbeit und hat wohl das Standardwerk zu diesem Abschnitt der lokalen Polizeigeschichte, der Zeit des Oldenburger Polizeidragonercorps von 1786, geschrieben, welches die Oldenburger Landesbibliothek dem interessierten Leser heute in digitaler Form zur Verfügung stellt.
Er stieß in den Archiven u.a. auf einen Namen: Friedrich Westje aus Horn bei Wiefelstede
(damals 21 Jahre)

Dieser Kollege wurde am 08.02.1787, 10.00 h, in das neu aufgestellte Polizeidragonercorps unter der laufenden Nummer 1 eingestellt. Man könnte ihn als den ersten namentlich bekannten Polizeibeamten bezeichnen.
Schon damals stieß der Forscher auf das Problem, dass es aus dieser Epoche kein Bildmaterial eines Polizeidragoners gibt, lediglich eine Beschreibung der Uniform – „Montierung“ genannt- ist erhalten geblieben:

dunkelblauer Rock mit rotem Kragen und Rabatten,
rote Weste, beides mit weißen Knöpfen,
lederne Beinkleider, großer blauer Mantel,
weißer Leinenkittel, Stiefel, Lederhandschuhe,
Hut mit einer schmalen halbsilbernen Bandtresse,
rote Halsbinde, Sporen. Bewaffnet mit einem Pallasch ,
Patronentasche,zwei Pistolen. Beritten mit einem
dunklen Pferd. Kosten der Ausrüstung samt
Pferd und Sattel: 127 Reichsthaler und 46 Groschen.

Eine andere Fundstelle bietet das Oldenburger Staatsarchiv mit einem Gemälde von 1786, auf dem der damalige Oldenburger Polizeidiener Cassel zu sehen ist.

Polizeidiener Cassel(Stadt Oldenburg) Polizeidiener Cassel Quelle: Staatsarchiv Oldenburg

Polizeidiener Cassel(Stadt Oldenburg)
Polizeidiener Cassel
Quelle: Staatsarchiv Oldenburg

Bei diesem Bild dürfte es sich um die älteste Abbildung eines uniformierten Oldenburger Polizeibeamten handeln, man könnte ihn ebenfalls als „den ersten Polizeibeamten“ bezeichnen. Die Einrichtung der Polizeidiener ist deutlich älter(ab 1700) als das Polizeidragonercorps, es haben sich aber keine älteren Namen oder Bilder erhalten. Bekannt ist aus den Anfängen lediglich, dass noch keine Uniform getragen wurde. Aus dieser Einrichtung erwuchs in späteren Zeiten die Kommunalpolizei.

Vielleicht sind sich der Polizeidiener Cassel und der Polizeidragoner Westje einmal begegnet? Sie waren zumindest Zeitgenossen. Die eine oder andere Geschichte im Buch des Polizeihauptmanns Dr. Lankenau lädt auch zum Schmunzeln ein. Viel Freude beim Lesen der Spuren der „ersten“ Polizeibeamten.

Stand: 01.10.2012

Polizeistation Ganderkesee, Rautenberg, PHK

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Von der Polizei der Obrigkeit zum Dienstleister für öffentliche Sicherheit

_wsb_170x240_hanHeuer, Hans-Joachim; Klosa, Hans-Dieter u.a. (Hrsg.):
Festschrift z. 100. Gebäudejubiläum des Polizeipräsidiums Hannover 1903-2003, Hilden 2003. Weiterlesen

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Polizei im Rückspiegel – Die Geschichte der Polizeidirektion Braunschweig

BuchcoverDowidat, Volker Weiterlesen

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Verbrannt, verkauft – vergessen? – Zur Geschichte der Liegenschaft Leonhardplatz 1 in Braunschweig

verbrannt

Bünte, Erich; Deter, Hans-Hermann; Dohr, Helmut (Hrsg.) Weiterlesen

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Ein Oldenburger Polizeibeamter- Harry Sievers, Kriminalsekretär und Sturmscharführer

Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches und der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde auch Oldenburg besetzt und stand unter englischer Militärverwaltung. Schon bald griff diese auf bestehende Polizeistrukturen zurück, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhalten.

Da die Polizei ein wesentlicher Teil des nationalsozialistischen Systems gewesen war, wurde sie nach und nach reformiert und erlebte in den Jahren von 1945 bis 1950 einen enormen Wechsel des Personals, der sich an folgenden Zahlen zeigt.

Personalstand Mai 1945: 1001 Polizeibeamte aller Sparten (Schutzpolizei mit Reservisten, Gendarmerie, Kriminalpolizei und weiblicher Kriminalpolizei)

Es waren in der Zeit 1187 „Abgänge“ und 1041 „Zugänge“ von Polizeibeamten zu verzeichnen. Von den 1001 Beamten im Mai 1945 waren im März 1950 nur noch 108 Beamte im Dienst.

Infolge „Entnazifizierung“ sind 327 Polizeibeamte entlassen worden.

Einer dieser Polizeibeamten war der Kriminalsekretär und SS- Sturmscharführer Harry Sieversdessen Leben in dieser Zeit im folgenden kurz beschrieben werden soll.

Sievers (links) vor dem Staatsministerium Oldenburg

1936 Kriminalsekretär Sievers (links) vor dem Staatsministerium Oldenburg

Er trat 1924 in die Oldenburger Polizei ein, versah zunächst Dienst in der Ordnungspolizei und wechselte ab 1930 zur politischen Abteilung im Staatsministerium, aus der 1934 das Geheime Staatspolizeiamt Oldenburg hervorging.

Nach Kriegsende wurde er im Lager Sandbostel interniert und dort zu 6 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Schon in der Lagerhaft arbeitete er an seiner Rehabilitierung und klagte nach seiner Entlassung gegen die Verurteilung und seine Einstufung als „Wenig Belasteter“ der Stufe 2 der Entnazifizierungsrichtlinen. Nach Jahren gelang es ihm in die Stufe 5, als „Nichtbelasteter“ eingestuft zu werden, was zur Folge hatte, dass ihm das Gehalt nachgezahlt wurde. In den Polizeidienst trat er allerdings nicht mehr ein und verdiente seinen Lebensunterhalt in einem Zivilberuf.

Er starb 1975 in Sanderbusch.

Aus seinem Nachlaß ist der von ihm verfaßte Lebenslauf mit den zu seiner Entlastung aufgeführten Fällen erhalten, der von seiner Familie an dieser Stelle zur Verfügung gestellt wird und einen tiefen Einblick in die damalige Zeit, das Leben des Beamten und des Menschen Harry Sievers bietet.

vor dem Staatsminsterium OldenburgLebenslauf

 

Polizeistation Ganderkesee

PHK Manfred Rautenberg

 

Juni 2013

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Polizeiausbildung 1962

Wo vor 50 Jahren auf dem Basaltkopfsteinpflaster des damaligen Kasernengeländes der LPSN eisenbeschlagene Stiefel im Gleichschritt unter militärischen Kommandos den Ton angaben, gehen heute die Studierenden der Polizeiakademie auf leisen Sohlen zu ihren Vorlesungen.

 

2. Zug zur Vereidigung

2. Zug zur Vereidigung

Welch ein Zeitwandel !

Zu jener Zeit warb die Polizei unter dem Motto “Ein Beruf fürs Leben” ihren Nachwuchs. Der Bewerber mußte mindestens 18 Jahre alt, Deutscher im Sinne des GG, nicht vorbestraft und  polizeidiensttauglich sein, sowie die Körpergröße von 1,68 m und eine abgeschlossene Berufsausbildung haben.

Wer diese Voraussetzungen erfüllte, konnte an einem Auswahlverfahren teilnehmen. Von rund 1000 Bewerbern wurden etwa 100 ausgewählt und zur Ausbildung an der LPSN einberufen.

Vereidigung in der Sporthalle

Vereidigung in der Sporthalle

Einige der Bewerber wollten von vornherein keinen “Beruf fürs Leben” sondern mit der Grundausbildung gleichzeitig ihren Wehrdienst bei der Bundeswehr umgehen, der damit erfüllt war.

Man bedenke das Jahr 1962: Kubakrise und Weltkriegsgefahr.

Was viele von den jungen Polizeibeamten nicht wussten, war die Tatsache, dass ganz nebenbei noch eine militärähnliche Ausbildung stattfand und es den so- genannten Kombattantenstatus für die Polizei gab.(Im Kriegsfall in die Landesverteidigung eingebunden).Man sprach  bei den militärischen Geländeübungen nicht vom Feind, sondern vom Störer. Es war immer die Rede von der Bekämpfung von Agenten aus der SBZ (sowjetische Besatzungszone).

Geländeübung

Geländeübung

Zu den Geländeübungen gehörte auch eine Nachtübung im Kaufunger Wald mit Karte und Kompass , bei der sich einige Kollegen weit in hessische Dörfer verirrten und erst bei Tagesanbruch zurückkehrten.

Für uns war dies jedoch neben den vielen Unterrichtsstunden und Klausuren in Rechtsfächern und Allgemeinbildung eine abwechslungsreiche  und spannende Sache.

Übrigens: Morgens nach dem Wecken hörten  wir gerne aus einem Transistorradio den DDR-Propagandasender (Freiheitssender 904). Er brachte  die auch bei uns schon  beliebte anglo-amerikanische Musik.

 

Wie war der Alltag in jener Zeit ?

Nach der Einkleidung und Unterbringung in 6-Mann Stuben erfolgte der erste Appell. Jeder, der bis dahin glaubte, er trage die erlaubte Haarfrisur, irrte sich gewaltig. Vorgeschrieben war ein kurzer Einheitshaarschnitt, den  sich fast jeder  bei dem Kasernenfriseur verpassen lassen mußte. Protest war vergebens. Wer nicht wieder mit seinem “Persilkarton” nach Hause fahren wollte, ging zum Friseur.

Morgens um 06.00 Uhr: Wecken durch wiederholte Lautsprecherdurchsagen von dem Ausbilder vom Dienst. Meldung des Stubenältesten an den AvD: Stube 203 mit 6 Wachtmeistern belegt: “Alles auf und gesund”..Danach Frühstücken auf der Stube, diese reinigen und Spind aufräumen. Antreten um 07.30 Uhr zum Morgenappell vor dem Unterkunftsgebäude.

Die Ausbilder (Gruppenführer) machten dem Spieß (Leiter Innendienst) Meldung.

Dieser verlas aus seinem Merkbuch den Dienstplan für den Tag und machte danach dem Hundertschaftsführer Meldung.  Nach dessen Begrüßung: Guten Morgen 2. Lehrhundertschaft erwiderte diese: Guten Morgen, Herr Hauptkommissar.

Danach begann der Ausbildungstag nach Plan bis 17.00 Uhr.

Wochenend- und Familienheimfahrten ?

Einmal im Monat bestand die Möglichkeit von Freitagmittag bis Sonntagabend 22.00 Uhr auf Antrag nach Hause zu fahren.

Wer sonst den Standort Hann. Münden verlassen wollte, hatte ebenfalls ein Gesuch zu schreiben und genehmigen zu lassen.

Bei kleinen Vergehen, wie Staub auf dem Spind, Spind nicht aufgeräumt, PINUP-Girl im Spind oder Staubflusen in der Naht der Stiefelhose gab es keinen  Ausgang, sondern Strafdienst wie Unterkunftswache am Wochenende oder Wachdienst in der Unterkunft (Wachtmeister vom Dienst).

Letztendlich hat jeder einmal unter den strengen Marotten der Ausbilder zu leiden gehabt. Aber, dies hatte zu einer außergewöhnlichen Kameradschaft geführt.

Das Ausbildungsjahr ging zu Ende, als die Schneider der Uniformfabrik kamen, um für eine neue Uniform mit “richtigen Wachtmeisterschulterstücken” Maß zu nehmen.

Nach erfolgreichem Abschluß der Ausbildung und einer zünftigen Abschiedsfeier, folgte die Abreise im neuen Wintermantel unter der Plane eines Mannschaftswagen zu den Dienstorten der Landesbereitschaftspolizei in Braunschweig oder Hannover.

Die Kollegen des 2. Zuges der 2. Lehrhundertschaft sind sich bis heute treu geblieben. Vier von Ihnen sind nicht mehr unter uns, sie bleiben jedoch in guter Erinnerung.

Jubiläumstreffen des 25. Grundlehrganges in Bad Bentheim 2012

Jubiläumstreffen des 25. Grundlehrganges in Bad Bentheim 2012

 

 

 

 

 

 

Polizeispiegel Juli/ August 2013

Erwin Knöll

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