Das Polizeimuseum Stockholm ist eine gute Gelegenheit, einen Einblick in die Öffentlichkeitsarbeit der schwedischen Polizei zu erhalten.
Das Polizeimuseum Stockholm thematisiert einerseits das zeitgemäße Bild von Polizei in Gesellschaft und Politik. Andererseits wird aber auch Historie betrachtet und einzelne Sparten polizeilicher Arbeit werden dargestellt. So findet der Besucher auf zwei Etagen verschiedene Aspekte polizeilicher Arbeit und polizeilichen Alltags mit Hilfe von diversen Medien aufbereitet. Mit zehn Mitarbeitern ist das Museum entsprechend gut aufgestellt und kann somit Öffnungszeiten auch am Wochenende gewährleisten. Der Eintritt beträgt ca. 10 Euro für Erwachsene.
Besucher der Sammlung starten mit einem Eindruck aus der Privatsphäre von Opfer und Täter. Häusliche Gewalt und scheinbar eher unspektakuläre Verbrechen werden zunächst in nachgebauten ganz normalen Privatwohnungen vermittelt. Im Anschluss trifft der Besucher auf die historische Entwicklung von Uniformen und Ausstattung von Beamten und Beamtinnen.

Im gleichen Atemzug werden filmisch Interviews mit Zeitzeugen, pensionierten Beamten aber auch aktuelle Handlungen gezeigt. So kann sich der Besucher ein Interview mit einer der ersten Polizeibeamtinnen ansehen, während auf einer weiteren Leinwand ein Polizist seine Einsatz-Spezialausrüstung anlegt. Mit der Möglichkeit, einmal selbst in eine Uniform zu schlüpfen, bietet das Museum seinen Besuchern einen humorvollen Aspekt. Bis auf eine Polizei-Kutsche mit Pferd und Mann sind in der Sammlung kein Großgerät oder historische Fahrzeuge zu sehen.
Im düsteren und geheimnnisumwobenen Ambiente werden in der zweiten Etage authentische Kriminalfälle dargestellt. Tatwerkzeuge, Fotos und Polizeiberichte zu spektakulären Mordfällen in Schweden können betrachtet werden. Auch polizeiliche Hilfsmittel zur Spurensuche und Wiedererkennung historisch wie auch aktuell finden sich in den Vitrinen.
Einen weiteren bedeutenden Bereich stellen schwedische Kriminalliteratur und –filme dar. Der Besucher erhält in einem audiovisuellen Gefüge, die Gelegenheit zum Einblick in die Produktion schwedischer Krimiserien mit samt ihren Darstellern. Eine kleine Leseecke bietet Kriminalliteratur von Kommissar Wallander bis Irene Huss zum Schmökern und Entspannen. Das Selbstbild der Polizeibeamten in ihrem Beruf wird an dieser Stelle mit Interviews und Selbstdarstellungen teils humorvoll teils kritisch untermalt.
Zurück im Eingangsbereich des Museums dürfen sich besonders die Kleinen unterhalten fühlen. Mit dem Nachbau einer entsprechend kleinen Einsatzzentrale mit Funk und Blinklichtern finden die kleinen Besucher bei Spiel und Spaß, Gelegenheit selbst einmal Polizist zu sein. Ein aktueller Streifenwagen der schwedischen Polizei darf von innen wie von außen ausgiebig getestet werden. Kleine Uniformen für kleine Menschen sorgen für zusätzlich Authentizität im Spiel.
Eine Sonderausstellung zum Selbstbild der Polizei macht einerseits den Umgang mit dem Thema in der Gesellschaft deutlich, andererseits ist die Auseinandersetzung mit sich und ihrem Berufsbild für die Beamten und Beamtinnen eine gute Gelegenheit, sich einmal in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit traurigen aber auch humorvollen Geschichten wandelt sich der Polizist oder die Polizistin somit vom Handlungsorgan der Staatgewalt zum privaten Menschen. Der unnahbare Uniformierte wird für den Besucher transparenter – das Berufsbild Polizist hinterlässt einen ganz anderen Eindruck nach einem Besuch dieses Museums.

Unter www.polismuseet.se gibt es einen ersten Eindruck des Museums. Lohnenswert ist der Besuch - wenn man denn schon mal in Stockholm ist – allemal.